Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht?

Die derzeitigen öffentlichen Debatten über die Diagnose psychologischer Zustände und über Eingriffe in Persönlichkeitsrechte sind befremdlich. Wenn der öffentliche Diskurs sich zum Experten beispielsweise von Depressionen macht so ist das kein Fortschritt, da es – wie man ja täglich in dieser Debatte sieht – ganz erheblich an Differenzierungen fehlt.

Um das Problem undifferenzierter “Expertenmeinungen” anhand eines Apektes zu pointieren, könnte man beispielsweise auf andere “Risikoberufe” hinweisen, wo man ebenfalls kein kriminelles oder gefährliches psychopathologisches Verhalten erleben möchte – bei Ärzten, Lehrern, Busfahrern, Gemüsehändlern, Bäckern, Administratoren, Programmierern, Köchen, Erziehern, Dönerverkäufern, Polizisten usw. – will man da auch die ärztliche Schweigepflicht lockern?

Die Diagnose psychologischer Erkrankungen ist bei Medizinern wohl besser aufgehoben als bei Medien und Meinungsumfragen.
Und dass eine Änderung der ärztlichen Schweigepflicht die Sicherheit im Effekt beeinträchtigt, befürchtet u.a. Udo Vetter:

Susan B. Levin über Platons Rivalität zur Medizin

Susan B. Levin hat letztes Jahr bei Oxford University Press ihr Buch “Plato’s Rivalry with Medicine: A Struggle and Its Dissolution” veröffentlicht, das Alex Long nun bei NDPR rezensiert.

Levin untersucht die Hypothese, dass Philosophie und Medizin bei Platon in einer antagonistischen Beziehung stehen. Eine solche Konkurrenz zwischen Philosophie und Medizin oder anderen Disziplinen ist eine denkbare Möglichkeit. Ich habe aber den Eindruck, dass dies bei Platon gerade nicht der Fall ist. Dazu ist auch schon Einiges geschrieben worden, nicht zuletzt von Werner Jaeger. Insofern dürfte es interessant sein, zu lesen, was Levin zur Stützung ihrer Hypothese sagt. Alex Long ist jedenfalls nicht überzeugt, sondern sieht vielmehr ein wechselseitiges Informationsverhältnis zwischen Philosophie und Medizin bei Platon.

Bücher zur Geschichte der Medizin

Es gibt zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte der Medizin, die unterschiedliche Facetten beleuchten oder einen Überblick geben.

Hier eine Auswahl einiger interessanter Bücher zur Geschichte der Medizin:

Wolfgang Uwe Eckerts “Geschichte der Medizin. Fakten, Konzepte, Handlungen” ist mittlerweile in sechster, neu bearbeiteter Auflage bei Springer erschienen. Es gibt auf 370 Seiten einen Überblick von der europäischen Antike bis zum Ende des 20. Jahrhunderts und enthält auch historische Abbildungen. Außerdem werden Themen und Konflikte der Medizinethik dargestellt.

William Bynum ist einer der britischen Experten der Medizingeschichte. Zusammen mit Helen Bynum hat er einen prächtigen Band zur Medizingeschichte herausgegeben, der 70 wichtige Entdeckungen in Text und Bild darstellt: “Die großen Entdeckungen in der Medizin“. Die Abbildungen zeigen beispielsweise faszinierende Zeichnungen der Renaissance oder moderne Computergrafiken. Erschienen ist das Buch bei Dumont.

Bei Reclam ist von William Bynum die Einführung “Geschichte der Medizin” erschienen. Auf 240 Seiten werden zentrale Entwicklung der europäischen Medizin, von den Hippokratischen Schriften bis heute, dargestellt.

Karl-Heinz Leven hat bei Beck das erste Lexikon zur Antiken Medizin herausgegeben: “Antike Medizin: Ein Lexikon“. In über 1000 Artikeln schildern über 80 Fachleute Konzepte und Verfahren der antiken Medizin, ergänzt um Quellenangaben und Sekundärliteratur.

Eine kurze Einführung in die Geschichte der Medizin hat Leven bei Beck unter dem Titel “Geschichte der Medizin: Von der Antike bis zur Gegenwart” veröffentlicht. Auf 127 Seiten liegt der Schwerpunkt auf der Medizin der Antike , aber auch Fragen der Medizinethik werden angesprochen.

Eine Auswahl Hippokratischer Schriften hat Hans Diller bei Reclam vorgelegt. Die Textsammlung umfasst 350 Seiten und trägt den Titel “Hippokrates. Ausgewählte Schriften“.

Ausgewählte medizinische Texte der Griechen und Römer haben Jutta Kollesch und Diethard Nickel zusammengetragen und bei Reclam veröffentlicht. Die Sammlung “Antike Heilkunst: Ausgewählte Texte aus den medizinischen Schriften der Griechen und Römer” ist informativ, teils aber auch – von den Herausgebern beabsichtigt – amüsant.