Posts Tagged Jürgen Habermas

Sibylle Lewitscharoff über ihren Roman “Blumenberg”

In ihrem Roman “Blumenberg” schreibt Sibylle Lewitscharoff über das Lebensgefühl und die intellektuelle Orientierung der Studenten der 1980er Jahre. Für das Buch erhielt sie 2011 den Wilhelm-Raabe-Preis. Es ist eine literarische Mentalitätsstudie einer Zeit, in der junge Erwachsene ihr Lebensgefühl in No-Future, Pop- und Punkmusik fanden – und in der Intellektuelle wie Hans Blumenberg und Jürgen Habermas das akademische geistige Milieu prägten.

In einem Interview mit dem Standard spricht Lewitscharoff über ihren Roman, dessen junge Protagonisten kein glückliches Ende finden. Die geistige Landschaft dieser Zeit war durch einen riesigen Überbau geprägt. Bei Habermas fand man sein Futter an realitätsbezogener Zeitdiagnose “in verdaulichen Portionen vor. Bei Blumenberg wurde man in Ausuferungen hineingetrieben: in die Antike, in die Scholastik, in die Musik. … Wohin soll so ein armer Student jetzt mit seiner Bewunderung?

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Als Habermas gegen die Wiedervereinigung war

Der scheidende Chefredakteur des Merkur, Karl-Heinz Bohrer, beschreibt in einem Rückblick auf seine Herausgeberschaft, wie es zum persönlichen Bruch mit Jürgen Habermas kam (die FR zitiert eine Passage daraus). Nach dem Fall der Mauer 1989 hätten Bohrer und Habermas unterschiedliche Auffassungen zu einer möglichen Wiedervereinigung Ost- und West-Deutschlands gehabt. Bohrer wollte ein Plädoyer für die Wiedervereinigung veröffentlichen, das er zuvor Habermas zugeschickt habe. Habermas habe in seiner Antwort an Bohrer appelliert, diesen Text nicht zu veröffentlichen. Es sei schließlich zum unvermeidlichen Zerwürfnis zwischen den beiden gekommen, das offenbar bis heute nicht überwunden wurde.

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Jürgen Habermas über die Bedeutung der emigrierten jüdischen Philosophen für die Bundesrepublik

Auf der Tagung “Jüdische Stimmen im Diskurs der sechziger Jahre” hat Jürgen Habermas einen Vortrag gehalten, der bei der NZZ unter dem Titel “Grossherzige Remigranten. Über jüdische Philosophen in der frühen Bundesrepublik. Eine persönliche Erinnerung” zu lesen ist.
Habermas berichtet von der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nur langsam einsetzenden Rezeption deutscher jüdischer Emigranten, die auch nur teilweise und mit größeren Abständen an die deutschen Universitäten zurückkehrten. Das Emigrantenschicksal Ernst Cassirers, Karl Löwiths oder Helmuth Plessners habe die junge Generation argwöhnisch gemacht gegen das spezifisch Deutsche. So habe bspw. Plessners “auf gegenseitige Schonung und Takt angelegtes Konzept vom Menschen” eine Gegenposition zum autoritären Institutionalismus Arnold Gehlens dargestellt, der zu den Kollegen gehört hatte, die im Nationalsozialismus “munter weitermachten“.

Adorno und Horkheimer haben mit ihrem Frankfurter Institut in der Soziologie einen der Pole dargestellt, aber innerhalb der Philosophie ein geringes “standing” gehabt. Adornos Fremdheit unter den Kollegen habe sich in äußeren Gesten und im Stil gespiegelt. Wirkungsgeschichtlich sei eine Kluft zu beachten “zwischen dem reformistischen, geradezu sozialdemokratischen Tenor des Volkspädagogen und dem rabenschwarzen Totalitätsdenken des Philosophen Adorno“:
Der eine schrieb über «die Wunde Heine» und betrieb «Aufarbeitung der Vergangenheit», der andere arbeitete in Einsamkeit und Freiheit an der «negativen Dialektik».

Auch den emigrierten Philosophen der analytischen Philosophie erging es in der frühen Bundesrepublik nicht besser. Institutionell schwach verankert, fasste sie erst durch eine neue Aneignung bspw. durch Ernst Tugendhat und Günter Patzig Fuß. Heute bestimme sie die Standards der Argumentation, die Konkurrenz der Schulen sei überwunden.

Entscheidend für die öffentliche Wirkung seien aber auch die nicht zurückgekehrten jüdischen Philosophen, die die wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussionen geprägt haben: Ludwig Wittgenstein, Karl Popper, Vertreter des Wiener Kreises oder Hans Jonas, aber auch Intellektuelle wie Walter Benjamin und Gershom Scholem.

Die Zivilisierung der politischen Kultur der Bundesrepublik verdanke sich zu einem großen Teil den jüdischen Emigranten, so Habermas’ Fazit.

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Ulrich Beck, Jürgen Habermas, Bernard-Henri Lévy und andere fordern ein Ende der europäischen Ad-Hoc-Politik

In einem in der Zeit veröffentlichten offenen Brief fordern einige europäische Intellektuelle und Politiker ein Ende der unsystematischen Ad-Hoc-Politik in der EU. Auf die Krise in der Eurozone würden Entscheidungsträger nur reagieren, woraus Verwirrung und Misstrauen entstünden. Stattdessen müsse die politische Agenda wieder übernommen werden, um die institutionellen Mängel der Eurozone zu korrigieren. “Wir brauchen einen glaubwürdigen neuen Vorschlag für Wirtschaftsreformen und Wachstum … . Was wir nicht brauchen, sind immer neue Runden von Sparmaßnahmen, die weder Vertrauen noch wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit erzeugen.”

Zu den Unterzeichnern gehören Ulrich Beck, Peter Bofinger, Jürgen Habermas, Bernard-Henri Lévy, Gesine Schwan und andere.

Die englische Version findet sich im Guardian.

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Habermas und Nida-Rümelin fordern Schutz der ungarischen Philosophen

Das Theorieblog berichtet, dass ungarische Philosophen politischen Attacken ausgesetzt sind. Auch Jürgen Habermas und Julian Nida-Rümelin kritisieren dies scharf. Sie fordern in einem Aufruf in der Süddeutschen Zeitung die EU-Kommission auf, keine Enthaltung mehr zu üben “in der Frage, ob in dem Land, das heute die EU repräsentiert, wesentliche Grundsätze einer liberalen Verfassungsordnung verletzt werden.”

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Habermas als Schattenpapst?

Jonathan Rée fragt im New Humanist (“Shadow pope“), was der Papst und Jürgen Habermas gemein haben. Er zeichnet Habermas’ intellektuelle Entwicklung nach von der Konsenstheorie über das postmetaphysische zum postsäkularen Denken, das Habermas zuletzt ausgerufen hat. Die Betonung des Konsens verkenne, dass – gerade in religiösen Weltanschauungsfragen – die Differenz den Befürwortern dezidierter Ansichten besonders wichtig ist.

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Habermas über die Rolle der Intellektuellen im Internetzeitalter

Jürgen Habermas’ Preisrede “Ein avantgardistischer Spürsinn für Relevanzen. Was den Intellektuellen auszeichnet” (zur Verleihung des Kreisky-Preises 2005 an ihn) war schon 2006 im Internet zu lesen (Teil1 und Teil 2 beim Standard) und wurde in einigen Weblogs diskutiert. So wurde Habermas’ Pessimismus bezüglich des öffentlichen Diskurses im Internet kritisiert.
In den letzten Tagen hat der Text im Netz wieder die Runde gemacht – ich nehme an, weil am Dienstag bei Transformations of the Public Sphere eine kondensierte Version des Textes, der 2009 in dem Band “Europe: The Faltering Project” (Polity Press, 2009) abgedruckt wurde, erschien: “An Avantgardistic Instinct for Relevances: Intellectuals and their Public“. Das PDF der vollständigen deutschen Version, die in der Essaysammlung “Ach, Europa” (2008) abgedruckt wurde, findet sich beim Renner-Institut. [via Political Theory - Habermas and Rawls]

In seiner Preisrede stellt Habermas fest, dass die Sphäre des Öffentlichen informeller werde und die gewohnten Rollen darin verschwämmen. Aufgrund der dezentralen, informellen Struktur des Öffentlichen im Internet und dem Mangel eines gefilterten Pools an Nachrichten stünden die Beiträge der Intellektuellen nicht mehr im Fokus. Diese Form der Öffentlichkeit basiere mehr auf Popularität als auf guten Argumenten. Intellektuelle sollten es als Privileg betrachten, nicht um Popularität zu buhlen und stattdessen ein Gespür für relevante Themen haben.

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Linksammlung 2009-01-27

Ein Video eines im November 2009 in Moskau gehaltenen Vortrages von Jürgen Habermas mit dem Titel “Religion, Law and Politics – On Political Justice in a Multicultural World Society” ist hier zu sehen. (Das Weblog Political Theory verlinkte es unter dem Titel “The Internal Relationship Between Human Dignity and Human Rights”. Von dort auch der Link zu einem Video einer Diskussion von Habermas mit russischen Kollegen).

Die Beiträge zur jüngsten Ausgabe der Hume Studies, Volume 34, Number 1, April 2008 sind als HTML- und als PDF-Version kostenlos erhältlich. Darin u.a.:
- Politeness, Paris and the Treatise
- Reason in Hume’s Passions
- A Conversation between Annette Baier and Anik Waldow about Hume’s Account of Sympathy
- The Miseries of Life: Hume and the Problem of Evil

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Serie über deutsche Philosophen bei RP-Online

In den letzten Wochen ist auf RP-Online eine 18-teilige Serie mit kurzen Überblicksartikeln zu deutschen Philosophen erschienen. Die Auswahl führt die bekannten klassischen Namen auf (bedauerlich, dass die Öffentlichkeit wieder keine Chance erhält, andere wichtige aktuelle Philosophen kennenzulernen und uns Habermas noch lange als der bedeutendste deutsche Philosoph der Gegenwart in Erinnerung bleiben wird): behandelt werden beispielsweise Kant, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Marx, Bloch, Adorno, Arendt, Habermas und Sloterdijk.
Abgerundet wird die Serie mit einer brauchbaren Auflistung von weiterführender Literatur zu den jeweiligen Autoren (dort auch die Links zu den jeweiligen Artikeln)

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Hans Albert über Fundamentalismus

Die Dankesrede, die Hans Albert zur Annahme der Ehrendoktorwürde der Universität Klagenfurt im Jahr 2007 gehalten hat, ist als PDF-Datei auf der Webseite der Uni downloadbar. Offenbar handelt es sich um das Originalmanuskript, das eine Handvoll kleinerer handschriftlicher Änderungen enthält.
Soweit ich sehe, enthält die Rede nichts Neues gegenüber den bisherigen Veröffentlichungen Alberts. Er beschreibt die religiösen Wurzeln bekannter Fundamentalismen, und deren Funktion zur Steuerung und Stabilisierung von Erkenntnissen und Autoritäten. Kritikimmunität und privilegierter Erkenntniszugang sind wesentliche Kennzeichen des Fundamentalismus. Dies steht dem Kritizismus der Aufklärung entgegen. Man kann daher nicht fordern, wie Jürgen Habermas es tut, dem religiösen Denken eine Sonderstellung einzuräumen.

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Außenminister Steinmeier (SPD) sendet Habermas Glückwunschschreiben

Außenminister Steinmeier hat Jürgen Habermas zu dessen 80. Geburtstag ein offizielles Glückwunschschreiben übersandt, das auf der Webseite des Auswärtigen Amtes nachzulesen ist.
Steinmeier schreibt, Habermas stehe als kritischer Aufklärer “in einer der besten Traditionen unseres Landes“. Ohne Habermas “wäre das Nachdenken über und das politische Handeln für ein soziales und demokratisches Europa nicht möglich“. “Ihre Anregungen und Hinweise haben mein politisches Denken und Handeln nachhaltig beeinflusst. Für ein soziales Europa, gegen Marktradikalismus und Neoliberalismus und für eine weltweite Verantwortungsgemeinschaft.” Habermas sei die europäische Stimme der Vernunft, die die “Neubegründung der großen europäischen Werte” gestärkt habe.

Der ehemalige Kulturstaatsminister unter Gerhard Schröder, Julian Nida-Rümelin, würdigt Jürgen Habermas im Tagesspiegel. Dabei blickt er zurück auf Gespräche mit Habermas beim Kulturforum der Sozialdemokratie in den Jahren 1998 und 2008.

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Von Havel zu Habermas

Paul Linden-Retek untersucht Havels und Habermas’ Analyse der gegenwärtigen Politik nach 1989. Habermas verpasse mit seiner Kritik die aktuellen Möglichkeiten politischen Engagements – schreibt der Economist. “What, for example, does e-democracy (for example, wiki-style public input to lawmaking) mean for Mr Habermas’s deliberative model? Those planning next year’s anniversary festivities in Prague could do worse than to invite Messrs Havel and Habermas to a public discussion.

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