Xenophanes und Popper über Wahrheit und Vermutungswissen

Die sokratische Einsicht, dass wir uns unseres Wissens nie ganz sicher sein können, verband Karl Popper mit dem von Xenophanes bekannten Motiv, “suchend das Bessere zu finden”. Das Paideia-Blog hat einen guten Artikel dazu geschrieben.

Ignoranz

Ignoranz ist ein großes Problem für die Menschheit – nicht nur theoretisch, sondern auch moralisch. Philosophie als sokratisches Unternehmen ist die Auseinandersetzung mit dieser Herausforderung. Wie alle ethischen Probleme bleibt die Ignoranz eine ständige Herausforderung, die nicht irgendwann einmal überwunden wäre.

Es ist nicht immer leicht, das Problem zu identifizieren, weil es psychologische Schutzmechanismen gibt, sich gegen die Kritik der Ignoranz zu immunisieren. Entsprechend stellte Bertrand Russell fest: “The trouble with the world is that the stupid are cocksure and the intelligent are full of doubt.” Die philosophische Haltung ist daher eine, die eine gewisse Bescheidenheit und Offenheit praktiziert. Ignoranz ist unvermeidlich, Arroganz dagegen schon. Oder wie Alfred North Whitehead sagte: “Not ignorance, but ignorance of ignorance, is the death of knowledge.

Schon vor Russell formulierte der amerikanische Schriftsteller Josh Billings: “The trouble with people is not that they don’t know but that they know so much that ain’t so.” Er scheint das sokratische Problem verstanden zu haben, denn von ihm sind auch die Worte überliefert: “Wisdom don’t consist in knowing more that is new, but in knowing less that is false.

Aber das muss man erst einmal wissen. Warum das nicht immer der Fall ist, zeigt uns auch die Psychologie. Im Jahr 2000 erhielten Justin Kruger und David Dunning den Ig-Nobel-Prize für die Entdeckung des nach ihnen benannten Dunning-Kruger-Effekts: eine kognitive Verzerrung, “nämlich die Tendenz inkompetenter Menschen, das eigene Können zu überschätzen und die Leistungen kompetenterer Personen zu unterschätzen” (Wikipedia). Oder, wie David Dunning sagt: “Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist.” Und deshalb kommt es eben auf eine Haltung an, die respektvoll und offen ist. Es ist sowohl aus theoretischer als auch aus psychologischer Sicht besser, eine ethische Einstellung zu eigenem Wissen und Argumenten zu haben.

Der Nutzen von Rhetorik

“before some audiences not even the possession of the exactest knowledge will make it easy for what we say to produce conviction. For argument based on knowledge implies instruction, and there are people whom one cannot instruct. Here, then, we must use, as our modes of persuasion and argument, notions possessed by everybody”

(Aristoteles, Rhetorik, Buch I, Kapitel 1 (Alternativlink), in der Übersetzung von W. Rhys Roberts)

“we must be able to employ persuasion, just as strict reasoning can be employed, on opposite sides of a question, not in order that we may in practice employ it in both ways (for we must not make people believe what is wrong), but in order that we may see clearly what the facts are, and that, if another man argues unfairly, we on our part may be able to confute him.”

(Aristoteles, ebd., m. Hvh.)