Von Nirvana über den Krieg zur Philosophie

Was Leute aus meiner Generation so machen: In der New York Times schreibt Clay Tarver über Jason Everman, der als Gitarist bei den frühen Nirvana einstieg und die legendären 606,17 Dollar für die Aufnahmen zum ersten Album der Band bezahlte. Danach spielte er als Bassist bei Soundgarden, musste die Band aber kurz vor dem ganz großen Durchbruch verlassen. Nach Stationen in einigen weiteren Grunge- und Crossover-Bands ging er schließlich zu den Special Forces mit Einsätzen in Irak und Afghanistan. Nach dem Ende seiner Dienstzeit hat er nun einen Bachelor in Philosophie an der Columbia University in New York erworben, zieht aber einen Job als Bartender einer akademischen Stelle vor.

Dieses Video zeigt den (angeblich) letzten Auftritt von Everman mit Nirvana – der Mann mit dem “Pron”-Shirt, der den ungebetenen Gast am Ende von der Bühne befördert.

Und hier ein Auftritt mit Soundgarden in London 1989 (der Herr am Bass mit der amtlichen Frisur, auf der rechten Seite):

.

.

A Theory of Justice – The Musical: Runde 2

Das Musical “A Theory of Justice”, benannt nach dem gleichnamigen Klassiker von John Rawls, hatte Anfang des Jahres erfolgreich seine Premiere in Oxford (siehe z.B. meinen Bericht hier). Nun singen und tanzen Rawls, Nozick, Platon, Mill und Rousseau vom 31. Juli bis zum 26. August in Edinburgh. Der Eintrittspreis liegt etwa zwischen 8 und 12 Pfund. Soundtrack und Film können auch online bezogen werden (je für 9,99 $).

Ob man in Deutschland auch einmal ein solches philosophisch-musisches Projekt realisieren wird? Habermas’ “Theorie des kommunikativen Handelns” oder Poppers “Offene Gesellschaft und ihre Feinde” beinhalten jedenfalls hinlänglich viel Personal, das in werkgetreuer Dramatik auf die Bühne gebracht werden könnte. Vielleicht ja auch als mehrteilige Kinokassenschlager.

Zu Richard Wagners 200. Geburtstag

Kurzzusammenfassung der Diskussion:
- Es ist möglich, dass ein moralischer Unhold und intellektuelles Leichtgewicht außergewöhnliche Musik komponieren kann.

- Es ist möglich, dass ein Mensch, der verquaste, unausgegorene Weltanschauungen besitzt, ein Meister der emotional-ästhetischen Grunderfahrungen ist.

- Es gibt kein künstlerische Genie, das qua künstlerischer Meisterschaft berufen ist, ethisch-kosmologische Wahrheiten zu verkünden. Nicht zuletzt durch Wagner besteht daran kein Zweifel.

- Wagner war, dem Urteil der Fachleute zufolge, ein exzellenter Tondichter oder Komponist.

Das Musical zu John Rawls: A Theory of Justice

Anfang des Jahres machte die Nachricht die Runde (z.B. beim Blinden Hund), dass es zu John Rawls’ Klassiker “A Theory of Justice” nun ein Musical in Großbritannien gibt. Rebecca Reilly-Cooper, Philosophin an der Universität Oxford, hat nun einen Bericht dazu im Philosopher’s Magazine geschrieben.

Sie ist begeistert davon, dass das Stück sowohl komisch sei als auch philosophische Tiefe habe. So wirft Immanuel Kant auf John Rawls Ausruf “Das ist ja phänomenal!” ein: “Nein, es ist noumenal!” Und Robert Nozick kündigt auf der Bühne an, in einigen Jahren mit einer Oper herauszukommen. (Ob das allerdings eine verdienstvolle Leistung im Sinne des Internetphilosophen Michael Seemann ist, vermag ich nicht zu sagen.)

Das Musical “A Theory of Justice” ist bei Vimeo als On-Demand-Video für 10 Dollar zu sehen.
Hier ist der Trailer dazu:


.

Die Principia Mathematica von Russell und Whitehead wurden übrigens auch kürzlich als Musical aufgeführt.

Principia Mathematica als Musical

Am 20. Februar wurde in London das Musical “Principia Mathematica” aufgeführt. Grundlage ist natürlich das berühmte Monumentalwerk von Alfred North Whitehead und Bertrand Russell, dessen dritter und letzter Band vor 100 Jahren veröffentlicht wurde. Die Principia sollten die logischen Grundlagen der Mathematik darlegen, und so ist es erklärlich, dass man sich einige Seiten hindurcharbeiten muss, um bspw. zu dem Ergebnis zu gelangen, dass 1+1=2 ist.

Dieses Werk hat Tyrone Landau nun als Musical in der Conway Hall in London, die offenbar als progressiver Veranstaltungsort der Londoner Kulturszene bekannt ist, zur Aufführung gebracht. Das Werk ist “scored for singers, dancers, musicians and philosophers” – was schon einmal vielversprechend klingt. Wenn es sich bei Tyrone Landau um den Tenor Tyrone Landau handelt, konnte möglicherweise dieser Videomitschnitt einer anderen Veranstaltung in London mit Beteiligung eines Tyrone Landau einen Hinweis darauf geben, wie man sich die musikalisch-tänzerische Darbietung der Principia vorzustellen hat:

Möglicherweise wird die oft belächelte Fähigkeit, seinen Namen zu tanzen, durch diese mathematisch-logische Musik- und Tanzperformance ja rehabilitiert. Meldungen über das Ereignis scheint es jedenfalls so gut wie keine zu geben – außer bei einem Online-Journal für Internationale Konzert-, Opern- und Balletkritiken. Dort heißt es, das Musical sei in 10 Szenen mit Gesang, gesprochenem Wort, Tanz und aufgezeichneter Violine aufgeführt worden. Anklänge von Debussy und Cabaret-Liedern seien vernehmbar gewesen. Das Werk leide aber darunter, Kurt Gödels Antwort auf Russell und Whitehead nicht berücksichtigt zu haben, zumal das Publikum es dann sicher besser verstanden hätte.