Pille gegen Liebeskummer?

Wer Liebeskummer hat, hätte ihn gerne nicht. Doch wen es getroffen hat, der ist oft ratlos. Liebeskummer ist eines der mächtigsten Gefühle, das enorme biografische Auswirkungen haben kann. In Situationen großer Hilflosigkeit kann professionelle psychologische Hilfe ratsam sein. Die Ohnmacht und Verzweiflung, die Betroffene empfinden, hat zweifellos auch eine neurologische Basis. Aber die ist bislang kaum bekannt. Würde man sie kennen, wäre es dann möglich, sie pharmazeutisch zu behandeln, mit dem Ziel, den Liebeskummer zu überwinden? Welche Auswirkungen hätte das auf die Psyche?

Jedenfalls betrachtet man in der Psychologie die Fähigkeit zu autonomer Rationalität als zentralen therapeutischen Wert. Zwei Artikel in einem Special des NewScientist denken darüber nach, ob es möglich und sinnvoll ist, Liebeskummer biochemisch zu behandeln: hier und hier.

Aktuelle Diskussionen in der Psychiatrie

Stephan Schleim berichtet von den 8. Berliner Psychiatrietagen, die unter dem Titel “Psychiatrie der Zukunft” liefen. Die große Zahl der psychischen Störungen ist offenkundig nicht allein auf Veranlagung, sondern in gravierenden Ausmaß auch auf soziale Faktoren zurückzuführen. Insofern ist ein wachsender Neuroskeptizismus die logische Konsequenz eines einseitigen Erklärungsansatzes. Schleim selbst diskutiert in seinem Vortrag den “Imperativ der Anpassung” in der Psychiatrie, und stellt ihm einen “Imperativ der Autonomie” entgegen. (Das erinnert mich an Fromms Charakterisierung von Freuds Therapieziel als “autoritär”.)