Posts Tagged Liberalismus
Martha Nussbaum über die Vervollkommnung menschlicher Fähigkeiten im Liberalismus
Posted by Björn in Liberalismus, Politische Philosophie on 2011/04/11
In der neuen Ausgabe von “Philosophy & Public Affairs” (vol. 39, no. 1, 2011) ist ein Aufsatz von Martha Nussbaum mit dem Titel “Perfectionist Liberalism and Political Liberalism” erschienen (kostenlose Registrierung erforderlich). Einen Auszug davon gibt es bei Political Theory, wo auch auf diese frühe Fassung von Nussbaums Artikel hingewiesen wird.
Perfektionistische Ethiken für den Liberalismus sind von vielen Autoren, etwa John Stuart Mill (in Anschluss an Wilhelm von Humboldt), Isaiah Berlin, John Rawls, Joseph Raz oder Charles Larmore, vorgeschlagen oder diskutiert worden. Sie vertreten eine umfassende Auffassung des menschlichen Lebens nicht nur für den politischen Bereich, sondern für das menschliche Verhalten generell. Nussbaum favorisiert gegen Joseph Raz eine Form des “Politischen Liberalismus”, wie er auch von Charles Larmore und John Rawls vorgestellt wurde. Andererseits haben Raz und Susan Moller Okin gegen Rawls darauf hingewiesen, dass es auch erforderlich sei, fundamentalistisch-religiöse, rassistische oder sexistische Auffassungen in der Gesellschaft loszuwerden. Deshalb wünscht sich Nussbaum, dass die Debatte zwischen politischem und umfassendem Liberalismus weitergehe.
Der Sozialdemokrat Adam Smith
Posted by Björn in Ökonomie, Liberalismus, Philosophiegeschichte, Sozialphilosophie, Wirtschaftsethik on 2011/03/31
Wieder ein interessantes Stück über Adam Smith, das gängige Fehlinterpretationen sowie die üblichen Auswüchse der Ökonomie ins richtige Licht rückt, diesmal beim American Conservative:
“For one thing, Smith roundly mistrusted businessmen. In addition to the sallies already quoted, he insisted that businessmen, for all they may talk of freedom and fairness, ‘generally have an interest to deceive and even oppress the public.‘ One example out of many from The Wealth of Nations:
‘Our merchants and master-manufacturers complain much of the bad effects of high wages in raising the price, and thereby lessening the sale of their goods both at home and abroad. They say nothing concerning the bad effects of high profits. They are silent with regard to the pernicious effects of their own gains. They complain only of those of other people.’”
Literatur, Kultur, Politik, Internet
Posted by Björn in Buecher, EBooks, Geschichte, Internet, Kulturphilosophie, Literatur, Medien, Philosophiegeschichte, Politik, Sprache on 2010/10/24
Drei Artikel:
Die Provinz, die Schweden ist: Schwedische Kommentatoren sind mit der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Mario Vargas Llosa nicht einverstanden – weil er auf der falschen politischen Seite stehe. Johan Norberg wundert sich über seine Kollegen: disqualifiziert sich ein Schriftsteller, weil er einen Liberalismus in der Tradition von John Locke und Adam Smith befürwortet? Weil er sich vom Kommunismus abgewendet hat, weil er entsetzt ist über das Leid, das sozialistische Machthaber verursacht haben? “He moved on not because he was no longer able to sympathise with the poor and oppressed, but because he still did when others began to identify more with the revolutionaries than with the people in whose name they made the revolution. He saw that Castro persecuted homosexuals and imprisoned dissenters. While other socialists kept quiet and thought that the dream justified the means, Vargas Llosa began to ask himself the difficult questions about why his ideals looked more like prison camps than socialist utopias when realised.”
James Buchan rezensiert beim Guardian Peter Watsons Buch “The German Genius”
Braucht Poesie Papier? Gefährdet die Veränderung der Medien den Reichtum und die Vielfalt künstlerischen Schaffens? Schrumpft der Kontext und veräbdert dadurch die Sprache, wie Don DeLillo meint?
Rezension von Gellners ‘Conditions of Liberty’
Posted by Björn in Buecher, Geschichte, Leute, Politische Philosophie, Sozialphilosophie on 2010/09/10
Vor einigen Wochen ist John Halls Biografie über Ernest Gellner erschienen, die in den (natürlich nicht deutschen) Blogs einige Beachtung fand. Eines der Bücher Gellners, “Conditions of Liberty”, hat kürzlich Jacob Levy lesenswert rezensiert. [via]
Rezension von Gatteis “Karl Popper’s Philosophy of Science”
Posted by Björn in Buecher, Logischer Positivismus, Philosophiegeschichte, Rationalität, Wissenschaft, Wissenschaftstheorie on 2009/08/05
Friedrich Stadler und Miles MacLeod rezensieren in den Notre Dame Philosophical Reviews Stefano Gatteis “Karl Popper’s Philosophy of Science: Rationality Without Foundations” (Routledge, 2009):
In sum, Gattei’s Karl Popper’s Philosophy of Science is an important reassertion of the value, novelty, and coherency of Popper’s programme. It is an important historiographical contribution, particularly because it leads us to reevaluate our tradition of painting Kuhn as an epistemological radical, when that title more properly belongs to Popper.
Milton Friedman über Gier und Kapitalismus
Posted by Björn in Ökonomie, Geschichte, Liberalismus, Politik, Politische Philosophie, Sozialphilosophie on 2009/07/31
[via]
Band mit Aufsätzen von Viktor Vanberg (Einführung Hans Albert)
Posted by Björn in Ökonomie, Buecher, Liberalismus, Politische Philosophie, Sozialphilosophie on 2009/07/18
Anlässlich des 65. Geburtstags Viktor Vanbergs haben Nils Goldschmidt und Michael Wohlgemuth einen Band mit Aufsätzen Vanbergs herausgegeben, der nun als unveränderte Studienausgabe vorliegt: “Wettbewerb und Regelordnung“. Eine Einführung mit dem Titel “Viktor Vanberg und das sozialwissenschaftliche Erkenntnisprogramm” hat Hans Albert verfasst.
Vanberg war unter anderem Mitarbeiter James Buchanans, Leiter des Walter Eucken-Instituts und Professor für Wirtschaftspolitik. Seine Texte zeichnen sich durch klare Argumentation und leichte Lesbarkeit aus. Er untersucht die methodologischen und sozialphilosophischen Grundlagen eines Programms, das Buchanans Verfassungsökonmik und den durch den Evolutionsgedanken geprägten Liberalismus Friedrich August Hayeks ausformulieren will. Er plädiert für eine Ökonomik als erfahrungswissenschaftlich orientierte “Lebenswissenschaft”, und knüpft damit an Hans Alberts Kritik des ökonomischen “Modell-Platonismus” an.
Sein Ansatz steht in der individualistischen Tradition der Schottischen Moralphilosophie, den er 1975 in dem Buch “Die zwei Soziologien. Individualismus und Kollektivismus in der Sozialtheorie” dargestellt hat. Dieses Buch ist ein Meilenstein der sozialphilosophischen Literatur, in dem es die zwei gegensätzlichen Leitbilder, die die Sozialwissenschaften der letzten Jahrhunderte geprägt haben, analysiert.
Generation Me: Eine narzisstische (selbstverliebte) Jugend
Posted by Björn in Erziehung, Ethik, Kinder, Liberalismus, Moralphilosophie, Politische Philosophie, Psychologie, Sozialphilosophie on 2009/06/11
Jean Twenge und W. Keith Campbell analysieren Studien, die zeigen, dass es generationelle Unterschiede bezüglich des Narzissmus gibt: die jüngere Generation (“Generation Y”) sei erheblich individualistischer als die ihr vorausgehenden. Sie beschäftige sich stärker mit den eigenen Wünschen, sei selbstbewusster – aber auch unglücklicher als ältere Generationen. Das Befolgen von Pflichten und sozialen Regeln sei ihr weniger geläufig.
Aus der Kommunitarismusdebatte der 80er und 90er Jahre sind diese Diagnosen den Philosophen bereits vertraut. Sie hat uns darauf vorbereitet, über Umgangsformen mit diesem Phänomen nachzudenken. Eine Lösung haben wir noch nicht gefunden, was zu einem erheblichen Teil der ideologischen Unterfütterung geschuldet ist, mit der manche Positionen in dieser Debatte vertreten wurden. Wer vorgebliche Ursachen aus ideologischen Gründen überzeichnet, wer bei praktischen Alternativen das Kind mit dem Bade ausschüttet, der löst eben kein Problem. Dennoch ist die Debatte nach wie vor aktuell. Es gibt eine Vielzahl von wertvollen Beiträgen und umsichtigen Anaylsen. Die Bewahrung oder Wiederbelebung (oder Neuerschaffung) des Gemeinsinns in einer pluralistischen Gesellschaft (d.h. ohne Bezug auf orthodoxe oder okkulte Authoritäten) ist eine der wichtigsten sozialen Aufgaben unserer Zeit.
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Isaiah Berlins 100. Geburtstag
Posted by Björn in Geschichte, Kulturphilosophie, Leute, Liberalismus, Philosophiegeschichte, Politik, Politische Philosophie on 2009/05/28
Nick Fraser schreibt im Independent einen ausführlichen Artikel über Isaiah Berlin anlässlich dessen 100. Geburtstages. Berlin ist für seine Charakterisierung der Freiheit berühmt und bei manchen auch bekannt für seine kulturphilosophischen Studien. Fraser rühmt ihn für seine klare Analyse der politischen Verhältnisse und der potenziellen Konflikte und theoretischen Alternativen.
What he says about liberty seems to speak profoundly to our own apathetic moment. Berlin says, again and again, that freedom isn’t a bonus or an accessory, to be taken up or jettisoned at will. “Everything is what it is,” he concludes. “Liberty is liberty, not equality or justice or culture, or human happiness or a quiet life.”
Podcast mit Raymond Geuss
Posted by Björn in Liberalismus, Moralphilosophie, Politik, Politische Philosophie on 2008/10/22
Raymond Geuss spricht im neuesten Podcast von Philosophy Bites über sein neues Buch (eine Rezension dazu habe ich gestern besprochen), in dem er Philosophen wie Robert Nozick oder John Rawls eine fundamentale Fehlausrichtung ihrer politischen Philosophie attestiert.
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Raymond Geuss’ neues Buch – Machtpolitik statt Moral
Posted by Björn in Buecher, Ethik, Liberalismus, Moralphilosophie, Politik, Politische Philosophie on 2008/10/21
Adam Kirsch rezensiert Raymond Geuss neues Buch “Philosophy and Real Politics“. “I object to the claim that politics is applied ethics“, schreibt Geuss und richtet sich explizit gegen die “neo-kantianische”, liberale politische Philosophie, wie sie von Robert Nozick und John Rawls vertreten wurde. Diese seien abstrakt, unrealistisch, letzten Endes ideologische Mystifikationen. Geuss setzt dem ein marxistisch-leninistisches Politikverständnis entgegen, wonach das Bewusstsein durchs Sein korrumpiert ist, weshalb nicht moralische Gerechtigkeitserwägungen, sondern Macht der Untersuchungsgegenstand der politischen Philosophie sein solle. Er plädiert für einen “return from the present reactionary forms of neo-Kantianism to . . . neo-Leninism.”
Sein Rezensent Adam Kirsch weist darauf hin, dass der Verzicht auf moralische Analyse und Gerechtigkeitserwägungen konsistent in der Position des Thrasymachus ausgedrückt ist: “The unjust is lord over the truly simple and just: he is the stronger, and his subjects do what is for his interest, and minister to his happiness, which is very far from being their own“. Dann ist aber fraglich, wie man für ein Engagement gegen Unterdrückung und Machtmissbrauch und für Solidarität argumentieren kann.
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