Nice to have

Zur Würdigung der Segnungen der Technik gehört ja immer auch eine Berücksichtigung soziokultureller Aspekte.

Nun ist es nichts Neues, dass einige wenige Mensche rücksichtslose Spinner oder narzistische Trolle sind. Für diesen Typus ist es leicht, jede Art von Diskurs zu prägen und das Niveau weit nach unten zu drücken. Die Segnungen der Technik erleichtern und vervielfältigen die Bekanntschaft mit ihm. Die “sozialen” Netzwerke sind ein offenkundiges Beispiel dafür. But there’s more to come.

Hübsch ist dieses Resultat einer Vermietung über AirBnB in Calgary:

Auch der Spaß mit den praktischen Drohnen wird sicher zunehmen angesichts der Möglichkeiten:


Wired spricht jedenfalls vom Beginn der Ära des Drohnen-Vandalismus. [via]

Aber auch die Internetunternehmen, tragen ihr Scherflein zum Irrsinn bei. Seit Jahren bestehen “Erlebnisverbesserungen” in Zwangsmaßnahmen und digitalen Entmündigungen (hier wird ein Beispiel von Google beiläufig erwähnt – man hat sich schon längst daran gewöhnt). Apple ist aber immer ein innovativer Vorreiter, auch in dieser Hinsicht.

Das Smartphone als PC

Marketing von Microsoft für Windows Phones mit Windows 10:

Nicht schlecht – allein, mir fehlt der Glaube. Seit Jahren ist der Trend bei Apple, Google, Microsoft usw. (von Facebook, Twitter etc. ganz zu schweigen), dass “Verbesserung” letztlich Beschneidung, Behinderung und Verblödung bedeutet. Wird man mit den neuen Windows 10 Phones beispielsweise die Inhalte der Speichermedien komfortabel und vollständig kontrollieren können? Lassen wir uns überraschen.

Existenzialismus im Weltraum

Existenzialismus ist, wenn du den Antrag im Mailanhang nicht öffnen kannst, weil seit dem automatischen Update das Runterscrollen durch ein Overlay blockiert wird, dessen Exitknopf außerhalb des sichtbaren Bildschirms ist. Ganz normaler Alltag eben. Technik potenziert die Sinnlosigkeit drastisch.

Daran wird sich auch im Weltraum nichts ändern, wie diese Comicepisoden über Chief O’Brien zeigen. [via]

Gegenwart

Wem so ein bisschen die Vorstellungskraft fehlt bezüglich der technologischen Entwicklung, dem vermittelt dieses Filmchen über den praktischen Nutzen von Drohnen vielleicht einen Einblick – auch wenn er deshalb nicht gleich idiotischer Dramatisierungen bedarf (aber die sind als solche ja auch wieder vielsagend mit Blick auf den Stand der Dinge).

Colin McGinn rezensiert Ray Kurzweil

Colin McGinn rezensiert in der ‘New York Review of Books’ Ray Kurzweils Buch “How to Create a Mind: The Secret of Human Thought Revealed“. Kurzweil ist bekannt als Verfechter des Transhumanismus und Star des Singularitäts-Kults.

McGinn stellt Kurzweil vor als Computeringenieur “with a side interest in bold predictions about future machines“. Man könne folglich nur begierig sein zu erfahren, wie seine Theorie des menschlichen Geistes laute, “hoping the book will justify the hype so blatantly brandished in its title“. Kurzweil hat einige Beiträge zur maschinellen Mustererkennung geleistet. Und auch das “Geheimnis des Denkens” soll auf Mustererkennung beruhen – was McGinn allerdings (plausiblerweise) bezweifelt.

So gehe Kurzweil stillschweigend von externen Stimuli (patterns) zu mentalen Entitäten über, wenn er das ganze mentale Geschehen nach Art der Sinneswahrnehmung erklären wolle. Dabei sei schon fraglich, ob beispielsweise Farbwahrnehmung auf Mustererkennung beruhe. Seine grandiose Ankündigung breche angesichts der Vielfalt mentaler Phänomene – Emotionen, Intentionen, Kalkulationen, Stimmungen usw. – in sich zusammen.

Anschließend kommt McGinn auf das gravierende Problem des “homunculus talk” in den Neurowissenschaften zu sprechen. Wenn man sagt, “Neuronen senden Informationen”, weiß man tatsächlich nur, dass ein Geschehen auf chemischer oder elektrischer Ebene vorliegt, nicht aber, dass Informationen vorliegen und wie diese beschaffen sind. Es sei ein seit Jahrzehnten vieldiskutiertes Rätsel, wie man Informationen (mentale Zustände) eindeutig mit elektrochemischen Prozessen im Gehirn in Verbindung bringen könne. (McGinn verweist beispielsweise auf John Searles Beiträge hierzu.) Der “homunculus talk” erzeugt also die Illusion, wir wüssten, wie der Geist im Gehirn funktioniert, während wir in Wirklichkeit ratlos sind. In seiner Antwort auf die Antwort des Neurowissenschaftlers Joe Herbert macht McGinn diesen Punkt noch einmal deutlich:
All information is information — to some conscious agent. Accordingly, neurons do not, considered in themselves, process information or send signs or receive messages“.

Am Ende bringe Kurzweil dann noch Zitate von Ludwig Wittgenstein, ohne allerdings einen nachvollziehbaren Zusammenhang zu seiner Theorie herstellen zu können, so McGinn. Sein Fazit: das Buch sei gelegentlich interessant, aber völlig übertrieben.

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