Diedrich Diederichsen über Glück

Im kürzlich erschienenen interdisziplinären Handbuch “Glück”, herausgegeben von Dieter Thomä, Christoph Henning und Olivia Mitscherlich-Schönherr, schreibt der Poptheoretiker Diedrich Diederichsen über “Figuren des Glücks in der frühen Pop-Musik“.

Es geht unter anderem um verfehltes Glück, falsches Glück, Glücklosigkeit, Glück unter Bedingungen der Entfremdung / Ausbeutung, Jefferson Airplane, Hippie-Musik, Beatles, Punk und die Kinks.

.

. .

Seneca fürs 21. Jahrhundert

Seneca und Stoizismus waren immer schon vergleichsweise populär. Das Interesse an Seneca nimmt in den letzten Jahren wieder zu. Die Popmusiker von “Get Well Soon” setzen sich auf ihrem jüngsten Album “Vexations” (Affiliate-Link) mit Seneca und stoischen Auffassungen auseinander. Warum, wie das MTV-Blog berichtet, das “ein bisschen zu viel des Guten” sein soll und Konstantin Gopper, der für die Kompositionen verantwortlich zeichnet, “aus der Kritik angesichts des intellektuellen Überbaus sicher lernen und beim dritten Album nicht ungefragt vorchristliche Theorien in die Runde pfeffern” wird, ist völlig unklar. In der Popmusik kann man jeden Scheiß machen, je bescheuerter desto publikumswirksamer, da sind Inhalte, die sich seit über 2000 Jahren in verschiedensten Situationen bewährt haben, definitiv nicht verboten.

Auch Mark Frauenfelder auf Boing Boing sieht das so, und rezensiert zustimmend das neue Buch von William B. Irvine, “A Guide to the Good Life: The Ancient Art of Stoic Joy“, (Affiliate-Link) erschienen bei OUP. Anschließend schrieb Irvine auf Boing Boing eine dreiteilige Serie über seine stoische Alltagspraxis.
Als Philosoph mag man Details von Irvines Stoainterpretation prüfen, oder fragen, wo die stoische Philosophie ergänzungsbedürftig ist, wie dies bspw. Martha Nussbaum in ihren Büchern in fairer Weise tut. Als Einstieg in eine solche philosophische Haltung, und als lebenspraktische Reflexion, sind die Beiträge jedenfalls gut geeignet. Deshalb: mehr davon!

Hier die Beiträge von William Irvine auf Boing Boing: Stoizismus für das 21. Jahrhundert:
Teil 1: Twenty-First Century Stoic — From Zen to Zeno: How I Became a Stoic
Teil 2: Twenty-First Century Stoic — Insult Pacifism
Teil 3: Twenty-First Century Stoic — Stoic Transformation

Update: Auf der Webseite von Get Well Soon gibt es 6 Stücke des neuen Albums als Konzertmitschnitt kostenlos zum Download. [via Spreeblick]

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Intelligentes Leben

. .

Tyler Cowen interviewt Peter Singer

Tyler Cowen (Marginal Revolution) interviewt Peter Singer zu seinem Buch “The life you can save”. Erschienen ist das Videointerview bei Bloggingheads.tv. Singer geht es um nichts Geringeres als die Beendigung von Armut. Die im Interview angesprochenen Themen sind:

Peter’s new book, “The Life You Can Save” (03:08)
What is the most effective way to end poverty? (06:45)
Genetically reprogramming humans to be more generous (05:35)
What charities does Peter give to? (06:27)
Advice for a young utilitarian (04:49)
How to achieve a higher happiness (03:17)

.

. .

Happiness commandments

Gretchen Rubin vom Blog “Happiness Project” hat eine Liste von Anweisungen zum Glücklichsein gepostet, die aus den Einsendungen ihrer Leser entstanden ist. Sie ist vermutlich zu lang, um sich jeden Punkt im Alltag zu merken, aber es sind interessante Anhaltspunkte dabei:

Forget the past.
Do stuff.
Talk to strangers.
Stay in touch.
Make haste to be kind.
Don’t wait.
Action, not reaction.
Always with love.
Baby steps.
Reverence.
Recognize my patterns.
Be present.
Don’t rehearse unhappiness. [This is one that I really need to think about!]
Live your values.
The more the merrier.
Love is all around.
Notice the color purple.
Friends are more important than sex.
Choose not to take things personally.
Be loving and love will find you.
Encourage others.
Enjoy simplicity.
Rejoice in beauty.
Deeds not words.
Slow down.
Please yourself.
Nothing lasts.
Music helps.
Only a bore is bored.
Do something different.
Consider the source.
Be the fun.
Cut your losses.

Ein paar Punkte kann man sicher noch verbessern. Zum Beispiel “Deeds not words” ist nach meiner Erfahrung nicht vollständig. “Taten” (Verhalten) werden so oft nicht bemerkt, Worte dagegen können allesentscheidend sein. Oft fehlt es nur am richtigen Wort, gerade in Konflikten, in denen das gestresste emotionale System alle Errungenschaften zunichte machen kann. Was fehlt ist nicht immer (aber manchmal) Freundlichkeit oder eine kluge verbale Beschwichtigungsstrategie, sondern eine treffende Stellungnahme, die Fragen beantwortet und Zweifel ausräumt. Das kann unendlich schwierig sein, gerade wenn das Gegenüber bereits vom emotionalen Stress überschüttet ist. Um es kurz zu machen: man sollte “Deeds not words” durch “Taten UND Worte” ersetzen.

TED: Dan Gilbert über synthetisches versus natürliches Glück

“Freedom is the friend of natural happiness, but freedom is the enemy of synthetic happiness.” Ein engagierter Vortrag des Psychologen Dan Gilbert (Harvard) auf der TED-Konferenz 2006: Why are we happy? Why aren’t we happy?
Zum Ansehen des Videos (21 Minuten) auf einen der Playerbuttons klicken, oder auf den Link oben.

TED: Martin Seligmann über Positive Psychologie

Bereits 2004 hat der Psychologe Martin Seligmann auf der TED-Konferenz über Positive Psychologie gesprochen. Seligmanns These ist, dass die Psychologie zwar Erfolge bei der Behandlung psychischer Erkrankungen habe, aber um ein Konzept der positiven Psychologie für alle Menschen, auch die nicht Kranken, ergänzt werden müsse. Dabei geht es darum, wie Glück, positives psychisches Befinden und Talente gefördert werden können.
Um den Film hier zu sehen, einfach auf den Player-Button klicken, für die Original TED-Seite den Link oben benutzen.

Seligmann ist Professor am Positive Psychology Center der University of Pennsylvania. Dort und auf der Authentic Happiness Webseite findet man weitere Informationen, Links und zahlreiche Tests (Registrierung erforderlich).

. .

Die Glücksungleichheit nimmt ab

In den USA ist das durchschnittliche Gesamtniveau, auf dem die Leute ihr Glücksempfinden ansiedeln, seit den 1970ern ungefähr gleich geblieben, während die Varianz, die Ungleichheit des Glücksniveaus, seitdem stark gesunken ist. Mehr dazu hier und hier, und hier die vollständige Studie (PDF). Möglicherweise liegt das daran, dass für zahlreiche soziale Gruppen (Schwarze, Homosexuelle, Frauen, Familien …) seit den 70ern rechtliche und ökonomische Verbesserungen kontinuierlich stattgefunden haben. [via]

Bücher über Happiness

Sue M. Halpern stellt bei der New York Review of Books einige aktuelle Bücher über Happiness vor. Zum Thema Glück liefert der Buchmarkt ja fortlaufend Neuveröffentlichungen. Das liegt zum Teil an der Unschärfe des Wortes “Glück”:

And so it comes back to the problem of relying on overly broad, categorical, static words like fear and happiness to describe, diagnose, predict, and expound, words that don’t get us very far, as patients, as subjects, as readers. This problem with language may explain why, though we all say we’re happy, the library of how-to-get-happy books and why-we’re-not-happy books is expanding.

Neu bei Philosophy Bites: Philosophie mit und ohne Akademie, sowie Aristoteles über Glück

Zwei neue Podcasts bei Philosophy Bites:

Alain de Botton diskutiert mit Nigel Warburton über Philosophie inner- und außerhalb des akademischen Betriebes und über den erforderlichen literarischen Stil.

Miles Burnyeat erläutert Aristoteles’ Konzeption von Glück.