Warum ist das Filmangebot bei Streaming-Anbietern so öde?

Ich habe mich immer gewundert, warum das Filmangebot bei Streaming-Anbietern so einseitig ist. Endlich gibt es eine technische Möglichkeit, die vielen Filmschätze, die im Laufe von Jahrzehnten entstanden sind, abrufbar zu halten – aber der Blick in das Angebot der großen Anbieter ist in dieser Hinsicht enttäuschend. Es findet sich nicht viel Klassisches und nicht viel von dem, was schön oder inspirierend ist, aber nicht unbedingt ein globaler Klassenschlager war, und das Wenige, das davon angeboten wird, ist zudem oft schwer zu finden, denn es ist keineswegs prominent platziert.

Das scheint daran zu liegen, dass die Streamingrechte wohl ziemlich teuer sind, wie Tyler Cowen meint. Das hat zur Folge, dass es zu teuer ist, eine riesige Filmbibliothek per Streaming zugänglich zu machen. Wie allerdings Filme, die nicht gezeigt werden, weil sie nirgendwo im Angebot sind, für die Rechteinhaber profitabler sind, ist mir ein Rätsel. Wären Paktelösungen und Mischkalkulationen da nicht einträglicher?

So jedenfalls sind die Angebote im Video-Streaming qualitativ recht mager und werden wohl nur diejenigen rundum befriedigenden, die sich von Hypes plagen lassen.

Ist die Vermögenssteuer oder eine andere Steuer die richtige Maßnahme?

Die Steuerdiskussionen sind für Laien nur schwer nachvollziehbar, insbesondere weil man schnell den Eindruck gewinnt, dass dabei Dinge als ausgemacht postuliert werden, deren Für und Wider man als Rezipient der Rhetorik nicht einmal ansatzweise kennt.

Durch Thomas Piketty ist die Diskussion um die Vermögenssteuer wieder in den Blickpunkt gerückt. Kenneth Arrow denkt bei Crooked Timber darüber nach, ob sie das Ungleichheitsproblem zu lösen in der Lage wäre, welche nachteiligen Effekte sie hätte und ob man nicht eine andere Alternative erwägen sollte.

Gegen 10.000 Gebote – Adam Smith

Adam Smith wird immer wieder gegen Klischeevorstellungen verteidigt. Und da er weit mehr als nur der Ökonom war, wird er für eine realistischere Sichtweise in ganz unterschiedlichen Bereichen (Ökonomie, Moralpsychologie, Politische oder Rechtsphilosophie) empfohlen. Zu den prominenten Beispielen für eine solche “Wiederentdeckung” Smiths (hier des öfteren schon erwähnt) gehören unter anderem Ernst Tugendhat, Martha Nussbaum, Amartya Sen und Lisa Herzog. Das Spektrum der damit verbundenen Leitfragen erstreckt sich dabei bis weit ins Sozialdemokratische hinein.

Eine libertäre Sicht auf Adam Smith – also vom anderen Ende des Spektrums – hat der Ökonom Daniel D. Klein von der George Mason University. In diesem Vortrag will er zeigen, dass Smith schon in der Theorie der moralischen Gefühle subtil gegen Überregulierung und staatliche Eingriffe argumentiert habe.

Lisa Herzog über Märkte: Das Kriterium ist die Freiheit

3AM interviewt Lisa Herzog. Dabei geht es vor allem um die Überlegungen von Adam Smith und Hegel zu Märkten und wie diese heute noch relevant sind.

2014 hat Lisa Herzog zusammen mit Axel Honneth bei Suhrkamp eine Textsammlung zu Marktansichten vom 18. Jahrhundert bis heute veröffentlicht: “Der Wert des Marktes: Ein ökonomisch-philosophischer Diskurs vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart“. Dazu hat es einige Rezensionen gegeben – die informativste ist wohl die im Blog “Wirtschaftliche Freiheit“.

Elisabeth von Tadden hat Lisa Herzog im März 2014 interviewt. Ein Interview eher auf Internet-Niveau ist bei ZEIT-Campus Anfang 2015 erschienen.

Auf YouTube gibt es ein Interview mit ihr sowie eine Vorlesung über Schädigungen im Markt:

Piketty auf dem Holzweg?

Deirdre McCloskey, die sich selbst als “ex-Marxist, Christian libertarian” beschreibt, hat für das “Erasmus Journal for Philosophy and Economics” eine Rezension zu Thomas Pikettys Buch “Das Kapital im 21. Jahrhundert” geschrieben (Downloadlink bei Marginal Revolution).

Sie reklamiert, dass Piketty schwerwiegende Fehler bei zentralen Annahmen mache, und so von falschen Voraussetzungen ausgehend zu einem falschen Gesamtbild gelange. Eine andere Variante ihrer Kritik ist, dass der notorische linke Pessimismus zu einer Fehldeutung der Ungleicheit und vor allem, so betont sie, zu falschen, wenn nicht sogar verhehrenden Rezepten führt.

Vielleicht kann man das Problem, dass hier bei Piketty gesehen wird, für Laien wie mich durch die Frage veranschaulichen, ob der Reichtum von Steve Jobs und Bill Gates “guter Reichtum” ist, weil er Wohlstand für Viele gebracht hat, oder nicht. Piketty scheint hier widersprüchlich, während McCloskey sagt, dass Innovationen die enormen Wohlstandszuwächse in den letzten Jahrhunderten hervorgebracht haben – so wie sie das jetzt auch in Asien tun.

Evan Davis hatte schon im Mai 2014, bevor Piketty ein Bestseller wurde, die gegensätzlichen Auffassungen von Piketty und McCloskey im Spectator diskutiert.

Mitte November war McCloskey auf dem Podium bei “Policy Exchange“, wo sie Ergebnisse ihrer Rezension vorstellt.

Sachen, die Peter Thiel sagt

Peter Thiel ist unterhaltsam, weil er griffige Formulierungen benutzt und einfache Schemata liefert. David Holmes schreibt auf PandoDaily ganz witzig über Thiels Witzigkeit: “Today in “Peter Thiel says things.” Does society really hate tech?” (via Ralf Keuper)

Thiels kultartige Technologieanbetung ist David Holmes etwas zu schwarz-weiß-lastig – aber das kennt man ja auch bspw. von der deutschen “Netzintelligenz”. Der Blick aus der Distanz kann da ebenfalls unterhaltsam sein.

Technoliberale Neocons?

Die zentralen Ideen und Argumente, die man bei Peter Thiel (im vorigen Beitrag erwähnt) findet, sind natürlich allen denjenigen einigermaßen vertraut, die die Debatten um Libertäre und Neocons der letzten Jahrzehnte kennen. Ich bin zu faul derzeit mit vielen anderen Dingen beschäftigt, aber Ralf Keuper gibt einen Überblick über einige Aspekte dieser Thematik.

Peter Thiel – eher banal als genial?

Auf Deutschlandradio Kultur bespricht Johannes Kaiser das neue Buch “Zero to One” von Peter Thiel kritisch: “Banale Start-Up-Philosophie“.

Peter Thiel ist ein erfolgreicher Silicon-Valley-Unternehmer, der in den USA und den üblichen Internetforen begeisterte Anhänger hat. Er ist eloquent, und selbstbewusst. An der Stanford University hat er ein Seminar gegeben, aus dem nun dieses Buch über Start-Up-Philosophie hervorgegangen ist. Johannes Kaiser bewertet es als schlichte Küchenphilosophie.

Thiels eindimensionale Innovationsgläubigkeit vermenge sich mit banalen Weisheiten über Anzugträger und pessimistische Europäer und den üblichen politischen und ökonomischen Lehrsätzen amerikanischer Konservativer. Entgegen seinem Image entlarve sich Thiel in seinem Buch gerade nicht als Querdenker.

Weitere Artikel über Peter Thiel gab es in den letzten Tagen bei Spiegel und FAZ.

Galbraith rezensiert Piketty: Fragliche Politikempfehlungen

James K. Galbraith rezensiert in Dissent Thomas Pikettys “Capital in the Twenty-First Century” mit eher kritischem Tenor.

Die Bedeutung einer sorgfältigen Untersuchung der Fakten schätze Piketty zwar korrekt ein, und das Buch enthalte reichlich gute Informationen zur Verteilung finanzieller Ressourcen, doch seien seine Politikempfehlungen nicht plausibel. In theoretischer Hinsicht könne es die an der bisherigen Rezeption abzulesenden Erwartungen nicht erfüllen.