Philosophische Probleme: Die Morgenzigarette

Jetzt wird es etwas verqualmt. Wir reisen in die mannhaften 1950er Jahre, kurz bevor alle philosophischen Probleme endgültig geklärt waren.

Nehmen wir an, dass Sie, mein Leser (gleich mir), mit Vorliebe beim Erwachen auf nüchternen Magen eine Zigarette rauchen und sie sehr vermissen, wenn Sie keine haben können. Dieser Sachverhalt ist eine primäre Bewertung ihrerseits. … Morgens früh, noch im Bett liegend, zünden Sie eine Zigarette an, tun einen tiefen Zug und fallen mit einem genießerischen “Ah!” in die Kissen zurück. Sie haben nichts “ausgesagt”, sondern Ihrer Primärbewertung der Morgenzigarette Ausdruck verliehen. Warum sollten Sie nicht? … Über Ihre Lebensgewohnheiten sprechend sagen Sie: “Für mich ist der höchste Genuss die erste Zigarette am Morgen.” Das ist eine “Ist-Aussage”, und als solche völlig legitim.

(Theodor Geiger, Das Werturteil – eine ideologische Aussage (1953), in: H. Albert / E. Topitsch (Hg.), Werturteilsstreit, Darmstadt 1990, S. 36 f.)

Sicherheitshinweis: Don’t try this at home! Rauchen Sie nicht im Schlafzimmer!