Oliver Sacks über das mentale Leben von Würmern

Charles Darwin hat aufgrund seiner Untersuchung des Verhaltens von Würmern bei ihnen “the presence of a mind of some kind” vermutet. Auch andere Wissenschaftler des 19. und frühen 20. Jahrhunderts waren fasziniert vom Verhalten und dem Nervensystem verschiedener Arten. Der junge Sigmund Freud dokumentierte die Ähnlichkeit der Nervenzellen von niederen und höheren Arten. Die Fähigkeiten von Pflanzen und Insekten sind erstaunlicher, als gemeinhin angenommen.

In einem sehr gut lesbaren Artikel berichtet Oliver Sacks in der New York Review of Books über diese interessanten Forschungen: “The Mental Life of Plants and Worms, Among Others“.

John Searle: “Elektronische Medien verarmen unsere Sinne”

Mit über 80 Jahren hat es John Searle nicht mehr nötig, aufgeregt den neuesten Moden das Wort zu reden. Und als einer der herausragenden Philosophen in der Philosophie des Geistes, der Sprache und des Sozialen hat er eine dezidierte Meinung zu den aktuellen Entwicklungen in Philosophie, Technologie und Gesellschaft.

In einem Interview im New Philosopher hält er denn auch nicht hinterm Berg. Von dem “Unsinn”, der gegenwärtig in der Philosophie veröffentlicht wird, hält er nichts. Insbesondere wenn er über die Theorie des “extended mind” (Chalmers u.a.) liest, könne er sich übergeben. Die “overexposure to electronic media” verarme unsere Sinne. Er will noch weitere Bücher über die Philosophie des Geistes veröffentlichen, und sich insbesondere mit den Klassikern “Kant, Descartes, Berkeley, Hume, Leibniz, Spinoza” auseinandersetzen. Kant sei der vermutlich größte Philosoph und eine Obsession, aber seiner Theorie von der Unerkennbarkeit des Dings an sich liege ein Fehler zugrunde.

Kürzlich hat Searle auf der TEDxCERN-Konferenz lebhaft die ganz unmodische Auffassung vertreten, dass Menschen ein Bewusstsein haben. Das Video dazu gibt es hier.

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Neurofolklore

Der Neurocritic beschäftigt sich mit der Geschichte der Hirnwissenschaften und untersucht, wie alt der Begriff “Neuroscience” wohl ist. Dass es auf den Begriff nicht so sehr ankommt, stellt er fest, aber es fehlen Überlegungen dazu, welche Rolle das philosophische Körper-Geist-Problem in dieser Geschichte spielt.

Vaughan Bell bemerkt im Guardian, dass nicht alles, was in der Öffentlichkeit als Neuroscience gehandelt wird, korrekt ist.

Joseph LeDoux interviewt Ned Block über das Bewusstsein

Joseph LeDoux, einer größeren Öffentlichkeit bekannt durch sein Buch “Das Netz der Gefühle“, hat eine Videoserie unter dem Titel “My Mind’s eye” gestartet, die einen “idiosynkratischen Blick” auf die Fragen des Leib-Seele-Problems werfen soll.

Im ersten Video der Reihe wird Ned Block interviewt, unterlegt mit anschaulichen Visualisierungen. Block erläutert allgmeinverständlich die Positionen von Dualismus und Physikalismus, tierisches Bewusstsein und Emotionen (da Säugetiere anders als Menschen bei der Wahrnehmung kaum Gebrauch vom Frontallappen machen, glaubt Block nicht, dass sich die Emotionen von Menschen und Tieren gleichen).

Zum Schluss des Videos spielt LeDoux’s Band “The Amygdaloids” (ich berichtete, z.B. hier) den Song “My Mind’s Eye”.

Das Ganze ist also intelligente Unterhaltung. Warum wissenschaftliche und philosophische Fragen so dargeboten werden? Warum nicht?!

Das Observations-Blog des Scientific American hat auch über das Video berichtet.

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J.J.C. Smart gestorben

Der australische Philosoph J.J.C. Smart ist am 6. Oktober 2012 gestorben. Smart war für die von ihm vertretenen Positionen in der Philosophie des Geistes, der Moraltheorie und der Philosophie der Zeit bekannt.

Er gilt seit den 1950er Jahren als einer der Begründer der Identitätstheorie, die besagt, dass mentale Zustände nichts anderes als neuronale Zustände sind. Dies ist eine prominente physikalistische Position.
In der Ethik vertrat er einen Handlungsutilitarismus, von ihm “extremer Utilitarismus” genannt, im Gegensatz zum Regelutilitarismus.

Die Libet-Experimente und Willensfreiheit

Julian Nida-Rümelin hat auf seiner Webseite den Text eines Vortrags mit dem Titel “Libet and Liberty” veröffentlicht. Darin beschreibt er die Experimente und die Interpretationen, die sie als Beleg gegen Willensfreiheit anführen. Er zeigt, dass diese Interpretation auf logischen Fehlern beruht und dass sie nicht in Einklang steht mit anderen neurowissenschaftlichen Studien. Und schließlich ist er der Auffassung, dass das Libet-Experiment gar nicht das Problem der Willensfreiheit modelliert: “What Libet’s results could show at most is that in cases of indifference there are unconscious brain processes that cause our behaviour. But that is no argument against the existence of free will – and as we have seen, even this argument fails.

Jesse Prinz malt Bilder von Köpfen

Jesse Prinz ist durch seine Veröffentlichungen zur Philosophie der Psychologie bekannt. Gerade eben ist sein Buch “Beyond Human Nature: How Culture and Experience Shape Our Lives” erschienen, mit dem er zu einer realistischeren und ausgewogenen Debatte um Natur/Kultur beitragen will. 2007 veröffentlichte er “The Emotional Construction of Morals“, und 2004 “Gut Reactions: A Perceptual Theory of Emotion” (beide bei Oxford University Press). Demnächst erscheint von ihm “The Handbook of Philosophy of Psychology”, ebenfalls bei OUP.

Während Sitzungen malt Jesse Prinz Bilder von Köpfen. Köpfe mit Schubladen, mit Einblicken ins Gehirn, Köpfe mit Vögeln oder Köpfe mit Obst. Unzählige dieser Bilder hat er auf seiner persönlichen Website veröffentlicht. Da die Seite als Frameset programmiert ist – wie es vor 10 Jahren einmal üblich war – führt das Verfolgen des direkten Links zu den Zeichnungen leider dazu, dass man das Hauptmenü nicht sieht. Aber zum Navigieren innerhalb der Zeichnungskategorien reicht der Direktlink vollkommen aus.
Hier also der Direktlink zu den Zeichnungen, und hier der Link zur Hauptseite.

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Rudolf-Carnap-Lectures mit Ned Block und Susan Carey

Die Rudolf-Carnap-Lectures, die vom 31. Mai bis zum 2. Juni an der Ruhr-Universität Bochum stattfinden, haben diesmal einen psychologischen Schwerpunkt. Als Gäste sind der Professor für Philosophie und Psychologie Ned Block sowie die Psychologin Susan Carey eingeladen. Das Programm ist auf dieser Seite veröffentlicht.

Graduierte sind aufgerufen, Vorträge einzureichen, die mit den Themen der Gastvorträge von Block und Carey zu tun haben oder jedenfalls in den Bereich der Philosophie des Geistes und der Entwicklungspsychologie gehören.

Die von Albert Newen initiierten Carnap-Lectures werden im Jahr 2013 David Chalmers zu Gast haben, der sich in seinem neuen Buch “Constructing the world” mit Carnaps “Logischem Aufbau der Welt” auseinandersetzt (siehe meinen Beitrag zum “Aufbau”hier). Zu seinem Buch hatte Chalmers 2010 die John-Locke-Lectures in Oxford gehalten, von denen Handouts, Tonmitschnitt und Folien hier heruntergeladen werden können. Ein Manuskript von Chalmers Buch ist auf dieser Seite erhältlich.

Videos mit David Chalmers

David Chalmers verweist auf einige Videos im Internet, in denen er auftritt.

Dieses Video hat irgendwie etwas mit “sechstem Sinn” und Para-Zeug zu tun, was man laut Chalmers einfach ignorieren soll. Man sieht Chalmers als Bluesmusiker und wie er ein paar ganz allgemeinen Dinge über die Philosophie des Bewusstseins sagt. (Video startet automatisch mit der Chalmers-Sequenz.)

Das Blues-Video ist in voller Länge hier zu sehen. Joseph LeDoux und Ned Block sitzen laut Videobeschreibung im Publikum.

Hier ist Chalmers TEDx Sydney Talk.

Wird die Hirnforschung Psychologie und Philosophie überflüssig machen?

In Amsterdam findet vom 1. bis 3. April 2011 die Konferenz “Imaging the mind” statt. Sie soll, so Stephan Schleim, einer der Organisatoren, den aktuellen Stand der Hirnforschung ermitteln und einen Ausblick auf die Entwicklung von Psychologie, Philosophie und Hirnforschung werfen.
Die bildgebende Hirnforschung hat manche in dem Optimismus bestärkt, die letzten Fragen des menschlichen Bewusstseins klären zu können – und eventuell sogar Psychologie und Philosophie überflüssig zu machen. “Doch es häufen sich auch kritische Stimmen, welche die Erklärungskraft dieser Methoden für das Verständnis des menschlichen Geistes infrage stellen”, wie Stephan Schleim in seinem Blogeintrag berichtet.

Starke Zweifel haben beispielsweise Philosophen wie Julian-Nida Rümelin oder Ansgar Beckermann in ihren Büchern formuliert. (Links zu Amazon)

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Hacker-Kritik an Neurowissenschaftlern

Der für seine Studien zu Wittgenstein bekannte und in Oxford lehrende Philosoph Peter Hacker wird im Philosopher’s Magazine porträtiert. Darin geht es um Hackers Kritik an philosophischen Einlassungen von Neurowissenschaftlern, die meistens Unsinn seien – worin er mit vielen anderen Philosophen (wie beispielsweise Peter Bieri und Ernst Tugendhat) übereinstimmt. Außerdem betrachtet Hacker die Philosophie nicht als kognitive Wissenschaft in dem Sinn wie es die Naturwissenschaften seien, die gesichertes Wissen anstreben. Philosophie befasse sich dem gegenüber mit dem Verständnis unserer Wissens: “philosophy is not a quest for knowledge about the world, but rather a quest for understanding the conceptual scheme in terms of which we conceive of the knowledge we achieve about the world.

Ein Interview zu Hackers Kritik an den Neurowissenschaften ist auf deutsch auch bei Gehirn & Geist online nachzulesen.
Auf deutsch ist zuletzt bei Suhrkamp “Neurowissenschaft und Philosophie: Gehirn, Geist und Sprache” erschienen: eine Auseindersetzung um die philosophischen Grundlagen der Neurowissenschaften zwischen Maxwell Bennett, Peter Hacker, John Searle und Daniel Dennett.

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Blackburn rezensiert Collingwood-Biografie

Simon Blackburn rezensiert Fred Inglis’ Biografie “History Man: The Life of R.G. Collingwood”. Collingwood war ein brillianter Philosoph und Historiker, so Blackburn. Neben seinen bekannten historischen und philosophiegeschichtlichen Arbeiten sind seine philosophy of mind und seine philosophy of art bemerkenswert modern. Allerdings findet Collingwood in der heutigen Philosophie meist nur in Fußnoten Beachtung, was möglicherweise auch, so vermutet Blackburn, an seiner ostentativen Unbescheidenheit liegt (wie er im Vergleich zu Wittgenstein verdeutlicht).