Zu Richard Wagners 200. Geburtstag

Kurzzusammenfassung der Diskussion:
- Es ist möglich, dass ein moralischer Unhold und intellektuelles Leichtgewicht außergewöhnliche Musik komponieren kann.

- Es ist möglich, dass ein Mensch, der verquaste, unausgegorene Weltanschauungen besitzt, ein Meister der emotional-ästhetischen Grunderfahrungen ist.

- Es gibt kein künstlerische Genie, das qua künstlerischer Meisterschaft berufen ist, ethisch-kosmologische Wahrheiten zu verkünden. Nicht zuletzt durch Wagner besteht daran kein Zweifel.

- Wagner war, dem Urteil der Fachleute zufolge, ein exzellenter Tondichter oder Komponist.

Das Musical zu John Rawls: A Theory of Justice

Anfang des Jahres machte die Nachricht die Runde (z.B. beim Blinden Hund), dass es zu John Rawls’ Klassiker “A Theory of Justice” nun ein Musical in Großbritannien gibt. Rebecca Reilly-Cooper, Philosophin an der Universität Oxford, hat nun einen Bericht dazu im Philosopher’s Magazine geschrieben.

Sie ist begeistert davon, dass das Stück sowohl komisch sei als auch philosophische Tiefe habe. So wirft Immanuel Kant auf John Rawls Ausruf “Das ist ja phänomenal!” ein: “Nein, es ist noumenal!” Und Robert Nozick kündigt auf der Bühne an, in einigen Jahren mit einer Oper herauszukommen. (Ob das allerdings eine verdienstvolle Leistung im Sinne des Internetphilosophen Michael Seemann ist, vermag ich nicht zu sagen.)

Das Musical “A Theory of Justice” ist bei Vimeo als On-Demand-Video für 10 Dollar zu sehen.
Hier ist der Trailer dazu:


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Die Principia Mathematica von Russell und Whitehead wurden übrigens auch kürzlich als Musical aufgeführt.

Principia Mathematica als Musical

Am 20. Februar wurde in London das Musical “Principia Mathematica” aufgeführt. Grundlage ist natürlich das berühmte Monumentalwerk von Alfred North Whitehead und Bertrand Russell, dessen dritter und letzter Band vor 100 Jahren veröffentlicht wurde. Die Principia sollten die logischen Grundlagen der Mathematik darlegen, und so ist es erklärlich, dass man sich einige Seiten hindurcharbeiten muss, um bspw. zu dem Ergebnis zu gelangen, dass 1+1=2 ist.

Dieses Werk hat Tyrone Landau nun als Musical in der Conway Hall in London, die offenbar als progressiver Veranstaltungsort der Londoner Kulturszene bekannt ist, zur Aufführung gebracht. Das Werk ist “scored for singers, dancers, musicians and philosophers” – was schon einmal vielversprechend klingt. Wenn es sich bei Tyrone Landau um den Tenor Tyrone Landau handelt, konnte möglicherweise dieser Videomitschnitt einer anderen Veranstaltung in London mit Beteiligung eines Tyrone Landau einen Hinweis darauf geben, wie man sich die musikalisch-tänzerische Darbietung der Principia vorzustellen hat:

Möglicherweise wird die oft belächelte Fähigkeit, seinen Namen zu tanzen, durch diese mathematisch-logische Musik- und Tanzperformance ja rehabilitiert. Meldungen über das Ereignis scheint es jedenfalls so gut wie keine zu geben – außer bei einem Online-Journal für Internationale Konzert-, Opern- und Balletkritiken. Dort heißt es, das Musical sei in 10 Szenen mit Gesang, gesprochenem Wort, Tanz und aufgezeichneter Violine aufgeführt worden. Anklänge von Debussy und Cabaret-Liedern seien vernehmbar gewesen. Das Werk leide aber darunter, Kurt Gödels Antwort auf Russell und Whitehead nicht berücksichtigt zu haben, zumal das Publikum es dann sicher besser verstanden hätte.

Diedrich Diederichsen über Glück

Im kürzlich erschienenen interdisziplinären Handbuch “Glück”, herausgegeben von Dieter Thomä, Christoph Henning und Olivia Mitscherlich-Schönherr, schreibt der Poptheoretiker Diedrich Diederichsen über “Figuren des Glücks in der frühen Pop-Musik“.

Es geht unter anderem um verfehltes Glück, falsches Glück, Glücklosigkeit, Glück unter Bedingungen der Entfremdung / Ausbeutung, Jefferson Airplane, Hippie-Musik, Beatles, Punk und die Kinks.

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Professionell und tough

Intelligent genug? Seriös genug? Erfolgreich genug? Zweifel dieser Art sind wohl nicht allein deutsche Tugenden, sondern globale Kennzeichen des allgemein verbreiteten verkrampften und verkniffenen Wahnsinns.

Wie angenehm ist es da, den Neurowissenschaftler Joseph LeDoux mit seiner Musikcombo “The Amygdaloids” zu sehen, wie hier im neuesten Video “Map of Your Mind”. Professoren auf die Kleinkunstbühne! – das ist meine heutige Empfehlung zur Bildungsreform.

Hayek vs. Keynes Rap, v.2

Anfang des Jahres begeisterte die Webseite EconStories mit dem Hayek-vs.-Keynes-Rap. Der Economist veranstaltete nun am 25. Oktober ein Forum mit Finanzmanagern, Politikern, Bankern und Ökonomie-Nobelpreisträgern, auf dem der Song live aufgeführt wurde. In einer anschließenden Diskussion schilderten die Produzenten und Darsteller ihre Ideen und Pläne. Hier der bericht dazu bei EconStories [via]

Carrie Jenkins – Philosophie im Internet

Als wenn ich nicht schon genug Tabs geöffnet hätte!

Über ein Foto auf Twitpic bin ich auf die Philosophin Carrie Jenkins gestoßen – und bei ihr gibt es so viel im Internet zu sehen, dass ich hier erst einmal nur ein paar Links abladen kann:

Pappmaché-Figur von Rudolf Carnap auf einem Bücherregal

Ihr Youtube-Kanal, auf dem es beispielsweise einen Song über Willard Van Orman Quine und einen übers A priori gibt. Wirklich feine Musik.

Die Webseite der 21st Century Monads, eine Band von Philosophen mit Songtiteln wie “My paper was rejected again” oder “We can’t stop doing metaphysics”

Interaktive Visualisierung von Musik

Jonas Friedemann Heuer hat als Studienprojekt an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd ein Instrument zur Visualisierung von Musik – am Klavier gespielt – entwickelt. Es heißt Clavilux2000 und wurde mit vvvv programmiert. Jede gespielte Note entspricht einem Streifen in der Visualisierung, wobei die Länge des Streifens die Geschwindigkeit und seine Breite die Länge der Note anzeigt. Da die Streifen in der Visualisierung nicht verschwinden, mit der Zeit also akkumulieren, ergibt sich ein interessanter visueller Eindruck des gespielten Stückes. Das Video zeigt diesen fantastischen Effekt.

Clavilux 2000 – Interactive instrument for generative music visualization from Jonas Heuer on Vimeo.

Fotos und ein weiteres Video finden sich auf der Projektseite.

Hayek vs. Keynes – als Rap

Die Seite econstories.tv von John Papola und Russ Roberts will über ökonomisches Denken aufklären. Dort ist jetzt ein Musikvideo erschienen, in dem John Maynard Keynes und F. A. Hayek in Form eines Rap-Songs ihre Ansichten zu Ökonomie und Wirtschaftspolitik zum Besten geben. Der Text ist auf der Seite ebenfalls zu lesen. Das Alles ist ziemlich gut gemacht und auch inhaltlich erstaunlich gut – mit einer Ausnahme, die bei weissgarnix erwähnt wird, die das Video aber auch als “genial” bezeichnen. Dort findet sich in den Kommentaren auch eine deutsche Übersetzung.
Der Song ist bei econstories.tv kostenlos erhältlich.

Update: Jetzt gibt es auch eine neue Version davon.

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“Minima Moralia” als Punk Album

Anti-Anti-Anti-Anti- … ich weiß nicht, wie viele Negationen man dafür verwenden müsste, aber jedenfalls ist es ganz undialektisch amüsant, dass Brian Joseph Davis versucht hat, Theodor Adornos “Minima Moralia” als Punk-EP zu vertonen:

It’s just a bad idea … Greil Marcus … made a glib aside about Marxist theorist Theodore Adorno and his exhiled-in-1940s-America memoir, Minima Moralia. With its bleaker-than-black humour and dismantling of modern life, Marcus said it would have made an excellent punk album. Why not take this pop wish and make it come true?

Zu finden ist diese EP als Download bei UbuWeb, das Cover dazu ist bei Rhizome abgebildet.

Familie Wittgenstein

Alexander Waugh hat eine Biografie der Familie Wittgenstein geschrieben, in der besonders Ludwigs Bruder Paul im Mittelpunkt steht. “The House of Wittgenstein: A Family at War” erscheint am Montag in Großbritannien, und ist für den 24. Februar 2009 in den USA angekündigt. Einen Auszug daraus kann man beim Telegraph lesen.

Es gibt bereits zahlreiche Rezensionen im englischsprachigen Web:
- von Ray Monk bei Standpoint.Online
- die von Kevin Jackson bei TimesOnline erscheint in der morgigen Druckausgabe,
- von Simon Heffer bei Literary Review
- eine von Noel Malcolm und eine weitere von Duncan Fallowell beim Telegraph
- von Susanna Rustin ein Gespräch mit dem Autor im Guardian