Gegen 10.000 Gebote – Adam Smith

Adam Smith wird immer wieder gegen Klischeevorstellungen verteidigt. Und da er weit mehr als nur der Ökonom war, wird er für eine realistischere Sichtweise in ganz unterschiedlichen Bereichen (Ökonomie, Moralpsychologie, Politische oder Rechtsphilosophie) empfohlen. Zu den prominenten Beispielen für eine solche “Wiederentdeckung” Smiths (hier des öfteren schon erwähnt) gehören unter anderem Ernst Tugendhat, Martha Nussbaum, Amartya Sen und Lisa Herzog. Das Spektrum der damit verbundenen Leitfragen erstreckt sich dabei bis weit ins Sozialdemokratische hinein.

Eine libertäre Sicht auf Adam Smith – also vom anderen Ende des Spektrums – hat der Ökonom Daniel D. Klein von der George Mason University. In diesem Vortrag will er zeigen, dass Smith schon in der Theorie der moralischen Gefühle subtil gegen Überregulierung und staatliche Eingriffe argumentiert habe.

Buchtipp: Elif Özmen – Politische Philosophie zur Einführung

Elif Özmen, Professorin für Philosophie an der Universität Regensburg, hat 2013 in der bekannten Junius-Reihe ein Bändchen zur Einführung in die Politische Philosophie veröffentlicht. Die Beiträge dieser Reihe sind einheitlich kurz gehalten – um die 160 Seiten, und wollen damit keine umfassende und erschöpfende Darstellung eines Sachgebietes liefern, sondern einen Einstieg, in dem zentrale Fragen und aktuelle Probleme im Rahmen einer konzeptionellen Darstellung beschrieben werden.

Özmen referiert die wichtigsten und meistdiskutierten Positionen und Probleme der Politischen Philosophie der letzten Jahrzehnte, insbesondere die Beiträge von John Rawls, Jürgen Habermas und Martha Nussbaum. In der Philosophie sind besonders die Begründungsstrategien für politische Konzepte von Interesse, auf die Özmen ausführlich eingeht. Auch konfliktbeladene Themen wie Gemeinschaft, Individualismus und der Andere werden in diesem philosophischen Zusammenhang behandelt.

Das Büchlein zeichnet sich durch seine sprachlich klare Darstellung und die Fokussierung in der Darstellung der Theorien aus. Auf dem Markt der politischen Theorien gibt es freilich zahlreiche weitere Moden, wohl auch solche, die von bleibender Bedeutung sein werden. Mit diesem Einführungsband hat man jedenfalls eine Darstellung eines Kerns von Theorien und Problemen, mit denen man sich in jedem Fall vertraut zu machen und auseinander zu setzen hat.

Volker Gerhardt rezensiert Axel Honneths “Das Recht der Freiheit”

Volker Gerhardt rezensiert in der “Welt” Axel Honneths Buch “Das Recht der Freiheit”. Es sei ein “Ereignis in der Theoriegeschichte der Bundesrepublik. Hier kommt die Kritik nicht aus dem intellektuellen Off, hier wird nicht versucht, den Verhältnissen die Leviten zu lesen, sondern hier wird beschrieben, welche Entwicklung die Dinge im Gang der letzten beiden Jahrhunderte aus der Sicht der Soziologie genommen haben.

Honneths Buch stelle einen Paradigmenwechsel der Frankfurter Sozialkritik dar. Allerdings verkenne Honneth die “historische Rolle der Ideen, die unerlässlich sind, wenn es gilt, den Widerstand einer von puren Machtinteressen formierten Realität zu brechen.“. Die Wahrheit müsse man – so der Rezensent – nicht allein bei Hegel, sondern immer auch bei Kant suchen.

Links zu weiteren Rezensionen von Axel Honneths “Das Recht der Freiheit” finden sich hier.

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Axel Honneth rezensiert “Kritik der politischen Philosophie” von Raymond Geuss

In der Frankfurter Rundschau rezensiert Axel Honneth das neue Buch von Raymond Geuss – “Kritik der politischen Philosophie“. Honneths Einschätzung ist kritisch: Geuss’ Abhandlung sei stellenweise dekretiv und begründungsarm. Dessen Realismus, der sich gegen den Primat der Ethik wendet, sei unbekümmert, und Geuss verliere sich letztlich in abstrakten Allgemeinheiten.

Auch Adam Kirsch hatte – wie hier berichtet – den methodischen Ansatz von Raymond Geuss in seiner Rezension von “Philosophy and Real Politics” ganz ähnlich kritisiert.

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Theorieblog – ein neues, philosophisch interessantes Blog

In meinen Referrern habe ich ein neues Blog aus Deutschland gefunden – Das Theorieblog von Cord Schmelzle, Thorsten Thiel und Daniel Voelsen. Sehr erfreulich!
Das Theorie-Blog ist ein neues Blog für Politische Theorie und Philosophie. Uns, dem Team, geht es darum, ein Forum für die deutschsprachige Theorie-Community im Netz zu schaffen – einen Ort, wie wir ihn bisher vermisst haben.
In Deutschland ist die philosophische Blogszene nach vielen Jahren immer noch sehr dünn. Eine Vernetzung gibt es gar nicht, mangels kooperativer Plattformen herrschen eher die gewöhnliche Vereinzelung und akademische Konkurrenz. Das Theorieblog macht zwar keine Ansprüche, diese Situation zu ändern (was wohl nicht ganz leicht zu schaffen sein dürfte). Dafür allerdings erklärt man sich dort für programmatisch / theoretisch offen: “Wir wollen uns dabei bewusst nicht eingrenzen: weder auf bestimmte Denker, Theorien oder Traditionen noch auf eine fixe politische Meinung oder Richtung.” Das ist – in Deutschland jedenfalls – ungewöhnlich.
Die bislang veröffentlichten Inhalte sind sehr gut – beispielsweise die Auseinandersetzung mit Enzensbergers jüngst geäußerter Europakritik. Ich stimme nicht mit Allem überein, habe mich aber trotzdem sehr gefreut, einen Beitrag zu lesen, der sowohl nachvollziehbar argumentiert als auch gut lesbar ist – eine Kombination, die in der ganzen deutschen Blogosphäre bei kontroversen Fragen leider viel zu selten ist.
Bin gespannt, was da noch kommt. Herzlich Willkommen und viel Erfolg fürs Theorieblog!