Gar nicht so soziale Netzwerke?

Auch Markus Beckedahl, Initiator des bekannten Netzpolitik-Blogs und der “Digitalen Gesellschaft”, verzweifelt an der Kommentarfunktion in seinem Blog, die offenbar auch bei ihm kräfte- und nervenzehrend ist. Er fragt: “Einfach mal die Kommentare schließen?

Mit wenigen Ausnahmen ist es mittlerweile hier im Philoblog ja relativ ruhig, aber frühere Zweifel an der Kommentarfunktion durfte man ja kaum laut äußern. Insofern ist es interessant, dass sie jetzt auch an so prominenter Stelle zur Sprache kommen.

Das Glück der Vernetzung. Nicht.

Shaun Usher hat Anfang der Woche die Kommentarfunktion seines wunderbaren Weblogs “Letters of Note” abgestellt:

All complaints should be directed towards a section of society to whom the concept of even vaguely civil discussion means nothing. … I now cannot continue justifying the moderation of these imbecilic, repugnant grunts when it takes up such an inordinate amount of my willpower …

Ich habe phasenweise auch schon mit der Abschaltung der Kommentare experimentiert. Ich kann Ushers Entscheidung absolut nachvollziehen.

Frust in der deutschen Internetdebatte

Die Debatten in deutschen Weblogs über die sozialen und kulturellen Implikationen des Internet laufen oft auf einem frustrierenden argumentativen Niveau, auf dem “Arschloch” symptomatisch für den Stil der sachlichen Auseinandersetzung und der menschlichen Anerkennung von Diskussionsteilnehmern ist. Die Auffassung, dass das Gift der Polemik erforderlich ist und zur Klärung eines Sachverhaltes beiträgt, ist bedauerlicherweise verbreitet. Natürlich ist diese Auffassung sachlich und moralisch falsch. Auch psychologisch scheint es nachgewiesen zu sein, dass ausgewogene Argumente, die die Gegenpositionen angemessen darstellen, wirkungsvoller als polemische Verzerrungen sind.

Update: Anderswo geht es ja auch: Gastautor William B. Irvine plädiert auf Boing Boing für einen “Insult Pacifism” [via Philoblog]. Derzeit habe ich noch einen Beitrag in Arbeit: in der amerikanischen Bildungsdebatte plädiert Martha Nussbaum für faire Argumente und eine entsprechende kulturelle Ausbildung, um nicht auf das Niveau rechtspopulistischen Geiferer a la Fox News zurückzufallen.