Naturphilosophie in der Renaissance

In der Renaissance entstanden verschiedene neue Perspektiven auf die Gegenstände der Naturphilosophie. Auch das dominante aristotelische Weltbild wurde allmählich neu bewertet. Diese Entwicklungen trugen zur Entstehung der modernen Naturwissenschaften bei. Eva Del Soldato hat in der Stanford Encyclopedia of Philosophy einen neuen Artikel zur Naturphilosophie in der Renaissance veröffentlicht.

Klaus Binders Übersetzung von Lukrez unter den Finalisten des Leipziger Buchpreises

Die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse hat die jeweils fünf Finalisten in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung bekanntgegeben. Klaus Binders schon im Feuilleton gelobte Übersetzung von Lukrez’ “Über die Natur der Dinge” ist auch dabei.

Hier ein Interview mit Binder zum Buch bei der FR
Eine Rezension im Kulturradio.
Als Buchtipp im Video von Gert Scobel bei 3sat.
Micha Brumliks Rezension in der taz.

Es ist wahrscheinlich kein Quantendingsbumms

Quantentheorie ist kompliziert, und eine noch optimistische Annahme ist, dass nur die Fachleute sie verstehen. Dennoch muss sie immer häufiger herhalten für die Behauptung verschiedener Ansichten zu Themen von Gesundheit bis Willensfreiheit. David Wallace (Oxford, Philosophy of Physics) warnt jedoch mit Blick auf die Kognitionswissenschaften in seiner Replik “Protecting cognitive science from quantum theory” (in: Behavioral and Brain Sciences 27 (2004), pp. 636-637):

A satisfactory theory of macroscopic ontology must be as independent as possible of the details of microscopic physics.

Philosophie und Physik – Videos der Vorlesungsreihe an der Universität Ulm

Im Wintersemester 2011/2012 fand an der Universität Ulm eine Ringvorlesung zum Thema “Philosophie und Physik – eine Frage der Übersetzbarkeit” statt. Wie für eine Ringvorlesung üblich, wurden verschiedene Referenten eingeladen, die einen Überblick zu einem Aspekt des Themas geben, der auch für Fachfremde geeignet ist. In der Ulmer Ringvorlesung haben zu jedem Thema je ein Physiker und ein Philosoph mit anschließender Diskussion gesprochen. Dabei ging es um Themen wie Ontologie, Erklärung, Kausalität, Raum, Zeit, Verschränkung, Zufall und Information.

Die Videos der einzelnen Vorträge sind hier oder hier abrufbar.

Newtons Apfel, Hawking und die Philosophie

In einem ausführlichen Interview bei The Atlantic beschreibt Tim Maudlin, der zusammen mit Kollegen von Columbia, Yale und NYU das “neue Feld” (siehe dazu hier) der Philosophie der Kosmologie ins Leben gerufen hat, unter anderem worin die besondere Bedeutung von Newton liegt – was exemplarisch ja gern anhand des “Apfel-Ereignisses” veranschaulicht wird. Es sei nicht die Entdeckung der Tatsache, dass auf der Erde Schwerkraft herrsche – das habe natürlich jeder gewusst. “Es ist nicht so, dass er die Schwerkraft tatsächlich entdeckt hat.” Aber seit der Antike habe man in der Astronomie Himmelsobjekte anders behandelt als Objekte auf der Erde. “Dies waren total verschiedene Bereiche … Newton erkannte, dass es eine Kraft geben muss, die den Mond im Orbit um die Erde hält, die ihn hindert, davon zu wandern, und er wusste auch, dass es eine Kraft gibt, die den Apfel runter auf die Erde zieht. Was ihm also plötzlich aufging war, dass dies ein und dieselbe Sache sein könnte, dieselbe Kraft.” Dies sei eine enorm wichtige Entdeckung gewesen, sowohl physikalisch als auch philosophisch, denn zwei bislang getrennte Bereiche wurden nun in ein einheitliches Bild eingefügt.

Zu Hawkings Behauptung, dass die Philosophie tot ist (siehe dazu hier und hier), stellt Maudlin fest, dass Hawking brilliant sei, aber kein Experte für Philosophie. Philosophie der Physik sei seit 30 Jahren nahtlos in die Arbeit an Grundlagenfragen in der Physik integriert. “Tatsächlich ist die Situation das genaue Gegenteil von dem, was er beschreibt. Ich denke, er weiß einfach nicht, wovon er da redet.

Auch zur Feinabstimmung des Universums äußert sich Maudlin. “Keiner der Physiker, mit denen ich rede, möchte sich auf die Feinabstimmungsargumente stützen, um für eine Kosmologie zu argumentieren, die viele Welten hat.” Wenn man das theoretische Ziel der Physik anstrebt, tendiere das Feinabstimmungsproblem dazu, zu verschwinden.

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Templeton Foundation fördert Philosophie der Kosmologie

Die Templeton Foundation möchte die “Etablierung” des “neuen” Feldes des Philosophie der Kosmologie fördern. Simon Saunders, Joe Silk und David Wallace von der Oxford University sowie John Barrow and Jeremy Butterfield von der Cambridge University sollen durch die Förderung die Forschung in diesem Bereich voranbringen. Unter anderem geht es um Selektionswirkungen, wie sie in der Diskussion um das Anthropische Prinzip eine Rolle spielen.

Ganz neu ist dieses Sachgebiet allerdings nicht. Kosmologie ist ja eher ein klassisches Thema der Philosophie und spielt nicht zuletzt in der Gegenwart eine Rolle. Auch die Thesen von John Barrow und Frank Tipler zum Anthropischen Prinzip werden schon seit zwei Jahrzehnten kritisch diskutiert. In Deutschland sind mehrere Philosophen Fachleute auf dem Gebiet der Kosmologie, beispielsweise Bernulf Kanitscheider und Manfred Stöckler.

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