Neutraler Monismus bei Bertrand Russell

Der Neutrale Monismus ist eine Alternative zu den Klassikern Dualismus, Idealismus und Materialismus. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde er von verschiedenen Autoren diskutiert, und findet sich in den aktuellen Überlegungen bei David Chalmers und Thomas Nagel wieder.

1921 schreibt Bertrand Russell in “The Analysis of Mind”, dass er der Auffassung von William James und den “Amerikanischen Realisten” teilweise zustimme, dass Geist und Materie aus einem neutralen Stoff (“stuff”) bestehen, der nicht geistig oder materiell sei.

“The Analysis of Mind” kann man bei Gutenberg.org und bei Archive.org lesen.

Neuroblahblah

Steven Poole schreibt im New Statesman eine bissige Polemik gegen die “Neurowissenschaften-erklären-alles”-Mode. Gleich zu Beginn stellt er fest: “Eine neue Seuche ist ausgebrochen.” Man müsse nur das Präfix “Neuro” vor seine Erklärung kleben, und schon verschaffe man sich die Würde computerbasierten Laborkittelgefunkels. Ob Religion oder konservative Mentalität – die solcherart untersuchten Objekte sind nur noch pathologische Fälle der Gehirnbiologie und nicht mehr rationale Gesprächspartner. Ob persönliche oder politische Ratgeber – die “Ramschaufklärung” der populären Neurowissenschaft hat die Antwort auf alle Fragen.

Schon William James habe sich darüber mockiert, selbst die schwierigen Fragen der Psychologie neurologisch erklären zu wollen. Entsprechend hätten manche populären Neurobehauptungen heute einen vergleichbaren Status wie solche über das Gedächtnis von Wassermolkeülen.
Schlecht kommen bei Poole Autoren wie Jonah Lehrer und Jonathan Haidt weg. Haidts verquere Empfehlung, sich von der Vernunft zu verabschieden, habe Poole befolgt und gefühlsmäßig Haidts ganze Argumentation abgelehnt.
Gehirnscans zeigten jedenfalls weniger, als aufgebauschte Thesen daraus machten, weshalb man skeptisch gegenüber “brain porn” sein solle. Was sagt schon ein fMRI-Scan eines Musikhörers über das Musikerlebnis, so Poole.

Ein Buch, das alle (Psychologen) lesen sollten

Ein Buch, das alle lesen sollten? Auf eine solche Frage wird man 4 Antworten bei 3 Befragten erwarten. Das scheint auch auf diese Linkliste für Psychologen zuzutreffen, mit Ausnahme einer Empfehlung – der einzigen nämlich, die mehrfach genannt wurde: William James‘ “Principles of Psychology” aus dem Jahr 1890.

Dieses Buch ist ein Klassiker und ein Meisterwerk der Wissenschaftsprosa. Er setzt sich darin unter anderem mit Positionen von David Hume, Immanuel Kant, John Stuart Mill, Wilhelm Wundt und Ernst Mach auseinander. James nimmt sowohl zum Materialismus als auch zum Dualismus eine differenzierte, pragmatische Haltung ein.

Digitalisierte Ausgaben der “Principles of Psychology” sind hier zu finden – leider nur auf englisch. Eine deutsche Übersetzung gibt es aktuell nicht.

Verdrängung des Pragmatismus?

Der Pragmatismus ist eine Denkschule, die ein originäres Eigenprodukt der amerikanischen Philosophie darstellt – vielleicht das einzige, wie manche Philosophiehistoriker meinen. Begründet von Charles Sanders Peirce, bekannt gemacht durch William James und John Dewey, hat er in den USA in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg Konkurrenz durch andere Strömungen bekommen, vornehmlich durch die analytische Philosophie. Ist der Pragmatismus dadurch verdrängt worden?

Scott F. Aikin und Robert B. Talisse sehen dies in ihrem Beitrag auf 3 Quarks Daily nicht so. Einerseits hat beispielsweise Richard Rorty zur Neubelebung des Pragmatismus beigetragen, andererseits haben aber auch amerikanische Philosophen der analytischen Richtung oft ein explizit positives Verhältnis zum Pragmatismus gehabt, wie Ernest Nagel, Nelson Goodman, W. V. O. Quine, Wilfrid Sellars, Rudolf Carnap, Nicholas Rescher, Hilary Putnam, Donald Davidson, und Robert Brandom.

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Martha Nussbaum hält Ratzingers Äußerung zum Relativismus für falsch

Anlässlich des Erscheinens der italienischen Übersetzung von Martha Nussbaums Buch “Upheavals of thought” (Affiliate-Link) führte Vera Fisogni ein Interview mit der Philosophin Martha Nussbaum (hier abrufbar).
Darin wird auch Ratzingers Kritik des “westlichen Rationalismus” als angebliche Ursache des Relativismus angesprochen. Nussbaum erwidert, dass sie Ratzingers Diagnose für falsch hält.

Fisogni: “The origin of ethical relativism, according to the Pope Ratzinger, belongs to the development of modern Western thought. …”

Nussbaum: “I don’t think he is correct about relativism; it has many origins in many different ethical traditions. And I don’t think that the Western philosophical tradition has typically separated rationality from emotion. … it would be wrong to call Hume a relativist, and just as wrong to call William James a relativist. So I don’t see any interesting connection between these two issues.”

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