Posts Tagged Martha Nussbaum
Rezension zu Martha Nussbaums “Creating Capabilities”
Posted by Björn in Ethik, Moralphilosophie, Politische Philosophie, Sozialphilosophie on 2011/09/02
Ingrid Robeyns rezensiert auf Crooked Timber ausführlich Martha Nussbaums Buch “Creating Capabilities“. Das Buch sei eine gelunge Einführung in den Capabilties Approach. Als solche könne es aber nicht umfassend auf alle Details eingehen, wie beispielsweise Fragen der ökonomischen Messung. Schließlich geht Robeyns, die den Eintrag zum Thema bei der SEP geschrieben hat, zu einer Kritik von Nussbaums Capabilties Approach über – ihre Voraussetzungen unterstellten einen Konsens, der nicht existiert. Man könne sich auch eine paternalistischere Version des Capabilities Approach denken, wie Nussbaum ihn ablehnt. Wie ist diese Kritik einzuordnen? Ich denke, aus Nussbaums Sicht würde man einen solchen Ansatz … eben … ablehnen.
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BBC-Interview mit Martha Nussbaum
Posted by Björn in Ethik, Moralphilosophie, Politische Philosophie, Sozialphilosophie on 2011/08/04
In der Sendereihe “Thinking Allowed” der BBC wurde ein Interview mit Martha Nussbaum veröffentlicht. Sie spricht über ihren Fähigkeitenansatz (capabilities approach) im Vergleich zum Konzept des Bruttosozialproduktes. Das Interview kann als MP3-Datei heruntergeladen (Direktlink) werden.
Ehrendoktorwürde für Martha Nussbaum in Bielefeld
Posted by Björn in Akademisches, Leute, Politische Philosophie, Sozialphilosophie on 2011/06/19
Martha Nussbaum erhält am 27. Juni an der Universität Bielefeld die Ehrendoktorwürde für ihre Verdienste um die Entwicklung des Capabilities-Approach (Fähigkeiten-Ansatz). Die Laudatio hält Micha Brumlik.
Den Fähigkeiten-Ansatz hat Nussbaum zusammen mit dem Ökonomen und Nobelpreisträger Amartya Sen entwickelt. Er wird in zahlreichen internationalen und nationalen Projekten zur Entwicklungspolitik oder auch der Bildungspolitik eingesetzt. Details dazu findet man in ihrem Buch “Gerechtigkeit oder Das gute Leben.”
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Martha Nussbaum über die Vervollkommnung menschlicher Fähigkeiten im Liberalismus
Posted by Björn in Liberalismus, Politische Philosophie on 2011/04/11
In der neuen Ausgabe von “Philosophy & Public Affairs” (vol. 39, no. 1, 2011) ist ein Aufsatz von Martha Nussbaum mit dem Titel “Perfectionist Liberalism and Political Liberalism” erschienen (kostenlose Registrierung erforderlich). Einen Auszug davon gibt es bei Political Theory, wo auch auf diese frühe Fassung von Nussbaums Artikel hingewiesen wird.
Perfektionistische Ethiken für den Liberalismus sind von vielen Autoren, etwa John Stuart Mill (in Anschluss an Wilhelm von Humboldt), Isaiah Berlin, John Rawls, Joseph Raz oder Charles Larmore, vorgeschlagen oder diskutiert worden. Sie vertreten eine umfassende Auffassung des menschlichen Lebens nicht nur für den politischen Bereich, sondern für das menschliche Verhalten generell. Nussbaum favorisiert gegen Joseph Raz eine Form des “Politischen Liberalismus”, wie er auch von Charles Larmore und John Rawls vorgestellt wurde. Andererseits haben Raz und Susan Moller Okin gegen Rawls darauf hingewiesen, dass es auch erforderlich sei, fundamentalistisch-religiöse, rassistische oder sexistische Auffassungen in der Gesellschaft loszuwerden. Deshalb wünscht sich Nussbaum, dass die Debatte zwischen politischem und umfassendem Liberalismus weitergehe.
Fähigkeiten schaffen – Martha Nussbaums neues Buch
Posted by Björn in Uncategorized on 2011/03/09
Bei Harvard University Press erscheint Martha Nussbaums neues Buch “Creating Capabilities: The Human Development Approach” (Amazon-Link).
Die Lebensqualität nur am Bruttoinlandsprodukt eines Landes zu messen hält Martha Nussbaum seit langem schon für fragwürdig, weil dadurch die wichtigsten und grundlegendsten Bedürfnisse der Menschen nicht in den Blick geraten. Zusammen mit Armatya Sen hat sie den Fähigkeitenansatz entwickelt, den sie in ihrem neuen Buch erneut vorstellt, aber auch durch neues Material bekräftigen will.
Anfang März sprach sie an ihrer Heimatuniversität in Chicago über dieses Buch. Die Audiodatei dazu ist hier verfügbar.
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Für eine Kultur respektvoller Debatten – Martha Nussbaum
Posted by Björn in Argumentation, Erziehung, Rationalität on 2011/03/03
Martha Nussbaums Buch “Not for Profit” über die Relevanz der Geisteswissenschaften wird in Großbritannien und den USA viel diskutiert. Völlig zu Recht weist sie darauf hin, dass es sich um ein weltweites Problem handelt.
Ende letzten Jahres wurde im Blog “In Socrates’ Wake” in mehreren Beiträgen über “Not for Profit” diskutiert, und am 8. November 2010 antwortete Martha Nussbaum auf die Diskussion. Sie wies auf einige positive Aspekte des amerikanischen Systems hin, die es in dieser Form in Deutschland nicht oder nur ansatzweise gibt.
Außerdem diskutiert sie die Verantwortung der Geisteswissenschaft – und dieser Teil scheint mir in Manchem übertragbar auf die Situation in Deutschland, aber auch von ganz eigener Wichtigkeit zu sein.
Sie hält in den akademischen Disziplinen einen Respekt für ernsthafte Argumente ebenso für erforderlich wie das Ideal, dass widerstreitende Positionen mit Respekt und verständnisvoll untersucht werden müssen. Beides vermisst sie insbesondere in den Literaturwissenschaften (“literature departments”). Sie diskutiert dann einige amerikanische Besonderheiten, und streicht dann noch einmal die Bedeutung des “respektvollen Argumentierens” für die demokratische Kultur heraus.
Sowohl, was ihre Einschätzung dieser Wichtigkeit, als auch was die typischen Symptome des Ignorierens dieses Werts angeht, stimme ich ihr zu. Hiesige Debatten, etwa in der Politik oder im Internet, lassen in ganz erstaunlichem Maß die Fähigkeit und Bereitschaft vermissen, Themen sachgerecht darzustellen und alternative Positionen angemessenen zu diskutieren. Stattdessen werden die eher üblichen, ohnehin schon unverzeihlichen rhetorischen Fouls nicht selten von mehr oder weniger verschleierten ad-hominem-Attacken gekrönt.
Tatsächlich haben die Geisteswissenschaften die Aufgabe, den Studierenden die Fähigkeit zu intellektuellem Respekt beizubringen, und tatsächlich ist es erforderlich, diese Fähigkeit möglichst weit zu verbreiten. Destruktive Machtkämpfe in Debatten sind psychologisch und kulturell krank.
In Martha Nussbaums Worten: “I so often see opposing positions demonized and not engaged with seriously, and I think this is a grave failing of our culture.” Erforderlich ist “a way of putting forward one’s own position (by persuasive argument) that is not insulting but deeply respectful.”
Anthropologie des Altruismus
Posted by Björn in Biologie, Emotionen, Ethik, Moralphilosophie, Naturwissenschaft, Psychologie, rezensionen, Sozialphilosophie, Soziobiologie on 2011/02/26
Das amerikanische National Humanities Center hat 2007 unter der Leitung von Martha Nussbaum die Konferenz “Autonomy, Singularity, Creativity” abgehalten. Eingeladen waren unter anderem der Verhaltensforscher Frans de Waal und der Sozialpsychologe Daniel Batson. de Waal hat viel über Empathie bei Primaten und Menschen veröffentlicht, bspw. in “The Age of Empathy” (Amazon-Link). Batson hat sich dreißig Jahre mit Altruismus beschäftigt – sein neuestes Buch “Altruism In Humans” (Amazon-Link) wird regelmäßig von Martha Nussbaum empfohlen (eine ausführliche Rezension gibt es hier.)
Die Vorträge von de Waal und Batson auf dieser Konferenz sind in diesem Google-Video zu sehen (Direktlink).
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Nussbaum-Interview: Aufklärung im 21. Jahrhundert
Posted by Björn in Akademisches, Erziehung, Ethik, Kulturphilosophie, Moralphilosophie, Philosophie allgemein, Philosophiegeschichte, Politische Philosophie, Psychologie on 2011/02/16
Die RSA hat in der letzten Zeit Videos einiger Vorträge veröffentlicht, die im Netz viel Aufmerksamkeit fanden. Vor zwei Monaten war Martha Nussbaum eingeladen, über Aufklärung im 21. Jahrhundert zu sprechen. In den USA und Großbritannien ist ihr kürzlich erschienenes Buch “Not for Profit: Why Democracy Needs the Humanities” viel diskutiert worden, weil die Relevanz der Geisteswissenschaften in der politischen Agenda in Frage gestellt wird.
Im Video legt Martha Nussbaum einige ihrer Positionen zu Fragen der Moral und Politik in kurzer, anschaulicher Form dar. Es kann hier heruntergeladen werden (hier nur Audio).
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Martha Nussbaum parle en français de son oeuvre
Bei France Culture gibt es ein auf Französisch geführtes Gespräch mit Martha Nussbaum, das am 25.10.2010 veröffentlicht wurde. [via]
Martha Nussbaum hält Ratzingers Äußerung zum Relativismus für falsch
Posted by Björn in Philosophie allgemein, Philosophiegeschichte, Rationalität, Religion on 2010/11/06
Anlässlich des Erscheinens der italienischen Übersetzung von Martha Nussbaums Buch “Upheavals of thought” (Affiliate-Link) führte Vera Fisogni ein Interview mit der Philosophin Martha Nussbaum (hier abrufbar).
Darin wird auch Ratzingers Kritik des “westlichen Rationalismus” als angebliche Ursache des Relativismus angesprochen. Nussbaum erwidert, dass sie Ratzingers Diagnose für falsch hält.
Fisogni: “The origin of ethical relativism, according to the Pope Ratzinger, belongs to the development of modern Western thought. …”
Nussbaum: “I don’t think he is correct about relativism; it has many origins in many different ethical traditions. And I don’t think that the Western philosophical tradition has typically separated rationality from emotion. … it would be wrong to call Hume a relativist, and just as wrong to call William James a relativist. So I don’t see any interesting connection between these two issues.”
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Ekel und Menschlichkeit in der Politik – ein Interview mit Martha Nussbaum
Posted by Björn in Emotionen, Ethik, Moralphilosophie, Politik, Politische Philosophie, Rechte on 2010/03/04
Bei The Nation ist ein Interview mit Martha Nussbaum über ihr neues Buch “From Disgust to Humanity: Sexual Orientation and Constitutional Law” erschienen. Darin geht es darum, dass Aversionen gegen Fremdartiges nicht als moralische Rechtfertigung politischer Regelungen taugen.
“I don’t think any emotion should be trusted on its own without being constantly in dialogue with moral principles. At every point, whether it’s anger or fear or any emotion–even compassion, which can, of course, lead you to favor your family against other people–you should always be asking, Is this consistent with the idea of a society of people who are free and equal?“.
Vor diesem Hintergrund seien Argumente gegen homosexuelle Ehen nicht haltbar, weil inkonsistent. “We don’t think that heterosexuals who are flaky, silly or awful, Britney Spears marrying on a whim and then divorcing almost immediately, we don’t think that that taints the institution of heterosexual marriage.“.
Nussbaum plädiert für eine Politik der Menschlichkeit, die auf der Fähigkeit beruht, andere Personen als uns ähnlich wahrzunehmen und sie zu respektieren. Unterschiedliche sexuelle Orientierungen rechtfertigen keine unterschiedliche Behandlung vor dem Gesetz. John Stuart Mill hat besonders sorgfältig die Frage gesellschaftlicher Regulierung privaten Verhaltens untersucht – daran möchte Nussbaum anknüpfen und hofft, dass seine Einsichten sich in diesen Fragen weiter verbreiten.
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