Steven Pinker antwortet seinen Kritikern

Steven Pinkers Buch “The Better Angels of Our Nature: A History of Violence and Humanity” (deutsch als “Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit” erschienen) hat einige Aufmerksamkeit bekommen. Er vertritt darin die These, dass die Gewalt in der Geschichte der Zivilisationen zurückgegangen sei.

In der Zeitschrift “Sociology” antwortet er jetzt auf einige kritische Rezensionen. Die Antwort bietet er als PDF auf seiner Webseite (PDF) an. Unter anderem nimmt er Stellung zu dem Vorwurf, er habe Foucault nicht berücksichtigt: trotz Foucaults guruartigem Status halte er dessen Theorie für exzentrisch und schlecht argumentiert.

Angesichts der Ereignisse in den letzten zwei Jahren seit Erscheinen seines Buches beschäftigt sich Pinker auch mit der Frage, ob die Gewalt wieder zunimmt (ebenfalls als PDF auf seiner Seite).

John Gray, der sich in den letzten Jahren offenbar in seiner Rolle als Polemiker gefällt, hat sich leidenschaftlich in mehreren Artikeln auf Pinkers Thesen eingeschossen: schon 2011 bezeichnete er sie als “Nonsense” (Grays Argumente nimmt wiederum Steve Clarke im “Practical Ethics”-Blog der Universität Oxford unter die Lupe) und erst vor einer Woche legte Gray im Guardian wieder nach: Pinkers These sei Wunschdenken.

.

Die schlimmsten Philosophen

Nun ist es amtlich. Der blinde Hund hatte auf eine Umfrage unter Experten hingewiesen, die wissen wollte, welcher Philosoph den schädlichsten Einfluss gehabt hat (wobei laut Ausschreibungstext “Scharlatane wie Derrida” erst gar keine Berücksichtigung fanden). Das amtliche Endergebnis lautet nun:

Die drei schlimmsten Philosophen
1. Heidegger
2. Hegel
3. Foucault

Ok, das war zu erwarten. Und es muss stimmen, denn es war eine Abstimmung im Internet. Da lässt sich nicht dran rütteln.

Auf Platz 4 und 5 tauchen dann schon Wittgenstein und Adorno auf, die beiden gut gelaunten Unterhaltungskünstler. So kommt man eben nicht auf die vorderen Plätze.

Martha Nussbaum über Wut

Vor einigen Tagen hat Martha Nussbaum in Chicago für Studierende einen einführenden Vortrag über Wut gehalten. Wie sie selbst zu Beginn der Aufzeichnung sagt, handelt es sich um Überlegungen, die in Vorbereitung “einer Vortragsreihe” entstanden – offenbar wohl ihrer John Locke Lectures in Oxford (die nun auch seit einigen Tagen auf der Webseite in Oxford angekündigt werden). Die Locke Lectures tragen den Titel “Anger and Forgiveness”.

In ihrem Chicagoer Vortrag argumentiert Nussbaum, dass Wut aus normativer Sicht eine schädliche Emotion ist. Sie bespricht Beispiele von Gandhi, Martin Luther King und Nelson Mandela. In der abschließenden Diskussion macht sie auch kritische Bemerkungen zu Foucault (etwa ab 56:15min).


Direktlink

Raymond Boudon gestorben

Der französische Soziologe und Philosoph Raymond Boudon ist am 10. April 2013 verstorben.

Raymond Boudon ist insbesondere durch seine Arbeiten zur Methodologie der Sozialwissenschaften, zur Kritik der Rational Choice Theory, Ideologiekritik, zu soziologischen Klassikern, zur Rationalität und zur Demokratie bekannt. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht – darunter in seinen letzten Lebensjahren engagierte Beiträge zu öffentlichen Debatten. Einen Überblick gibt der französische Wikipedia-Artikel zu Boudon.

Kurze englische Nachrufe finden sich beim Blog “Oxford Sociology” und auf der Seite des Oxforder Nuffield College.

Einen interessanten Aufsatz, in dem Boudon die Frage diskutiert, ob die Soziologie Wissenschaft oder Literatur sei, findet man hier: Sociology that really matters.

In den französischen Medien findet Boudon nicht ein so großes Echo wie seine Kontrahenten Bourdieu oder Foucault. (Boudon hat es bedauert, dass es in der akademischen Landschaft der französischen Geistes- und Sozialwissenschaften keine Debatte zwischen gegensätzlichen Schulen gegeben habe.) Dennoch ergibt die Suche einige Ergebnisse zu Nachrufen in französischer Sprache (einen deutschen Nachruf habe ich nicht gefunden).
Der Figaro hat hier, hier und hier jeweils einen Nachruf.

Bei Contrepoints wurden vier Nachrufe veröffentlicht: hier, hier, hier und hier.

“Enquete & Debat” bringt einen Nachruf in Form einer Kurzdarstellung von Boudons Buch “L’art de se persuader”.

Einen englischen Nachruf bringt das Blog des French Economic Observatory.