Zweifelhafte Meldungen in Medien

Wer sich regelmäßig am Zeitungsstand oder bei Google News einen Überblick über die Meldungen verschafft, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich das Niveau nicht wesentlich von Internetmedien unterscheidet – es geht um Sensationen, Schlagzeilen, Empörungswellen. Darin unterscheiden sich Blätter mit vermeintlich “kleinen Buchstaben” nicht von solchen mit großen. In der NZZ kritisiert Walter Krämer den “groben Unfug”, den Medien und Zeitungsredaktionen mit Statistiken anstellen. Die “Unstatistik des Monats” kürt regelmäßig schlecht konstruierte Behauptungen, die uns in den Medien oder im Internet begegnen.

K-Team gegen R-Team über die europäische Sparpolitik

Vor einigen Tagen hatte ich darüber berichtet, dass der Ökonom Paul Krugman die europäische Sparpolitik für verfehlt hält, und dass er zwei besonders einflussreiche ökonomische Papiere, die von Verfechtern der Sparpolitik häufig als Rechtfertigung herangezogen werden, als nachweislich falsch kritisiert.

Die Autoren des bekannteren dieser Papiere, die Harvard-Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff, werfen Krugman nun grob unziviles Verhalten vor (s. z.B. den Bericht auf Politico). Die Medien möchten natürlich gerne auf diese Fehde aufspringen, doch Krugman hat sich schon explizit mit dem Hinweis an die Journalisten gerichtet, wer noch halbwegs klar denken könne würde auch wissen, dass eine vermeintliche persönliche Fehde irrelevant sei – im Gegensatz zur tatsächlichen Politik. Auch der rhetorische Versuch, ihn als naiven Hippie dastehen zu lassen, trage nichts zur Sache bei.

Brad DeLong stellt sich auf die Seite von Krugman und hält 7 Punkte fest, von denen nur einer zwischen den beiden “Teams” umstritten sei – und natürlich die im Zentrum der Kritik stehende “90 % These”. Was daraus nun konkret für die europäische Finanzpolitik zu folgern ist, darauf hat Krugman gestern versucht sich einen Reim zu machen.

Markus Diem hat einen guten Überblick über diese Debatte im Tagesanzeiger veröffentlicht.