Philosophie und Physik – Videos der Vorlesungsreihe an der Universität Ulm

Im Wintersemester 2011/2012 fand an der Universität Ulm eine Ringvorlesung zum Thema “Philosophie und Physik – eine Frage der Übersetzbarkeit” statt. Wie für eine Ringvorlesung üblich, wurden verschiedene Referenten eingeladen, die einen Überblick zu einem Aspekt des Themas geben, der auch für Fachfremde geeignet ist. In der Ulmer Ringvorlesung haben zu jedem Thema je ein Physiker und ein Philosoph mit anschließender Diskussion gesprochen. Dabei ging es um Themen wie Ontologie, Erklärung, Kausalität, Raum, Zeit, Verschränkung, Zufall und Information.

Die Videos der einzelnen Vorträge sind hier oder hier abrufbar.

Markus Gabriel: Was ist Wahrheit?

Im Rahmen eines Philosophy Slam in Bonn hat Markus Gabriel einen halbstündigen Vortrag über Wahrheit gehalten, in dem er anschaulich zwei wichtige Positionen in der Wahrheitstheorie erläutert. Das Thema “Wahrheit” ist in der Philosophie beinahe uferlos diskutiert worden, natürlich weil es so wichtig ist. Gabriel argumentiert in dem Vortrag, dass eine angemessene Theorie der Wahrheit zwischen Wittgenstein und Carnap auf der einen und Heidegger auf der anderen Seite liegt. Der Vortrag beginnt bei ca. 5:00 min.

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John Searle findet die meisten Auffassungen zum Bewusstsein fürchterlich

Die Tage, wie man im Ruhrpott so schön sagt, haben wir über gute, auf Video aufgezeichnete Vorträge gesprochen, und prompt meldet sich John Searle auf der TEDxCERN-Konferenz mit einem eindrucksvollen Viertelstunden-Vortrag “Consciousness & the Brain” zu Wort, in dem er kurz und bündig locker-flockig aus dem Effeff doziert, dass das Bewusstsein objektiv und keine Illusion sei (und bspw. der Behaviorismus eine peinliche Verirrung). Bewusstsein ist ein biologisches Phänomen wie all die anderen vertrauten biologischen Phänomene – und damit höchst real, so Searle.

Nicht viele Philosophen (oder Wissenschaftler) besitzen die Gabe, einem interessierten Laienpublikum aus dem Stehgreif und kurzweilig die zentralen Positionen ihres Fachgebietes darzustellen und sie pointiert zu bewerten. Voila:

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Über den Nutzen von Videovorlesungen

Nur kurz zwei Beobachtungen zu Vorträgen oder Vorlesungen auf Video:

1. In der Regel bekomme ich mit einer Viertelstunde Lektüre mehr Informationen als beim Ansehen von 60 oder 90 Minuten Video. (Eine Beobachtung, die ja auch schon für reale Vorträge zutrifft.)
(1b. Der Anteil an guten Rednern ist relativ gering (gilt für alle Fachbereiche).)

2. In ganz bestimmten Einzelfällen – besonders großes Interesse an einem bestimmten Thema oder einer Person oder an Neuigkeiten in einem Bereich und Ähnliches – sind die auf Video aufgezeichneten Vorträge sehr nützlich.

Videovorlesungen der Universität Hamburg

Auf der Medienplattform Lecture2go der Universität Hamburg sind auch Videos aus dem Bereich Philosophie zu sehen. Leider ist eine Direktverlinkung zum Bereich nicht möglich – man muss sich kurz durch die Menüs hangeln: In der oberen Menüzeile wählt man unter dem Punkt “Lectures” den Unterpunkt “Veranstaltungen“. Auf der dann geöffneten Seite wählt man oben im Dropdown-Menü “F.5 – Geisteswissenschaften” und auf der dann erreichten Seite im zweiten Dropdown-Menü den Bereich “Philosophie“.

Unter anderem sind dort derzeit Vorträge (im Folgenden mit Direktlink) von Dieter Birnbacher, John Skorupski oder Dagfinn Føllesdal zu sehen. Diese Videoaufzeichnungen sind Teile von Veranstaltungsreihen, die über das dritte Dropdown-Menü erreichbar (aber hier nicht direkt verlinkbar) sind.

Das schöne Leben mit Computer

Das Leben mit Computer und globaler Vernetzung hat alles viel schöner und wahnsinnig intelligent gemacht.
Eddie Izzard aus Großbritannien, dem Land, aus dem die nüchternsten und klarsten philosophischen Beiträge kommen, sagt mit der ebenso eloquenten wie profunden Analyse in diesem Video eigentlich Alles, was es dazu zu sagen gibt und liefert darüber hinaus noch eine wissenschaftlich exakte rechtssoziologische Entstehungs- und Anwendungsstudie der so beliebten Teilnahmebedingungen von Onlinediensten.

Joseph LeDoux interviewt Ned Block über das Bewusstsein

Joseph LeDoux, einer größeren Öffentlichkeit bekannt durch sein Buch “Das Netz der Gefühle“, hat eine Videoserie unter dem Titel “My Mind’s eye” gestartet, die einen “idiosynkratischen Blick” auf die Fragen des Leib-Seele-Problems werfen soll.

Im ersten Video der Reihe wird Ned Block interviewt, unterlegt mit anschaulichen Visualisierungen. Block erläutert allgmeinverständlich die Positionen von Dualismus und Physikalismus, tierisches Bewusstsein und Emotionen (da Säugetiere anders als Menschen bei der Wahrnehmung kaum Gebrauch vom Frontallappen machen, glaubt Block nicht, dass sich die Emotionen von Menschen und Tieren gleichen).

Zum Schluss des Videos spielt LeDoux’s Band “The Amygdaloids” (ich berichtete, z.B. hier) den Song “My Mind’s Eye”.

Das Ganze ist also intelligente Unterhaltung. Warum wissenschaftliche und philosophische Fragen so dargeboten werden? Warum nicht?!

Das Observations-Blog des Scientific American hat auch über das Video berichtet.

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Bertrand Russell für die gute Sache (Macht sowas ein richtiger Philosoph?)

Über Bertrand Russell liest man immer mal wieder, dass seine philosophisch bedeutenden Leistungen aus seiner ersten Lebenshälfte stammen. Gelegentlich wird dann noch freundlich ergänzt, dass er in der zweiten vor allem durch sein öffentliches Engagement gegen Krieg und für soziale Gerechtigkeit in Erscheinung getreten ist – sowas kann einem schon mal passieren, wenn man alt und schrullig wird.

Russell hielt allerdings zeitlebens nichts von der Auffassung, dass Philosophie eine staubtrockene Scholastik von größtmöglicher Irrelevanz sei und ein Einsetzen für eine gute Sache eher ein Ausweis von mangelnder intellektueller Stringenz (siehe zum Beispiel das Abschlusskapitel von “Problems of Philosophy” (1912)). Insofern ist er natürlich vollkommen veraltet, wie auch dieser pathetische Ausschnitt aus einem Bollywood-Streifen aus dem Jahr 1967, in dem der 95-jährige Russell von einem indischen Studenten besucht wird. Es gibt einige Filmaufnahmen aus diesen Jahren von Russell in seinem Heim, aber dies ist wohl die einzige in guter Farbqualität.

[via Open Culture]