Pseudo-Science und Anti-Science im Ökomarkt

Öko-Produkte sind eine gute Sache. Allgemein gesehen sind sie ein Beitrag zu einer vernünftigen Welt. Der Markt für Ökoprodukte ist riesig, und da wundert es nicht, dass es Weltanschauungen ganz unterschiedlicher Art in dieser Wundertüte gibt. Von Anfang an hat es im Ökobereich auch pseudowissenschaftliche Behauptungen gegeben, die fantastische Resultate aufgrund doch recht spezieller Ursachen versprechen. Und nicht nur Pseudowissenschaft, auch Anti-Wissenschaft gedeiht in einem solchen Rahmen. Mit Blick auf die amerikanische Ökomarktkette “Whole Foods” beschreibt dies Daily Beast: Der Tempel der Pseudowissenschaft.

Barbara Fredrickson liefert ein vernünftiges Update der Positivity Ratio

Die Psychologin Barbara Fredrickson hat auf die Kritik an der mathematischen Beschreibung der Positivity Ratio mithilfe von Lorenzgleichungen, die der Flüssigkeitsdynamik entlehnt sind (siehe den Beitrag gestern), geantwortet: “Updated Thinking on Positivity Ratios” (American Psychologist, Jul 15 , 2013).

Auch wenn die mathematische Modellierung in der ursprünglichen Darstellung unfundiert war, so Fredrickson, zeigten sowohl die empirischen Daten als auch die psychologische Theorie, dass höhere Positivy Ratios ein Hinweis auf psychische Gesundheit seien.

Für einen psychologischen Laien wie mich klingt das plausibel – ich hatte gestern ja schon angedeutet, dass mir die spezielle Ratio von 2.9013 künstlich vorkam, und kein notwendiger, jedenfalls kein glücklicher Teil der Theorie sei. Ich kann das nur als interessierter Leser beurteilen. Ob die plausible Ratio nun 3:1 oder ein anderes Verhältnis ist, oder wie sich das im Detail verhält, kann ich den Beiträgen noch nicht entnehmen.

Fredrickson hat jedenfalls korrekt und verantwortlich reagiert. Ich bin neugierig auf neue Arbeiten von ihr.

Methodolatrie – Quine über Ablenkung durch technische Gadgets

Ein Problem, das verschärft in der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts auftrat und sich nun anschickt, weite Teile der menschlichen Kultur zu prägen – nach Überlegungen zu den Erfolgen und Vorzügen der Mathematik erwähnt Quine folgende Stolperfalle:

Es gibt die Methodolatrie oder den Hang zum technischen Schnickschnack (gadgetry): die Neigung, mehr Befriedigung in den Methoden als in den Resultaten zu finden. Außerdem gibt es das Ausruhen, das Aufschieben von anstrengendem Nachdenken und haarigen Entscheidungen, das ein reibungsloser Algorithmus mit sich bringen kann. Auf diese Weise kann man zu Problemen gelockt werden, die sich für die bevorzugten Techniken eignen, obwohl sie möglicherweise nicht die Probleme sind, die für die eigenen Belange besonders zentral sind. Der Aufstieg des Computers vergrößert diese Gefahr.

(Quine, W. V. (1978), Success and Limits of Mathematization, In: W. V. Quine (1981), Theories and things (S. 153 f.). Cambridge, MA: Harvard University Press. Meine Übersetzung.)

Dies sind methodologische Überlegungen Quines zur Funktion der Mathematik. Die Parallele zur kulturellen Funktion der Technik heute liegt auf der Hand. (Man denke nur an die merkwürdige Idolatrie des “Digital Native”.)

Oldie but goldie – “… und die Behandlung von Krankheiten”

Man liest über einen neuen sozialen Roboter, ein aktuelles Resultat der Hirnforschung, die neueste Wunderkombination aus der Gentechnologie, eine sensationelle Maschinenprothese für Menschen – und das bedeutet, man liest mit ziemlicher Sicherheit auch, dass diese neuen Errungenschaften Anlass sind für vielversprechende Aussichten für die Behandlung von Krankheiten.

Der Neuroskeptiker berichtet von einer Episode der Wissenschaftsgeschichte: Der Neurowissenschaftler Angelo Mosso hat am Ende des 19. Jahrhunderts eine Apparatur zur Messung des Gewichts von Hirnaktivitäten entwickelt. Nette Geschichte, mit einem ironischen Nebenaspekt: eine französische Zeitung feierte 1908 Mossos Entwicklung enthusiastisch und glaubt, sie führe zu einer Verbesserung der Therapie von neurologischen und psychischen Erkrankungen.

“Die Behandlung von Krankheiten” ist der “amerikanische Wissenschaftler” der Wissenschafts-PR. Wenn Boulevardblätter berichten, “amerikanische Wissenschaftler” hätten festgestellt …, so verleiht das der Information die notwendige Autorität sowie eine herausgehobene Relevanz. Der Verweis auf die in Aussicht stehenden Therapiemöglichgkeiten erfüllt mediensoziologisch die gleiche Funktion.

Jalees Rehman hat im Guardian gerade einen Artikel veröffentlicht, in dem er dafür plädiert, dass Wissenschaftsjournalismus mehr sein sollte als bloßes Infotainment – er sollte ein kritischer Wissenschaftsjournalismus sein. Rehman schlägt einige Kriterien dafür vor.

Galileo, der Literat

Galileo hat nicht nur mit Werkzeug, Instrumenten und Formeln hantiert. Er hat auch gelesen, und zwar Literatur. Poesie.

Er hat Petrarca und Dante kommentiert. Ariosts “Orlando furioso”, den “Rasenden Roland”, hat er besonders geschätzt. Und sich selbst an poetischen Formen versucht, beispielsweise an Sonetten. Das berichtet John Heilbron.

Albert Einstein gegen Astrologie

Bei Letters of Note wurde ein kurzer Brief Albert Einsteins veröffentlicht, in dem dieser die Astrologie als Pseudowissenschaft und Aberglaube bezeichnet – was im klaren Gegensatz zur Behauptung einiger Astrologen steht, Einstein habe der Astrologie Sympathien entgegengebracht.