Mittelalterliche und frühneuzeitliche Emotionstheorien

Bei NDPR rezensiert Matthew Kisner die von Lisa Shapiro und Martin Pickavé bei Oxford University Press herausgegebene Aufsatzsammlung “Emotion and Cognitive Life in Medieval and Early Modern Philosophy“. Zu diesem Thema liegt auf Deutsch ja schon die Studie “Transformationen der Gefühle: Philosophische Emotionstheorien 1270-1670” von Dominik Perler vor. Und Perler gehört auch zu den Autoren, die in diesem Band auftreten, neben Sabrina Ebbersmeyer, Deborah Brown, Ian Drummond, Claude Pannaccio und anderen.

Chomsky über Postmoderne und Irrationalismus

In diesem Video gibt Noam Chomsky einen kritischen Überblick über die Geschichte der Intellektuellen-Kultur Frankreichs der letzten Jahrzehnte. In Paris habe man viel zulange dem Stalinismus oder Maoismus angehangen, der erst nach dem Erscheinen der französischen Übersetzung von Solschenizyns “Archipel Gulag” untragbar erschien, woraufhin irrationalistische Modeströmungen en vogue kamen. “Out of this comes the irrational tendency which was very welcome in many areas because it did undermine dedicated activism”, so Chomsky. Sein Fazit: wenn man die Rationalität aufgibt, sei man ein leichtes Opfer für externe Mächte. Das sei vergleichbar mit der Konsumideologie, die die Leute davon ablenkt, etwas gegen die realen Probleme zu tun.

Chomsky hat sich seit den 1960er-Jahren für die Verantwortung von Intellektuellen ausgesprochen. Der Pariser “Kult” ist demgegenüber erst später auf den Plan getreten, erhält seitdem aber von Chomsky regelmäßig eine dezidierte Abfuhr. Hier ein Text von ihm aus dem Jahr 1995.

Max Weber zur Einführung

2012 ist von Volker Kruse und Uwe Barrelmeyer das Buch “Max Weber. Eine Einführung” erschienen. Es ist eine gelungene Darstellung, die fundiert und verständlich in die zentralen Konzepte von Max Weber einführt. Nach einem Überblick zu Leben und Werk Webers werden in den 5 folgenden Kapiteln die Hauptthemen wie Webers methodologische Auffassungen, seine Kapitalismustheorie und sein Konzept der Rationalisierung und Ausdifferenzierung der verschiedenen Wertsphären beschrieben. Dabei werden auch zentrale Textstellen zitiert und Bezüge zu anderen Theoretikern aufgezeigt. Im Abschlusskapitel wird die wissenschaftliche Rezeption Webers dargestellt. (War es die protetstantische Ethik? Auflösung wird nicht verraten.)

Mit ungefähr 150 Seiten ist dies ein bündiges Einführungsbuch, dem es gelingt, die wichtigsten Beiträge Max Webers gut nachvollziehbar darzustellen. Sowohl sprachlich als auch vom Gesamtaufbau her ist der Text gut lesbar – was leider auch bei Einführungen nicht immer der Fall ist. Fazit: Zum Auffrischen etwas angestaubten und brüchig gewordenen Weberwissens gut geeignet.

Martha Nussbaum hält Ratzingers Äußerung zum Relativismus für falsch

Anlässlich des Erscheinens der italienischen Übersetzung von Martha Nussbaums Buch “Upheavals of thought” (Affiliate-Link) führte Vera Fisogni ein Interview mit der Philosophin Martha Nussbaum (hier abrufbar).
Darin wird auch Ratzingers Kritik des “westlichen Rationalismus” als angebliche Ursache des Relativismus angesprochen. Nussbaum erwidert, dass sie Ratzingers Diagnose für falsch hält.

Fisogni: “The origin of ethical relativism, according to the Pope Ratzinger, belongs to the development of modern Western thought. …”

Nussbaum: “I don’t think he is correct about relativism; it has many origins in many different ethical traditions. And I don’t think that the Western philosophical tradition has typically separated rationality from emotion. … it would be wrong to call Hume a relativist, and just as wrong to call William James a relativist. So I don’t see any interesting connection between these two issues.”

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