Posts Tagged Politik
Öffentlich oder privat? Was Sokrates uns heute sagt
Angus Kennedy rezensiert bei Spiked das neue Buch von Bettany Hughes – “The Hemlock Cup”. Kennedy beschreibt zunächst Sokrates’ Einstellung zur Rolle der philosophischen Diskussion in der öffentlichen Debatte. Sokrates’ Fragen konnten seine Gesprächspartner nerven. Zwar sagt er in der “Apologie”, für die Gesundheit ist es klüger, im Privaten zu philosophieren und der Politik fern zu bleiben. Allerdings spielte die Politik und die politische Diskussion in der Öffentlichkeit des antiken Athens eine ungleich größere Rolle als heute bei uns. Sokrates hätte die Art, wie heute Sprache in Politik und Wirtschaft verbogen wird, scharf kritisiert. Deshalb, so Kennedy und Hughes, brauchen wir ihn heute als Vorbild, um Werte, Sinn und Wissen wieder zu verstehen.
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Ekel und Menschlichkeit in der Politik – ein Interview mit Martha Nussbaum
Posted by Björn in Emotionen, Ethik, Moralphilosophie, Politik, Politische Philosophie, Rechte on 2010/03/04
Bei The Nation ist ein Interview mit Martha Nussbaum über ihr neues Buch “From Disgust to Humanity: Sexual Orientation and Constitutional Law” erschienen. Darin geht es darum, dass Aversionen gegen Fremdartiges nicht als moralische Rechtfertigung politischer Regelungen taugen.
“I don’t think any emotion should be trusted on its own without being constantly in dialogue with moral principles. At every point, whether it’s anger or fear or any emotion–even compassion, which can, of course, lead you to favor your family against other people–you should always be asking, Is this consistent with the idea of a society of people who are free and equal?“.
Vor diesem Hintergrund seien Argumente gegen homosexuelle Ehen nicht haltbar, weil inkonsistent. “We don’t think that heterosexuals who are flaky, silly or awful, Britney Spears marrying on a whim and then divorcing almost immediately, we don’t think that that taints the institution of heterosexual marriage.“.
Nussbaum plädiert für eine Politik der Menschlichkeit, die auf der Fähigkeit beruht, andere Personen als uns ähnlich wahrzunehmen und sie zu respektieren. Unterschiedliche sexuelle Orientierungen rechtfertigen keine unterschiedliche Behandlung vor dem Gesetz. John Stuart Mill hat besonders sorgfältig die Frage gesellschaftlicher Regulierung privaten Verhaltens untersucht – daran möchte Nussbaum anknüpfen und hofft, dass seine Einsichten sich in diesen Fragen weiter verbreiten.
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Heiner Geißlers Achtzigster – das deutsche Symptom
Posted by Björn in Politik, Verschiedenes on 2010/03/03
Warum sollte man sich anlässlich seines achtzigsten Geburtstages ausgiebig mit Heiner Geißler beschäftigen? Er hat vor dreißig Jahren krauses Zeug geredet, und redet heute krauses Zeug – mit umgedrehten Vorzeichen. Und die politischen Kommentare waren vor dreißig Jahren so stereotyp kontra und uninformativ wie sie heute wohlwollend intellektualisierend und uninformativ sind.
Das Phänomen Geißler und seine Kritiker zeigt nur, dass, zumal da, wo große Öffentlichkeit und Radau herrscht, es scheißegal ist, was einer denkt und sagt, keine zwei Dekaden später behauptet er das Gegenteil und alles wird in den Feuilletons und Kommentaren durchventiliert – ebenfalls egal, was und wie gestern kritisiert wurde, und wie es sich mit der Sache in der Realität verhält.
Woran man sieht, dass man sich hier in Gefilden der Populärkultur befindet, bei den Maßstäben von Bohlen und Madonna – im politischen Diskurs realisiert.
Der Dekadenzvorwurf in der politischen Debatte
Posted by Björn in Geschichte, Links, Politik, Verschiedenes on 2010/02/18
Drüben im Theorieblog hat Eva Hausteiner einen informativen Beitrag zum Begriff “Dekadenz” in politischen Debatten geschrieben – und zwar nicht allein bezogen auf die derzeit aktuelle Polemik über die Gestaltung des Sozialstaates in Deutschland.
Milton Friedman über Gier und Kapitalismus
Posted by Björn in Ökonomie, Geschichte, Liberalismus, Politik, Politische Philosophie, Sozialphilosophie on 2009/07/31
[via]
Band mit Aufsätzen von Viktor Vanberg (Einführung Hans Albert)
Posted by Björn in Ökonomie, Buecher, Liberalismus, Politische Philosophie, Sozialphilosophie on 2009/07/18
Anlässlich des 65. Geburtstags Viktor Vanbergs haben Nils Goldschmidt und Michael Wohlgemuth einen Band mit Aufsätzen Vanbergs herausgegeben, der nun als unveränderte Studienausgabe vorliegt: “Wettbewerb und Regelordnung“. Eine Einführung mit dem Titel “Viktor Vanberg und das sozialwissenschaftliche Erkenntnisprogramm” hat Hans Albert verfasst.
Vanberg war unter anderem Mitarbeiter James Buchanans, Leiter des Walter Eucken-Instituts und Professor für Wirtschaftspolitik. Seine Texte zeichnen sich durch klare Argumentation und leichte Lesbarkeit aus. Er untersucht die methodologischen und sozialphilosophischen Grundlagen eines Programms, das Buchanans Verfassungsökonmik und den durch den Evolutionsgedanken geprägten Liberalismus Friedrich August Hayeks ausformulieren will. Er plädiert für eine Ökonomik als erfahrungswissenschaftlich orientierte “Lebenswissenschaft”, und knüpft damit an Hans Alberts Kritik des ökonomischen “Modell-Platonismus” an.
Sein Ansatz steht in der individualistischen Tradition der Schottischen Moralphilosophie, den er 1975 in dem Buch “Die zwei Soziologien. Individualismus und Kollektivismus in der Sozialtheorie” dargestellt hat. Dieses Buch ist ein Meilenstein der sozialphilosophischen Literatur, in dem es die zwei gegensätzlichen Leitbilder, die die Sozialwissenschaften der letzten Jahrhunderte geprägt haben, analysiert.
Außenminister Steinmeier (SPD) sendet Habermas Glückwunschschreiben
Posted by Björn in Leute, Philosophie allgemein, Philosophiegeschichte, Politik, Politische Philosophie, Verschiedenes on 2009/06/23
Außenminister Steinmeier hat Jürgen Habermas zu dessen 80. Geburtstag ein offizielles Glückwunschschreiben übersandt, das auf der Webseite des Auswärtigen Amtes nachzulesen ist.
Steinmeier schreibt, Habermas stehe als kritischer Aufklärer “in einer der besten Traditionen unseres Landes“. Ohne Habermas “wäre das Nachdenken über und das politische Handeln für ein soziales und demokratisches Europa nicht möglich“. “Ihre Anregungen und Hinweise haben mein politisches Denken und Handeln nachhaltig beeinflusst. Für ein soziales Europa, gegen Marktradikalismus und Neoliberalismus und für eine weltweite Verantwortungsgemeinschaft.” Habermas sei die europäische Stimme der Vernunft, die die “Neubegründung der großen europäischen Werte” gestärkt habe.
Der ehemalige Kulturstaatsminister unter Gerhard Schröder, Julian Nida-Rümelin, würdigt Jürgen Habermas im Tagesspiegel. Dabei blickt er zurück auf Gespräche mit Habermas beim Kulturforum der Sozialdemokratie in den Jahren 1998 und 2008.
Von Havel zu Habermas
Posted by Björn in Geschichte, Politik, Politische Philosophie on 2008/12/01
Paul Linden-Retek untersucht Havels und Habermas’ Analyse der gegenwärtigen Politik nach 1989. Habermas verpasse mit seiner Kritik die aktuellen Möglichkeiten politischen Engagements – schreibt der Economist. “What, for example, does e-democracy (for example, wiki-style public input to lawmaking) mean for Mr Habermas’s deliberative model? Those planning next year’s anniversary festivities in Prague could do worse than to invite Messrs Havel and Habermas to a public discussion.“
Raymond Geuss’ neues Buch – Machtpolitik statt Moral
Posted by Björn in Buecher, Ethik, Liberalismus, Moralphilosophie, Politik, Politische Philosophie on 2008/10/21
Adam Kirsch rezensiert Raymond Geuss neues Buch “Philosophy and Real Politics“. “I object to the claim that politics is applied ethics“, schreibt Geuss und richtet sich explizit gegen die “neo-kantianische”, liberale politische Philosophie, wie sie von Robert Nozick und John Rawls vertreten wurde. Diese seien abstrakt, unrealistisch, letzten Endes ideologische Mystifikationen. Geuss setzt dem ein marxistisch-leninistisches Politikverständnis entgegen, wonach das Bewusstsein durchs Sein korrumpiert ist, weshalb nicht moralische Gerechtigkeitserwägungen, sondern Macht der Untersuchungsgegenstand der politischen Philosophie sein solle. Er plädiert für einen “return from the present reactionary forms of neo-Kantianism to . . . neo-Leninism.”
Sein Rezensent Adam Kirsch weist darauf hin, dass der Verzicht auf moralische Analyse und Gerechtigkeitserwägungen konsistent in der Position des Thrasymachus ausgedrückt ist: “The unjust is lord over the truly simple and just: he is the stronger, and his subjects do what is for his interest, and minister to his happiness, which is very far from being their own“. Dann ist aber fraglich, wie man für ein Engagement gegen Unterdrückung und Machtmissbrauch und für Solidarität argumentieren kann.
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Mary Warnock über Religion in der Politik
Posted by Björn in Bioethik, Ethik, Moralphilosophie, Politische Philosophie, Religion on 2008/04/29
Mary Warnock sieht religiöse Überzeugungen nicht als ausreichende Grundlage für politische Entscheidungen, die die gesamte Gesellschaft betreffen:
“Laws must as far as possible be made in the interests, far wider than matters of faith, of all members of society, whether or not they hold any religious views.” [via]
Nussbaum: Bestimmte Manifestationen religiöser Politik sind inakzeptabel
Posted by Björn in Leute, Liberalismus, Politische Philosophie, Religion on 2008/04/23
Im Interview mit Bill Moyers erklärt Martha Nussbaum (Transskript, hier ist auch das Video dazu), wann und warum religiöse Gemeinschaften nicht beanspruchen können, in der Politik für die Öffentlichkeit zu sprechen und zu agieren.
Habermas und die Möglichkeit der Sharia
Posted by Björn in Leute, Politik, Politische Philosophie, Religion on 2008/04/23
In der Aprilausgabe der “Blätter für deutsche und internationale Politik” nimmt Jürgen Habermas positiv Stellung zu der Diskussion über das Ende der Säkularisation und die Einführung religiöser Prinzipien ins öffentliche Leben – wie auch hier berichtet wird. Unsere Zeit sei “post-sekular”, Modernismus gehe nicht mit Säkularismus / Rationalismus einher, wie die poltischen Aktivitäten religiöser Gemeinschaften in den USA zeigten. Religiöser Glaube müsse das öffentliche Leben informieren, der Staat dürfe die polyphone Komplexität öffentlicher Stimmen nicht reduzieren.
Anmerkung dazu: Man wird in diese Richtung nur denken können, wenn man Diskurs- und Machbarkeitsbedingungen betont, wie sie Frank Zappa, der als Amerikaner ja den von Habermas geschätzten Erfahrungshintergrund in dieser Frage schon vor dreißig Jahren aufwies, immer wieder formuliert:
“… what to do if the geeks over there
don’t belive in the book we got over here“