Über den Brexit

Bisher das Beste: Timothy Garton Ash.

Der Brexit ist auch ein bitterer Verlust für Europa.

Der stärkste Indikator für Leave-Stimmen? Nicht Alter, sondern Bildung:

Dass jetzt wieder in die falsche Richtung moralisiert wird (“die Alten” usw.) lässt nichts Gutes für die Zukunft dieser Auseinandersetzung erwarten.
Siehe auch Tyler Cowen zu den Gründen für das Wahlergebnis.

Über Anti-Establishment-Rhetorik:

Für Kenner der Klassiker:

Was ist eigentlich los?

Wirrnis allüberall. Ezra Klein verweist bzgl. des amerikanischen Nominierungswahlkampfs auf ein Posting von Matthew Yglesias bei vox.com. Mir fallen besonders – in hypothetisch auf demokratische Gesellschaften verallgemeinerter Form – die Punkte 7 und 8 auf:
7. Die “Linken” sind hochgradig ideologisch.
8. Die “Rechten” sind überhaupt nicht ideologisch.

Alles aua sowieso. Aber stimmt das? Irgendwie, irgendwo, irgendwann? Ich sehe den Punkt. Aber ich weiß es doch auch nicht.

Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht?

Die derzeitigen öffentlichen Debatten über die Diagnose psychologischer Zustände und über Eingriffe in Persönlichkeitsrechte sind befremdlich. Wenn der öffentliche Diskurs sich zum Experten beispielsweise von Depressionen macht so ist das kein Fortschritt, da es – wie man ja täglich in dieser Debatte sieht – ganz erheblich an Differenzierungen fehlt.

Um das Problem undifferenzierter “Expertenmeinungen” anhand eines Apektes zu pointieren, könnte man beispielsweise auf andere “Risikoberufe” hinweisen, wo man ebenfalls kein kriminelles oder gefährliches psychopathologisches Verhalten erleben möchte – bei Ärzten, Lehrern, Busfahrern, Gemüsehändlern, Bäckern, Administratoren, Programmierern, Köchen, Erziehern, Dönerverkäufern, Polizisten usw. – will man da auch die ärztliche Schweigepflicht lockern?

Die Diagnose psychologischer Erkrankungen ist bei Medizinern wohl besser aufgehoben als bei Medien und Meinungsumfragen.
Und dass eine Änderung der ärztlichen Schweigepflicht die Sicherheit im Effekt beeinträchtigt, befürchtet u.a. Udo Vetter:

“Das Internet muss weg” – Mocumentary über Netzneutralität

Ein gut erzählter und gut gemachter Film über einen Marktforscher (dargestellt von einem Schauspieler), der sich mit echten Experten, Usern, Unternehmern unterhält, um herauszufinden, was man gegen Netzneutralität tun kann … und zu ganz anderen Ergebnissen kommt. Hier die Webseite zum Film.

Sandel am 17.10. in Berlin

An der Freien Universität Berlin hält Michael Sandel am 17.10.2013 einen Vortrag mit dem Titel “What money can’t buy”. Dies ist auch der Titel seines jüngsten Buches, dass auf deutsch “Was man für Geld nicht kaufen kann” heißt.
Hier die Ankündigung der FU.

Zeit und Ort: 17.10.2013, 18:15, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin, Hörsaal 1a

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Ganz Deutschland und die schlandkette

Nachdem es gerade eben auch die Tagesthemen vermeldeten, dass “die Deutschen” beziehungsweise “das Netz” nach dem gestrigen TV-Duell sich vornehmlich für die von Angela Merkel getragene Halskette interessieren, wie der eigens eingerichtete Twitteraccount zeige, habe ich noch mal nachgesehen: aktuell hat dieser Account 7.967 Follower, also etwas mehr, als der VfR Aalen in der Saison 2012/13 durchschnittlich Zuschauer im Stadion hatte. Erzgebirge Aue und SC Paderborn liegen aber noch klar vor @schlandkette.
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Es mag durchaus sein, dass in Kürze Millionen Follower zusammenkommen. Im Moment liegen die Zahlen aber noch um Haaresbreite daneben.

Das Kanzlerduell – Die ultimative Medienanalyse

Die Moderatoren: Maybritt Illner wie gewohnt ein fachlicher und intellektueller Totalausfall, Anne Will nicht weit davon entfernt. Raab zwar besser als befürchtet, aber eben Radauniveau – wenn das die Zukunft des Journalismus ist, wird es nicht so zivilisiert bleiben.
Ergebnis: Ungenügend für das Moderatorenteam. Von erneuter Teilnahme ausgeschlossen.

Die Kandidaten: Es ist doch deutlich geworden, dass Merkel ein Klon von Kohl ist – eine Kommunikationswalze, deren Reaktionsweg von Umstehenden nicht zu beeinflussen ist. SIE legt fest, zu welchem Thema sie Stellung nimmt, und breitet sich dann in die prospektierte Richtung aus. Dagegen sollte man leicht bestehen können.
Und tatsächlich bleibt nur zu sagen, dass Steinbrück ganz ordentlich geantwortet hat: a) inhaltlich (antwortete auf die Fragen) und b) so wie man eben an Gesprächen teilnimmt.

Nida-Rümelin im taz-Interview

In der taz gibt Julian Nida-Rümelin ein längeres Interview. Vorrangig geht es um Verantwortung in politischen Institutionen – aus Anlass der Geschichte mit Thomas de Maizière und dem gescheiterten Drohnenprojekt. Dabei gehe es auch um die Verantwortung des Tötens durch technische Systeme. Auch über das Rücktrittstheater im Allgemeinen und die Rolle der Medien wird gesprochen. Und schließlich kommt noch kurz das Thema Willensfreiheit zur Sprache.

Update: Das Interview steht jetzt auch als PDF auf der Homepage von Julian Nida-Rümelin.