Posts Tagged Ludwig Wittgenstein
Michael Dummett (1925-2011)
Posted by Björn in Analytische Philosophie, Leute, Logik, Philosophie allgemein, Philosophiegeschichte on 2012/01/02
Der britische Philosoph Michael Dummett ist am 27. Dezember 2011 gestorben.
Dummett ist unter anderem als Interpret von Gottlob Frege und Ludwig Wittgenstein bekannt. In seinem Buch “Ursprünge der analytischen Philosophie” zeigt er, dass zu den Vorreitern der Analytischen Philosophie Brentano, Frege und Husserl gehören. Gegen den Realismus, für den Wahrheit durch einen Zustand in der “wirklichen Welt” verbürgt wird, hat Dummett im Anschluss an Wittgenstein einen Anti-Realismus vertreten.
Zuletzt hat er “The Nature and Future of Philosophy” veröffentlicht, worin er für eine Überwindung der Gräben zwischen unterschiedlichen philosophischen Denkschulen plädiert.
Dummett hat sich politisch aktiv gegen Rassismus engagiert. Während des Zweiten Weltkrieges trat er zum katholischen Glauben über und hat später gelegentlich die katholische Orthodoxie verteidigt.
Nachrufe auf Dummett gibt es beim Guardian und beim Telegraph. (Update: Der blinde Hund hat auf die Nachrufe und Erinnerungen von Hilary Putnam, Crispin Wright und vielen anderen im Opinionator-Blog der New York Times hingewiesen.)
Biografische Notizen gibt es bei den Gifford-Lectures und bei Wikipedia (englisch und deutsch)
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Jürgen Habermas über die Bedeutung der emigrierten jüdischen Philosophen für die Bundesrepublik
Posted by Björn in Akademisches, Analytische Philosophie, Geschichte, Philosophie allgemein, Philosophiegeschichte, Soziologie on 2011/07/02
Auf der Tagung “Jüdische Stimmen im Diskurs der sechziger Jahre” hat Jürgen Habermas einen Vortrag gehalten, der bei der NZZ unter dem Titel “Grossherzige Remigranten. Über jüdische Philosophen in der frühen Bundesrepublik. Eine persönliche Erinnerung” zu lesen ist.
Habermas berichtet von der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nur langsam einsetzenden Rezeption deutscher jüdischer Emigranten, die auch nur teilweise und mit größeren Abständen an die deutschen Universitäten zurückkehrten. Das Emigrantenschicksal Ernst Cassirers, Karl Löwiths oder Helmuth Plessners habe die junge Generation argwöhnisch gemacht gegen das spezifisch Deutsche. So habe bspw. Plessners “auf gegenseitige Schonung und Takt angelegtes Konzept vom Menschen” eine Gegenposition zum autoritären Institutionalismus Arnold Gehlens dargestellt, der zu den Kollegen gehört hatte, die im Nationalsozialismus “munter weitermachten“.
Adorno und Horkheimer haben mit ihrem Frankfurter Institut in der Soziologie einen der Pole dargestellt, aber innerhalb der Philosophie ein geringes “standing” gehabt. Adornos Fremdheit unter den Kollegen habe sich in äußeren Gesten und im Stil gespiegelt. Wirkungsgeschichtlich sei eine Kluft zu beachten “zwischen dem reformistischen, geradezu sozialdemokratischen Tenor des Volkspädagogen und dem rabenschwarzen Totalitätsdenken des Philosophen Adorno“:
“Der eine schrieb über «die Wunde Heine» und betrieb «Aufarbeitung der Vergangenheit», der andere arbeitete in Einsamkeit und Freiheit an der «negativen Dialektik». ”
Auch den emigrierten Philosophen der analytischen Philosophie erging es in der frühen Bundesrepublik nicht besser. Institutionell schwach verankert, fasste sie erst durch eine neue Aneignung bspw. durch Ernst Tugendhat und Günter Patzig Fuß. Heute bestimme sie die Standards der Argumentation, die Konkurrenz der Schulen sei überwunden.
Entscheidend für die öffentliche Wirkung seien aber auch die nicht zurückgekehrten jüdischen Philosophen, die die wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussionen geprägt haben: Ludwig Wittgenstein, Karl Popper, Vertreter des Wiener Kreises oder Hans Jonas, aber auch Intellektuelle wie Walter Benjamin und Gershom Scholem.
Die Zivilisierung der politischen Kultur der Bundesrepublik verdanke sich zu einem großen Teil den jüdischen Emigranten, so Habermas’ Fazit.
Hacker-Kritik an Neurowissenschaftlern
Posted by Björn in Analytische Philosophie, Philosophie des Geistes, Psychologie, Wissenschaft on 2010/11/17
Der für seine Studien zu Wittgenstein bekannte und in Oxford lehrende Philosoph Peter Hacker wird im Philosopher’s Magazine porträtiert. Darin geht es um Hackers Kritik an philosophischen Einlassungen von Neurowissenschaftlern, die meistens Unsinn seien – worin er mit vielen anderen Philosophen (wie beispielsweise Peter Bieri und Ernst Tugendhat) übereinstimmt. Außerdem betrachtet Hacker die Philosophie nicht als kognitive Wissenschaft in dem Sinn wie es die Naturwissenschaften seien, die gesichertes Wissen anstreben. Philosophie befasse sich dem gegenüber mit dem Verständnis unserer Wissens: “philosophy is not a quest for knowledge about the world, but rather a quest for understanding the conceptual scheme in terms of which we conceive of the knowledge we achieve about the world.”
Ein Interview zu Hackers Kritik an den Neurowissenschaften ist auf deutsch auch bei Gehirn & Geist online nachzulesen.
Auf deutsch ist zuletzt bei Suhrkamp “Neurowissenschaft und Philosophie: Gehirn, Geist und Sprache” erschienen: eine Auseindersetzung um die philosophischen Grundlagen der Neurowissenschaften zwischen Maxwell Bennett, Peter Hacker, John Searle und Daniel Dennett.
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Blackburn rezensiert Collingwood-Biografie
Posted by Björn in Antike, Buecher, Geschichte, Kunst, Leute, Philosophie des Geistes, Philosophiegeschichte, rezensionen on 2010/04/22
Simon Blackburn rezensiert Fred Inglis’ Biografie “History Man: The Life of R.G. Collingwood”. Collingwood war ein brillianter Philosoph und Historiker, so Blackburn. Neben seinen bekannten historischen und philosophiegeschichtlichen Arbeiten sind seine philosophy of mind und seine philosophy of art bemerkenswert modern. Allerdings findet Collingwood in der heutigen Philosophie meist nur in Fußnoten Beachtung, was möglicherweise auch, so vermutet Blackburn, an seiner ostentativen Unbescheidenheit liegt (wie er im Vergleich zu Wittgenstein verdeutlicht).
London in einem Farbfilm des Jahres 1927
Posted by Björn in Geschichte, Verschiedenes on 2010/04/07
Claude Friese-Greene, der die Farbfilmtechnik seines Vaters William weiterentwickelt hat, hat 1927 einen Farbfilm von London gedreht. Der Film ist ein interessantes zeitgeschichtliches Dokument, dass einen bemerkenswerten Eindruck der Zeit vermittelt, in der Philosophen wie Bertrand Russell, George Edward Moore, Gilbert Ryle oder Alfred Jules Ayer in Großbritannien gelebt haben. 1929 kehrte Ludwig Wittgenstein nach Cambridge zurück.
[via How to be a retronaut]
Einen ebenfalls in England gedrehten und qualitativ besseren Farbfilm aus dem Jahr 1939 kann man hier sehen.
The Wittgenstein madhouse
Posted by Björn in Analytische Philosophie, Buecher, Leute, Philosophiegeschichte, rezensionen, Sprachphilosophie on 2008/11/14
Terry Eagleton, Drehbuchautor des Films “Wittgenstein”, schreibt im Guardian zu Alexander Waugh’s Buch “The House of Wittgenstein“. Ausführlich beschreibt er das “madhouse”, das die Familie Wittgenstein dargestellt haben soll. Eine Rezension des Buches ist es nur insofern, als Eagleton in nur zwei Sätzen darauf eingeht: “Alexander Waugh’s eminently readable, meticulously researched account of the Wittgenstein madhouse might have speculated a bit more on how this background helped to shape the most celebrated of all the Wittgensteins. It certainly casts some light on Ludwig’s extraordinary contradictions.”
Familie Wittgenstein
Posted by Björn in Analytische Philosophie, Buecher, Leute, Verschiedenes on 2008/09/13
Alexander Waugh hat eine Biografie der Familie Wittgenstein geschrieben, in der besonders Ludwigs Bruder Paul im Mittelpunkt steht. “The House of Wittgenstein: A Family at War” erscheint am Montag in Großbritannien, und ist für den 24. Februar 2009 in den USA angekündigt. Einen Auszug daraus kann man beim Telegraph lesen.
Es gibt bereits zahlreiche Rezensionen im englischsprachigen Web:
- von Ray Monk bei Standpoint.Online
- die von Kevin Jackson bei TimesOnline erscheint in der morgigen Druckausgabe,
- von Simon Heffer bei Literary Review
- eine von Noel Malcolm und eine weitere von Duncan Fallowell beim Telegraph
- von Susanna Rustin ein Gespräch mit dem Autor im Guardian
Wittgensteins Architektur
Posted by Björn in Geschichte, Leute on 2007/11/20
In der Philobar gibt es eine Notiz zu Wittgensteins Architektur. In einem neuen Buch von Roger Paden wird das Haus, das Wittgenstein für seine Schwester entwarf, “als Ausdruck der Werkeinheit” interpretiert.
Numminen sings Wittgenstein
Posted by Björn in Analytische Philosophie, Humor, Leute, Links, Logik, Sprache, Vermischtes Banales, Worte on 2007/11/15
M. A. Numminen singt einen bekannten Satz aus Wittgensteins Tractatus: Das Satiremagazin Titanic hat das Video mit dieser Darbietung als Piloten von Titanic-TV auf Youtube platziert.
[Via Gerd Brunzema]
Hier ist noch ein weiteres interessantes, diesmal dokumentarisches Video über Wittgenstein auf Youtube: Wittgenstein in Norway.
P.S.: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob diese Reflexionen Billy Connollys den von Wittgenstein aufgestellten Standards genügen:
[via vowe]
Ein neues Buch über Wittgenstein und Russel
Posted by Björn in Analytische Philosophie, Buecher, Geschichte, Leute, Logik, Sprache on 2007/09/28
Die Philobar berichtet, dass Gregory Landini ein Buch über die Auffassungen von Russell und Wittgenstein geschrieben hat: ‘Wittgenstein’s Apprenticeship with Russell‘ (Cambridge : Cambridge UP, 2007). Landini revidiert die übliche Sichtweise und versucht anhand der bislang unveröffentlichten Manuskripte von Russell zu zeigen, dass Russell und Wittgenstein als Verbündete an einem Forschungsprogramm arbeitete, dass logische Analyse und Rekonstruktion ins Zentrum der philosophischen Tätigkeit stellt.
Ein Auszug aus dem Buch ist hier verfügbar.
Tractatus als Baumstruktur im Web
Posted by Björn in Analytische Philosophie, Buecher, Links, Sprache on 2007/05/19
Wittgensteins Tractatus als (aufklappbare) Menübaumstruktur. [via Philosophieblog]