Scholastische Metaphysik und Thomismus

Bei NDPR gibt es eine Rezension zu Edward Fesers Buch “Scholastic Metaphysics: A Contemporary Introduction”. Das Buch reiht sich in die jüngsten Beiträge zu einem “Analytischen Thomismus” ein. Fesers Standpunkt richtet sich gegen den Naturalismus.

Feser hat 1999 eine Dissertation mit dem Titel “Russell, Hayek, and the mind-body problem” verfasst. In den letzten Jahren hat er die “New Atheists”, insbesondere Richard Dawkins, kritisiert, und zugleich das “Intelligent Design” abgelehnt. Er hat unter anderem Bücher zu Robert Nozick, Hayek und John Locke verafsst.

A Theory of Justice – The Musical: Runde 2

Das Musical “A Theory of Justice”, benannt nach dem gleichnamigen Klassiker von John Rawls, hatte Anfang des Jahres erfolgreich seine Premiere in Oxford (siehe z.B. meinen Bericht hier). Nun singen und tanzen Rawls, Nozick, Platon, Mill und Rousseau vom 31. Juli bis zum 26. August in Edinburgh. Der Eintrittspreis liegt etwa zwischen 8 und 12 Pfund. Soundtrack und Film können auch online bezogen werden (je für 9,99 $).

Ob man in Deutschland auch einmal ein solches philosophisch-musisches Projekt realisieren wird? Habermas’ “Theorie des kommunikativen Handelns” oder Poppers “Offene Gesellschaft und ihre Feinde” beinhalten jedenfalls hinlänglich viel Personal, das in werkgetreuer Dramatik auf die Bühne gebracht werden könnte. Vielleicht ja auch als mehrteilige Kinokassenschlager.

Das Musical zu John Rawls: A Theory of Justice

Anfang des Jahres machte die Nachricht die Runde (z.B. beim Blinden Hund), dass es zu John Rawls’ Klassiker “A Theory of Justice” nun ein Musical in Großbritannien gibt. Rebecca Reilly-Cooper, Philosophin an der Universität Oxford, hat nun einen Bericht dazu im Philosopher’s Magazine geschrieben.

Sie ist begeistert davon, dass das Stück sowohl komisch sei als auch philosophische Tiefe habe. So wirft Immanuel Kant auf John Rawls Ausruf “Das ist ja phänomenal!” ein: “Nein, es ist noumenal!” Und Robert Nozick kündigt auf der Bühne an, in einigen Jahren mit einer Oper herauszukommen. (Ob das allerdings eine verdienstvolle Leistung im Sinne des Internetphilosophen Michael Seemann ist, vermag ich nicht zu sagen.)

Das Musical “A Theory of Justice” ist bei Vimeo als On-Demand-Video für 10 Dollar zu sehen.
Hier ist der Trailer dazu:


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Die Principia Mathematica von Russell und Whitehead wurden übrigens auch kürzlich als Musical aufgeführt.

Cambridge Companion to Nozick

Matt Zwolinski rezensiert bei NDPR den neu erschienenen “Cambridge Companion to Nozick’s Anarchy, State, and Utopia“.

Zwolinski macht dabei interessante Bemerkungen zum Stand der Debatte um Robert Nozicks bekanntestes Buch. So stellt er fest, “Anarchy, State, and Utopia is widely regarded as one of the most influential books of political philosophy of the 20th century”.
Allerdings habe sich keine Nozick-Schule herausgebildet, und es gäbe keine ‘Nozickianer’, obwohl das Buch intensiv diskutiert wird. Insofern sei ‘Anarchy, State, and Utopia’ “the most uninfluential influential book ever written“.

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Tea-Party-Philosophie

In einer Zeit, in der der entfesselte Marktradikalismus sich als unfähig und unmenschlich erwiesen hat, wollen die Republikaner in den USA diesen Weg noch verschärfter weiter beschreiten. Aus der Unfähigkeit und dem Versagen von George W. Bush machen sie ein “Mehr davon!” In der letzten Woche hat Mitt Romney, der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, seinen potenziellen Vizepräsidenten, Paul Ryan, nominiert. Ryan ist ein konservativer Hardliner, der sich in seinen Überzeugungen auf die Schriftstellerin Ayn Rand beruft, die in ihren Werken einen entschiedenen Egoismus vertritt. Was unfähig sei, müsse sich eben gefallen lassen, vom Besseren übertrumpft zu werden, lautet ihre Version des Dschungelgesetzes.

Brian Leiter fragt in seinem Blog die Leser, ob es gründliche philosophische Kritiken der Werke Rands gibt. In den Kommentaren finden sich interessante Anmerkungen. Das Problem besteht nämlich zunächst einmal darin, dass niemand außer amerikanischen Rand-Anhängern ihre Auffassung ernsthaft als Philosophie – oder Theorie oder Wissenschaft – betrachtet. Rands Strategie scheint eher darin zu bestehen, bestimmte Positionen zu beschimpfen, statt Argumente zu liefern; also angewandter Machiavellismus. Wenn irgendwo, dann ist die Bezeichnung “kruder Positivismus” bei Rand angebracht; siehe z.B. Robert Nozicks Diskussion von Rands “A ist A”-Prinzip in diesem Interview.

Corey Robin hat ein aufschlussreiches Stück über “Randologie” bei The Nation veröffentlicht, und befasst sich in seinem neuesten Buch “The Reactionary Mind. Conservatism from Edmund Burke to Sarah Palin” grundsätzlich mit dieser Art von Konservatismus.

Die Kampagne des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama hat auf die Nominierung Ryans mit diesen Informationen und diesem Video reagiert.

Bemerkenswert ist auch, dass Leute wie Paul Ryan ihr Credo aus der Populärliteratur von Ayn Rand beziehen, und weniger von den akademischen Libertariern, die aber zweifellos auch viel zu dieser Art von politischer Stimmung beigetragen haben (siehe z.B. Thomas Scanlons Bemerkung dazu.)

Update: Das Internet hat diese Art von Philosophie humorvoll auf den Punkt gebracht.

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Scanlon gegen Libertarianismus

In einem ausführlichen Interview beim Utopian erfährt man Interessantes von Thomas Scanlon. Vorrangig geht es um seine Biografie und seine Philosophie. Auch über John Rawls erzählt er einiges Interessantes. Und er berichtet von der privaten Diskussionsgruppe, an der er bis in die 1990er teilnahm, zusammen mit Thomas Nagel, Ronald Dworkin, Robert Nozick, Judy Thompson, Michael Sandel, Christine Korsgaard und anderen.

Darüberhinaus enthalten gute Interviews auch gerne bemerkenswerte Details. Wie zum Beispiel diese beiden:

– Scanlon sagt seinen Studenten, sie sollten versuchen, sich nicht mit einer Position zu identifizieren, um ärgerliche Gegner zu schlagen, sondern die Plausibilität der anderen Position zu verstehen.

– Er ärgert sich über den Libertarianismus: “Yes, I certainly disagree with libertarianism, and it distresses me that it gets so much credibility.” Und man kann nicht sagen, er hätte sich nicht damit auseinandergesetzt (s. vorige Empfehlung).

Robert Nozick und das Ende des Libertarianismus

Bei Slate gibt es einen interessanten, aber sehr journalistischen Artikel über Robert Nozick, d.h. die Argumente sind nicht immer deutlich. Beschrieben wird die Entwicklung der libertarians, die Tatsache, dass Nozick in den späten 80ern seine frühere libertäre Position als unangemessen bezeichnet hat und die traurige, wenn nicht abstoßende heutige Realität einer konservativen Sozialideologie.

P.S.: Hier gibt es ein Interview mit Robert Nozick aus dem Jahr 2001

Erinnerung an Robert Nozick

Am 23. Januar war der Todestag von Robert Nozick. Manwithoutqualities erinnert an Nozicks weitgespannte Interessen in der Philosophie und verlinkt einige Nachrufe auf ihn.

Nozick hat ja nicht nur “Anarchy, State, and Utopia” geschrieben, das ihn berühmt machte, das aber von seinen Bewunderern noch weniger verstanden wird als von seinen Kritikern, wie Alan Ryan 2002 im Independent feststellt. Zwar wird das Buch oft als philosophische Unterstützung für die neokonservative Politik seit den 1980ern betrachtet, doch ist die darin enthaltene Kritik des sozialen Konservativismus verheerend. Wichtiger (und kennzeichnender) waren für Nozick Bücher wie “Philosophical Explanations” (1981), “The Examined Life” (1989) und “The Nature of Rationality”.

Hilary Putnam, Thomas Scanlon und andere erinnern in einem Nachruf der Harvard Gazette an interessante akademische und biografische Details aus Nozicks Leben.
Nozick war in zweiter Ehe mit der amerikanischen Dichterin Gjertrud Schnackenberg verheiratet.

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Tanner Lectures online

Die University of Utah hat eine Webseite für die Tanner Lectures library, in der einzelne Lectures als PDF-Datei abrufbar sind. Die Liste der Referenten, die über die Jahrzehnten eine Lecture gehalten haben, ist beeindruckend: Timothy Garton Ash, Brian Barry, Antonio Damasio, Richard Dawkins, Jon Elster, Ernest Gellner, Richard M. Hare, Robert Nozick, Martha Nussbaum, Derek Parfit, Karl Popper, John Rawls, Richard Rorty, Salman Rushdie, Amartya Sen und viele andere. [via]

Raymond Geuss’ neues Buch – Machtpolitik statt Moral

Adam Kirsch rezensiert Raymond Geuss neues Buch “Philosophy and Real Politics“. “I object to the claim that politics is applied ethics“, schreibt Geuss und richtet sich explizit gegen die “neo-kantianische”, liberale politische Philosophie, wie sie von Robert Nozick und John Rawls vertreten wurde. Diese seien abstrakt, unrealistisch, letzten Endes ideologische Mystifikationen. Geuss setzt dem ein marxistisch-leninistisches Politikverständnis entgegen, wonach das Bewusstsein durchs Sein korrumpiert ist, weshalb nicht moralische Gerechtigkeitserwägungen, sondern Macht der Untersuchungsgegenstand der politischen Philosophie sein solle. Er plädiert für einen “return from the present reactionary forms of neo-Kantianism to . . . neo-Leninism.

Sein Rezensent Adam Kirsch weist darauf hin, dass der Verzicht auf moralische Analyse und Gerechtigkeitserwägungen konsistent in der Position des Thrasymachus ausgedrückt ist: “The unjust is lord over the truly simple and just: he is the stronger, and his subjects do what is for his interest, and minister to his happiness, which is very far from being their own“. Dann ist aber fraglich, wie man für ein Engagement gegen Unterdrückung und Machtmissbrauch und für Solidarität argumentieren kann.

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