Posts Tagged Karl Popper
Die professionelle Unfähigkeit zu schreiben
Posted by Björn in Akademisches, Analytische Philosophie, Philosophie allgemein, Philosophiegeschichte, Psychologie, Rationalität, Wissenschaft on 2012/03/24
John Gray rezensiert in der Literary Review ein Buch von Mikkel Borch-Jacobsen und Sonu Shamdasani über Sigmund Freud und die frühen Jahre der Psychoanalyse: “The Freud Files: An Inquiry into the History of Psychoanalysis“. Er geht auf bekannte Streitpunkte der “Freud Wars” ein, gibt seine eigene Einschätzung dazu ab und ergänzt ein paar interessante Details. So soll Karl Popper seine Kritik, dass Freuds Psychoanalyse unfalsifizierbar und deshalb nicht wissenschaftlich sei, nicht erst in der “Offenen Gesellschaft” und in “Conjectures and Refutations”, sondern bereits um 1919 formuliert haben.
Aber ein anderer Aspekt der Rezension von John Gray beschäftigt mich hier: Freud sei ein deutlicher und direkter Autor gewesen, wohingegen das besprochene Buch von Borch-Jacobsen und Shamdasani oft unverständlich sei (als Gegenbeispiel lobt er Janet Malcolms “Psychoanalysis: The Impossible Profession” und “In the Freud Archives“). Gray bezeichnet dies als “the professional inability to write, which has become a requirement of academic life” – also die professionelle Unfähigkeit zu schreiben, die eine Anforderung des akademischen Lebens geworden sei.
Schaut man sich die im akademischen Betrieb jeweils vorherrschende Scholastik an – Analytische Philosophie, Postmoderne, “Kontinentale” Philosophie oder welche Geschmacksrichtung auch immer – so fällt die fehlende Bereitschaft, und möglicherweise ja auch Unfähigkeit, auf, den einen oder anderen allgemein verständlichen Text zustande zu bringen. Nun kann man über die Kriterien für Verständlichkeit geteilter Meinung sein. Ich würde hier zwei Anforderungen in Anschlag bringen: Nachvollziehbarkeit der Position für Interessenten mit anderen Hobbies, sowie einen Informationsgehalt, der über die 5 oder 6 Jahre, nach denen eine heiße Spezialistenthese wieder für alle Zeiten vergessen wird, erhalten bleibt.
Ich will damit nicht sagen, dass dies Standards für akademische Forschung sind. Es sind ausreichend Megabytes vorhanden, um kurioses Vokabular, interessante Formeln und kreative Schlussfolgerungen zu veröffentlichen. Verständlichkeit, Klarheit, Nachvollziehbarkeit sind vielleicht keine Kriterien, oder keine wichtigen, für wissenschaftliche Forschung. Aber zur Darstellung für ein interessiertes Publikum, dass über die drei Dutzend Fachkollegen hinausgeht, sind sie es. Die Fähigkeit, diese Kriterien anzuwenden, wird nur selten unter Beweis gestellt. Vielleicht ja auch, weil es mit dem Kult von Superhelden nicht vereinbar wäre.
Rezension von Gatteis “Karl Popper’s Philosophy of Science”
Posted by Björn in Buecher, Logischer Positivismus, Philosophiegeschichte, Rationalität, Wissenschaft, Wissenschaftstheorie on 2009/08/05
Friedrich Stadler und Miles MacLeod rezensieren in den Notre Dame Philosophical Reviews Stefano Gatteis “Karl Popper’s Philosophy of Science: Rationality Without Foundations” (Routledge, 2009):
In sum, Gattei’s Karl Popper’s Philosophy of Science is an important reassertion of the value, novelty, and coherency of Popper’s programme. It is an important historiographical contribution, particularly because it leads us to reevaluate our tradition of painting Kuhn as an epistemological radical, when that title more properly belongs to Popper.
Interview mit Hans Albert über Rational Choice
Posted by Björn in Ökonomie, Sozialphilosophie, Soziologie, Wissenschaftstheorie on 2008/11/12
Aus dem The Popper Newsletter (4) 1/2 (offenbar aus dem Jahr 1992) ist ein Interview mit Hans Albert über Rational Choice im Web verfügbar, das Fred Eidlin geführt und übersetzt hat: “Hans Albert on Rational Choice Theory“.
Stil in der Philosophie
Posted by Björn in Quellen, Sprache, Verschiedenes on 2008/07/14
Brian Leiter sammelt Vorschläge zur Beantwortung der Frage, welche Philosophen man Studenten empfehlen sollte, wenn man ihnen guten Stil zeigen will. John McDowell, Martin Heidegger, Jacques Derrida (und ich würde Hegel hinzufügen) sollte man stilistisch nicht zum Vorbild nehmen.
Aus den Kommentaren kann ich vielen Vorschlägen für guten Stil zustimmen: Hilary Putnam, Bertrand Russell, Karl Popper, David Hume, Peter Singer, vielleicht auch Descartes. Aus dem gegenwärtigen deutschsprachigen Raum fallen mir auf Anhieb Günther Patzig und Hans Albert ein. Welche Vorschläge haben Sie?
Filme über Popper bei YouTube
Posted by Björn in Leute, Politische Philosophie, Sozialphilosophie, Verschiedenes, Wissenschaftstheorie on 2008/05/02
Ein 1990 unter dem Titel „Lasst Theorien sterben, nicht Menschen” ausgestrahlter Film über Karl Popper ist in fünf Teilen bei YouTube zu sehen:
Links:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5 (bricht leider 5 Minuten vor Ende ab).
Außerdem gibt es dort zwei Teile eines offenbar fünfteiligen Beitrages, der wohl – wie man dem Titel entnehmen kann – 1974 entstanden ist:
Teil 4 (bspw. über absolute Wahrheit)
Teil 5
Der Welt geht es besser
Posted by Björn in Geschichte, Politik, Politische Philosophie, Verschiedenes on 2007/11/02
Ich habe Poppers Mut und Klarheit bewundert, als er schlicht und einfach sagte, dass es uns besser geht und dass die politischen Systeme der westlichen Demokratien einen guten Schutz vor Despotie und Unrecht bieten. Das war natürlich eine direkte Konsequenz auf die 60er und 70er Jahre mit ihren ideologischen Fanatikern und auf die sozialwissenschaftlichen Debatten mit ihren ideologischen Auswüchsen und Vorurteilen.
Nach wie vor ist Optimismus nicht gefragt. Fortschritt, Aufklärung, Demokratisierung, mehr Freiheit und Wohlstand in allen Teilen der Welt – wenn derartige Thesen überhaupt einmal aufgestellt werden, ist ihnen Hohn sicher.
Stephen Moore vom Opinion Journal bricht auch eine Lanze für den Optimismus. U.a. zitiert er den UN-Report “State of the Future”:
“People around the world are becoming healthier, wealthier, better educated, more peaceful, more connected, and they are living longer.”"