Sandel am 17.10. in Berlin

An der Freien Universität Berlin hält Michael Sandel am 17.10.2013 einen Vortrag mit dem Titel “What money can’t buy”. Dies ist auch der Titel seines jüngsten Buches, dass auf deutsch “Was man für Geld nicht kaufen kann” heißt.
Hier die Ankündigung der FU.

Zeit und Ort: 17.10.2013, 18:15, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin, Hörsaal 1a

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E-Learning wirft massive Probleme auf

Michael Sandel hat in den letzten Jahren einige Vorträge und Kurse gehalten, die mit großem Erfolg im Internet als Videos frei zugänglich gemacht wurden (siehe diesen älteren Philoblog-Artikel).

Nun hat ein Kurs von Sandel, der als MOOC an Universitäten angeboten werden soll, zu massiver Kritik geführt, die die problematischen Aspekte des e-Learnings beleuchtet.

Das militaristisch anmutende Akronym MOOC steht für Massive Open Online Course. Das sind meist auf Video aufgzeichnete Vorlesungen, die online bereitgestellt werden. Das MIT und die Harvard University haben jeweils 30 Millionen Dollar in die Gründung der MOOC-Plattform edX gesteckt. Dort wird auch die Online-Vorlesung von Sandel vertrieben.

Das Philosophy Department der San Jose State University hat nun einen offenen Brief an Michael Sandel geschrieben, in dem die Professoren darlegen, warum sie das Ansinnen, dieses Online-Material in ihre Ausbildungstruktur aufzunehmen, ablehnen. Der Brief ist im Chronicle of Higher Education nachzulesen.

Es gäbe keine pädagogische Lücke, die das edX-Angebot schließen würde, argumentieren sie. Solche Online-Kurse stellten eine Einbuße an Qualität der Bildung und einen Fall von sozialer Ungerechtigkeit dar. Man bewundere zwar Sandels Fähigkeit, engagiert vor großem Publikum vorzutragen, aber das sei eher ein Beleg dafür, wie gut und wichtig es sei, dass ein Lehrer direkt mit den Studierenden interagiere, als dass Studierende Videos eines anderen Lehrers ansähen, in dem dieser mit seinen Studenten kommuniziere.

Dieser Brief hat in englischsprachigen Philosophieblogs viel Rückhalt gefunden. So weit ich sehe, schließen sich die meisten der Kommentatoren der Kritik an. Es wird bemängelt, dass MOOCs Konsequenzen hätten, die den Zielen der Bildung widersprächen. Außerdem sieht man diesen Fall in einem größeren Zusammenhang, in dem Aufgaben der Bildung immer mehr Unternehmen überantwortet werden. Deren industrielle Interessen prägten dann die Bildung.

Michael Sandel hat auf den Brief seiner Kollegen geantwortet. Er stimmt zu, dass der direkte Kontakt zwischen Studierenden und Lehrenden von herausragender Bedeutung sei, insbesondere in den Geisteswissenschaften. Von den Modalitäten zwischen edX und der San Jose State University wisse er kaum etwas. “My goal is simply to make an educational resource freely available–a resource that faculty colleagues should be free to use in whole or in part, or not at all, as they see fit.” Dass der massive Einsatz von Online-Kursen Institute an staatlichen Universitäten schädigen könne, sei eine legitime Besorgnis. Das Letzte, was er wolle, sei, dass die Kurse dazu verwendet würden, die Position seiner Kollegen zu untergraben.

Dieser Fall ist auch deshalb besonders interessant, weil Sandel a) ein engagierter Kritiker des Vordringens der Marktwerte in alle Lebensbereiche ist, und er sich b) gerade deshalb viel davon erhofft, dass moralische Probleme wieder demokratisch in der Öffentlichkeit diskutiert werden.

Einen Bericht dazu von Alva Noe gibt es auch bei NPR. Diskussionen finden sich beispielsweise hier und hier im New-APPS-Blog.

Hier der berühmte “Justice”-Kurs von Sandel in Harvard:

Sandels TEDTalk aus dem Jahr 2010 findet man hier. Und hier ein Ausschnitt aus einer globalen Videokonferenz mit Sandel und Zuhöreren aus Tokyo, Shanghai und Harvard.

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Scanlon gegen Libertarianismus

In einem ausführlichen Interview beim Utopian erfährt man Interessantes von Thomas Scanlon. Vorrangig geht es um seine Biografie und seine Philosophie. Auch über John Rawls erzählt er einiges Interessantes. Und er berichtet von der privaten Diskussionsgruppe, an der er bis in die 1990er teilnahm, zusammen mit Thomas Nagel, Ronald Dworkin, Robert Nozick, Judy Thompson, Michael Sandel, Christine Korsgaard und anderen.

Darüberhinaus enthalten gute Interviews auch gerne bemerkenswerte Details. Wie zum Beispiel diese beiden:

– Scanlon sagt seinen Studenten, sie sollten versuchen, sich nicht mit einer Position zu identifizieren, um ärgerliche Gegner zu schlagen, sondern die Plausibilität der anderen Position zu verstehen.

– Er ärgert sich über den Libertarianismus: “Yes, I certainly disagree with libertarianism, and it distresses me that it gets so much credibility.” Und man kann nicht sagen, er hätte sich nicht damit auseinandergesetzt (s. vorige Empfehlung).

Die enorme Popularität Michael Sandels in Asien

China Newsweek hat Michael Sandel als “die einflussreichste ausländische Person” des Jahres in China bezeichnet, wie die Harvard Gazette oder auch die New York Times berichten.

Sandels Popularität verdankt sich offenbar seinem regelmäßig abgehaltenen Harvard-Kurs “Justice”, den mittlerweile über 15.000 Studenten absolviert haben sollen und der laut Wikipedia mit 1115 Zuhörerinnen im Jahr 2007 der größte jemals durchgeführte Kurs in Harvard gewesen sein soll. Sandels erfolgreicher Kurs wurde auf Video aufgezeichnet, im öffentlichen Fernsehen ausgestrahlt und wird als Videoserie von der Universität Harvard auf einer eigenen Webseite präsentiert (alternativ die zugehörige Playlist des Harvard-YouTube-Kanals).

Sandel hat ein Buch zu dieser Veranstaltung veröffentlicht – “Justice: What’s the Right Thing to Do?“, das allein in Ostasien über eine Million mal verkauft wurde. In Japan ist Sandel nämlich eine Art Rockstar, nachdem das japanische Fernsehen NHK die Aufzeichnungen von Sandels Kurs übersetzt und ausgestrahlt hat. Das Buch dazu kletterte auf Platz 1 der ausländischen Veröffentlichungen bei Amazon Japan. Die japanischen Sendungen wurden wiederum chinesisch untertitelt und auf chinesischen Webseiten veröffentlicht, wo sie Millionen von Aufrufen haben sollen. Michael Sandel hat danach eine erfolgreiche Lesetour durch Japan unternommen sowie Vorlesungen in China gehalten.

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