Posts Tagged Neurowissenschaft

Dominik Perler rezensiert Antonio Damasios “Selbst ist der Mensch”

Den Optimismus von Antonio Damasio, dass wir in der Lage sind, zu erklären, wie und warum bewusstes Erleben zustande kommt, beurteilt Dominik Perler in der FAZ skeptisch.

Damasio versucht in seinem neuen Buch “Selbst ist der Mensch” zu verstehen, wie der Geist im Gehirn zustande kommt. Er erklärt dies anhand “neuronaler Karten”, die uns ein Bild von unserem Körper und unserer Umwelt liefern. Aber dass diese Karten intentional auf etwas gerichtet sind, wird Perler zufolge von Damasio nur postuliert, nicht erklärt.

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Neurowissenschaft und Philosophie – Colin McGinn rezensiert V.S. Ramachandran

Colin McGinn hatte im März bei der New York Review of Books das Buch “The Tell-Tale Brain” von V.S. Ramachandran rezensiert, und im Juni erschien dort eine Antwort von Ramachandran sowie McGinns Antwort auf die Antwort (wie es üblich ist). Die Rezension und Diskussion bieten einen guten Eindruck vom Stand der Neurowissenschaft und der Beantwortung von Fragen aus der Philosophie des Geistes. Der neurowissenschaftliche Enthusiasmus, Funktionen des Gehirns und psychologische Vorgänge generell erklärt zu haben, wird von Philosophen in den letzten Jahren häufiger skeptisch beurteilt. Dies ist keine Generalskepsis bezüglich der Relevanz dieser Forschung als solcher, sondern richtet sich auf zu weitreichende Thesen, die beanspruchen, klassische Probleme der Psychologie und Philosophie des Geistes gelöst zu haben.

Zunächst stellt Colin McGinn fest: “This is the best book of its kind that I have come across for scientific rigor, general interest, and clarity.” Dann diskutiert er mehrere Annahmen Ramachandrans kritisch, denn “the relationship between mental function and brain anatomy is nowhere near as transparent as in the case of the body [and physiology] —we can’t just look and see what does what.” Er schildert die von Ramachandran besprochenen Phänomene, wie Phantomvorstellungen von Körperteilen, Spiegelneurone und Sprache, die faszinierend seien, bei denen aber die philosophischen Fragestellungen falsch dargestellt seien und deshalb nicht befriedigend beantwortet werden. Ob Spiegelneurone wirklich ausreichen, um Empathie und Imitation zu erklären, bezweifelt McGinn – wie dies ja auch schon Patricia McChurchland getan habe.
Neurowissenschaft sei faszinierend, sei aber noch nicht über das Anfangsstadium der elementarsten Beschreibungen hinausgekommen.

In seiner Antwort begrüßt Ramachandran die Rezension McGinns, bestreitet aber, dass die philosophischen Fragen geklärt sein müssten, bevor man mit der Forschung beginnt. Daraufhin bekräftigt McGinn seinen “point … that the brain does not wear its functions on its face in the way the gross anatomy of the body does.” Die Fragen nach Willensfreiheit und Qualia können nicht durch Neurologie gelöst werden: “these questions are not going to be resolved by discovering the neural correlates of such things. Here I suggest that he consult an introductory text in philosophy of mind“. Dies, so schließt McGinn “might lead to a neuroscientist with philosophical sophistication — which would be something of real value in today’s intellectual culture.”

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Gibt es Spiegelneurone? Interview mit V.S. Ramachandran

In einem bei Neurophilosophy veröffentlichten Interview wird V.S. Ramachandran zu einer Studie befragt, die keine Spiegelneurone im menschlichen Gehirn nachweisen konnte. Ramachandran hält das Ergebnis für “Unsinn”.

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Wird die Hirnforschung Psychologie und Philosophie überflüssig machen?

In Amsterdam findet vom 1. bis 3. April 2011 die Konferenz “Imaging the mind” statt. Sie soll, so Stephan Schleim, einer der Organisatoren, den aktuellen Stand der Hirnforschung ermitteln und einen Ausblick auf die Entwicklung von Psychologie, Philosophie und Hirnforschung werfen.
Die bildgebende Hirnforschung hat manche in dem Optimismus bestärkt, die letzten Fragen des menschlichen Bewusstseins klären zu können – und eventuell sogar Psychologie und Philosophie überflüssig zu machen. “Doch es häufen sich auch kritische Stimmen, welche die Erklärungskraft dieser Methoden für das Verständnis des menschlichen Geistes infrage stellen”, wie Stephan Schleim in seinem Blogeintrag berichtet.

Starke Zweifel haben beispielsweise Philosophen wie Julian-Nida Rümelin oder Ansgar Beckermann in ihren Büchern formuliert. (Links zu Amazon)

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Geschichte der Visualisierung des Geistes

Bei Boing Boing wird das kürzlich erschienene Buch von Carl Schoonover, “Portraits of the Mind: Visualizing the Brain from Antiquity to the 21st Century” (Affiliate Link zu Amazon) mit einigen Abbildungen daraus vorgestellt. Schoonover hat in dem Buch Bilder aus den Neurowissenschaften versammelt, die das menschliche Bemühen, den Geist zu lokalisieren und zu verstehen, veranschaulichen.
Jonah Lehrer hat das Vorwort dazu geschrieben.

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Hacker-Kritik an Neurowissenschaftlern

Der für seine Studien zu Wittgenstein bekannte und in Oxford lehrende Philosoph Peter Hacker wird im Philosopher’s Magazine porträtiert. Darin geht es um Hackers Kritik an philosophischen Einlassungen von Neurowissenschaftlern, die meistens Unsinn seien – worin er mit vielen anderen Philosophen (wie beispielsweise Peter Bieri und Ernst Tugendhat) übereinstimmt. Außerdem betrachtet Hacker die Philosophie nicht als kognitive Wissenschaft in dem Sinn wie es die Naturwissenschaften seien, die gesichertes Wissen anstreben. Philosophie befasse sich dem gegenüber mit dem Verständnis unserer Wissens: “philosophy is not a quest for knowledge about the world, but rather a quest for understanding the conceptual scheme in terms of which we conceive of the knowledge we achieve about the world.

Ein Interview zu Hackers Kritik an den Neurowissenschaften ist auf deutsch auch bei Gehirn & Geist online nachzulesen.
Auf deutsch ist zuletzt bei Suhrkamp “Neurowissenschaft und Philosophie: Gehirn, Geist und Sprache” erschienen: eine Auseindersetzung um die philosophischen Grundlagen der Neurowissenschaften zwischen Maxwell Bennett, Peter Hacker, John Searle und Daniel Dennett.

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Rezension des “Oxford Handbook of Philosophy and Neuroscience”

Gary Hatfield hat bei Notre Dame Philosophical Reviews eine ausführliche Rezension des von John Bickle herausgegebenen “Oxford Handbook of Philosophy and Neuroscience” (OUP 2009, 635 Seiten) veröffentlicht. Das Buch enthält 23 Beiträge, die in sieben Teilen organisiert sind:

Part I: Explanation, Reduction, and Methodology in Neuroscientific Practice
Part II: Learning and Memory
Part III: Sensation and Perception
Part IV: Neurocomputation and Neuroanatomy
Part V: Neuroscience of Motivation, Decision Making, and Neuroethics
Part VI: Neurophilosophy and Psychiatry
Part VII: Neurophilosophy

Hatfield stellt fest, dass es sich nicht um ein Handbuch handelt, das seine Aufgabe darin sieht, einen fortgeschrittenen Überblick eines Sachbereiches zu bieten. Dazu fehle es an einer systematischen Darbietung von Einzelfragen und einer Diskussion aller relevanten methodologischen Fragen. Der Herausgeber erklärt dies damit, dass Philosophie und Neurowissenschaften noch ein junges, sich entwickelndes Feld sei.

Insofern ist der Band, so Hatfield, eher eine Sammlung von Forschungsüberblicken bestimmter Autoren, was sich auch darin manifestiere, dass kaum andere Philosophen, die sich mit den neurologischen Aspekten der Geist-Gehirn-Beziehung beschäftigen, zitiert würden. Auch ein Kapitel zur historischen Entwicklung des Sachbereiches fehle; allerdings steuere William Bechtel in seinem Beitrag einen Teil dazu bei. (In einer Fußnote kritisiert Hatfield außerdem Patricia Churchlands Buch “Neurophilosophy” als “noteworthy for its lack of attention to actual theories in scientific (as opposed to a mythical “folk”) psychology and for its mischaracterization of the theories on memory that it does discuss“.)

Folglich empfiehlt Hatfield das Buch offenbar weniger als Handbuch als vielmehr als Sammelband verschiedener Beiträge zu unterschiedlichen Fragestellungen in diesem Arbeitsgebiet:

The volume is to be commended for collecting chapters that address issues of reduction, intentional eliminativism, enactivism, and the extended mind, as well as several nuts-and-bolts case studies in the practice of neuroscience. Depending on one’s specific interests, there is more or less to find. It is a good starting place especially for those interested in current controversies in the neuroscientific reduction of memory consolidation. (NDPR)

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Sucht und Selbstkontrolle – Patricia Churchland über Entscheidungen

Auf einer Konferenz des Oxford Centre for Neuroethics unter dem Titel “Mechanisms of Self-Control: The lessons from Addiction” referiert Patricia Churchland und diskutiert mit George Ainslie. (Das Embedding des Videos funktioniert leider nicht wie angegeben, aber es kann auf der Webseite angesehen werden.)

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Spiegelneurone – real oder Religion?

In der Debatte um die Existenz von Spiegelneuronen hat es neue interessante Beiträge gegeben.

Eine Studie stellt fest, dass Spiegelneurone in mehreren Bereichen des menschlichen Gehirns vorkommen sollen:
Is this the first ever direct evidence for human mirror neurons?

Demgegenüber ist Greg Hicock der Auffassung, dass die Theorie der Spiegelneurone unfalsifizierbar ist. Er zitiert Patricia Churchland, die in einer Diskussion über dieses Thema gesagt haben soll: “If mirror neurons are all over the brain then don’t they lose their explanatory power? Aren’t we now just back to our old friend, the How Does the Brain Work Problem?”:
Mirror Neurons – The unfalsiable theory

Der Neurocritic greift diese Position auf und führt sie weiter:
Mirror Neurons Join Marilyn Monroe Neurons and Halle Berry Neurons in the Human Hippocampus

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Von der Neuroethik zum Neurorecht?

Bei Vandenhoeck & Ruprecht ist eine Aufsatzsammlung mit dem Titel “Von der Neuroethik zum Neurorecht?” erschienen, herausgegeben von Stephan Schleim, Tade Matthias Spranger und Henrik Walter. Er befasst sich mit den philosophischen, psychologischen und rechtswissenschaftlichen Fragen, die der Fortschritt der modernen Neurowissenschaften aufwirft. Wie sind die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung zu verstehen, und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die genannten Disziplinen? Das Buch enthält elf Beiträge, unter anderem von Dieter Birnbacher, Stephan Schleim, Henrik Walter und Klaus Günther.

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Interview mit Stephan Schleim zum Neuro-Enhancement

Arvid Leyh hat mit dem Philosophen Stephan Schleim ein Videointerview zum Thema Neuro-Enhancement geführt, dessen erster Teil jetzt auf seinem Weblog Braincasts erschienen ist.
Stephan Schleim hat auch eine Webseite zu Neuro-Enhancement.

Braincast 165 – Neuro-Enhancement 1 from Anita Leyh on Vimeo.

Demnächst wird dann wohl der zweite Teil des Videos bei Braincasts erscheinen.

Weitere Philoblog-Beiträge zum Enhancement finden sich hier und hier.

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Zweifel an der Existenz von Spiegelneuronen?

Spiegelneurone sind eine verheißungsvolle Entdeckung – wenn es sie denn wirklich gibt. Derzeit bestehen noch Zweifel:
- All smoke and mirror neurons?
- Can fMRI adaptation demonstrate (or refute) the existence of mirror neurons?

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