“Jenes schwere Problem”

The hard problem” ist in der aktuellen Philosophie ein geläufiges Schlagwort. Genauer handelt es sich um das – von David Chalmers so benannte – “schwierige Problem des Bewusstseins” (s. Wikipedia englisch und deutsch). Das schwierige, oder harte, Problem des Bewusstseins ist die klassische Qualiafrage, also die Frage, warum es überhaupt Erlebnisgehalte gibt. Wenn alles mit physikalischen Dingen zugeht und es Erlebnisse gibt, ist dies in der Tat ein erstaunliches Phänomen.

Ganz ähnlich – und dieser Beitrag ist letztlich nur ein Hinweis auf diese Textstelle – erwähnte Immanuel Kant in der ‘Kritik der praktischen Vernunft’ “jenes schwere Problem … an dessen Auflösung Jahrtausende vergeblich gearbeitet haben” (KpV Original 172, AA 96). Dabei geht es allerdings nicht um Qualia, also phänomenales Erleben, sondern – in Kants Worten – um Freiheit, Naturnotwendigkeit und Kausalität (s. z.B. Wikipedia oder besser noch Ansgar Beckermanns Übersicht zum Problem der Willensfreiheit).

Was wäre ein selbstbestimmtes Leben? Rezensionen zu Peter Bieris “Wie sollen wir leben?”

Nach seiner Reflexion über das “Handwerk der Freiheit“, in der Peter Bieri, statt philosophische Lehren und Positionen aufzuzählen, sich in einer literarisch-philosophischen Weise einem lebensrelevanten Begriff von Freiheit nähert, ist nun mit seinem neuen Buch “Wie sollen wir leben?” ein weiterer solcher Versuch erschienen, in dem es um Selbstbestimmung und Selbsterkenntnis geht.

Bieri entfaltet explizit ein Verständnis von Philosophie, dass sie nicht auf reine “begriffliche Turnübungen” beschränkt, sondern sie bei der Klärung lebenspraktischer Fragen an die Seite der Psychologie stellt.

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Volker Gerhardt rezensiert Axel Honneths “Das Recht der Freiheit”

Volker Gerhardt rezensiert in der “Welt” Axel Honneths Buch “Das Recht der Freiheit”. Es sei ein “Ereignis in der Theoriegeschichte der Bundesrepublik. Hier kommt die Kritik nicht aus dem intellektuellen Off, hier wird nicht versucht, den Verhältnissen die Leviten zu lesen, sondern hier wird beschrieben, welche Entwicklung die Dinge im Gang der letzten beiden Jahrhunderte aus der Sicht der Soziologie genommen haben.

Honneths Buch stelle einen Paradigmenwechsel der Frankfurter Sozialkritik dar. Allerdings verkenne Honneth die “historische Rolle der Ideen, die unerlässlich sind, wenn es gilt, den Widerstand einer von puren Machtinteressen formierten Realität zu brechen.“. Die Wahrheit müsse man – so der Rezensent – nicht allein bei Hegel, sondern immer auch bei Kant suchen.

Links zu weiteren Rezensionen von Axel Honneths “Das Recht der Freiheit” finden sich hier.

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Axel Honneths neues Buch “Das Recht der Freiheit”

Im Juni ist das neue Buch von Axel Honneth erschienen: “Das Recht der Freiheit“. Der Titel lässt vermuten, dass sich Honneths Position von der Formel “Recht auf Freiheit” abheben soll. Mit dem Buch schließt Honneth an seine Untersuchungen über Anerkennung als zentrale Kategorie der praktischen und der Sozialphilosophie an.

Bei Political Theory hat es auch schon einen Hinweis auf das Buch gegeben. Von dort habe ich den Link zur Einleitung (PDF). In ihr erläutert Honneth sein Anliegen und sein Vorgehen. Er schließt an Hegels Rechtsphilosophie, ohne auf einen idealistischen Monismus oder die Theorie des objektiven Geistes zurückzugreifen.

Im Deutschlandfunk hat Christoph Fleischmann (Transkript und Audio) mit Axel Honneth über seine Konzeption gesprochen, die Gesellschaftsanalyse und politische Philosophie verbinden will, um zu “zeigen, wie die europäische Moderne Institutionen hervorgebracht hat, die bestimmte Werte verkörpern, die uns noch heute in die Pflicht nehmen. Werte fallen bei Honneth also nicht vom Himmel der Ideen, sondern werden in der Geschichte wirksam.

Ebenfalls im Deutschlandfunk hat Svenja Flaßpöhler Honneths Buch besprochen (auch Audio abrufbar).

Siehe auch diesen Beitrag und diesen Hinweis auf ein Fernsehinterview.

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Singer über Internet und Kritik an Internetutopien

Anlässlich des 10jährigen Jubiläums der Chronicle Review haben die Herausgeber Wissenschaftler und Künstler gefragt, welche Idee die nächste Dekade prägen wird. Peter Singer antwortet – ganz unpolemisch: Das Internet. Es werde neue Freiheiten schaffen.

Polemisch antwortet darauf Trevor Butterworth bei Forbes: “Erspart uns das Internet als Befreiungstheologie“. Der Herr Professor (Singer) sei ahnungslos, sein Beitrag voller Klischees. Butterworth führt ausgerechnet den irreführenden und viel diskutierten Beitrag bei Wired über das Verschwinden des Webs an.

Butterworths Skepsis bezüglich der überhypten Internetutopien finde ich angebracht, aber es wäre hilfreicher, würde er sie mit weniger polemischer Vernebelung beschreiben. Denn eines wird sicher die nächste Dekade prägen – wir werden noch mehr Polemik und noch mehr schlechte Argumentationen erleben, die die Sache vernebeln.

Rezension von Gellners ‘Conditions of Liberty’

Vor einigen Wochen ist John Halls Biografie über Ernest Gellner erschienen, die in den (natürlich nicht deutschen) Blogs einige Beachtung fand. Eines der Bücher Gellners, “Conditions of Liberty”, hat kürzlich Jacob Levy lesenswert rezensiert. [via]

Peter Singer über Internet-Freiheit

In seinem Artikel “The Unknown Promise of Internet Freedom” plädiert Peter Singer für ein freies Internet. Australien will Internetsperren einführen. Eine Leserumfrage des Sydney Morning Herald zeigte, dass 96 % sich dagegen aussprachen und nur 2 % dafür. Die Umfrage hatte die größte Beteiligung aller bisherigen Umfragen der Zeitung, und das eindeutigste Ergebnis.
Der Umbruch durch das Internet sei vergleichbar mit dem, den die Dampfmaschine hervorgebracht hat. Sie schaffe eine Informationsfülle und Informationsfreiheit, die zuvor höchstens denjenigen zugänglich war, die auf eine große Bibliothek zugreifen konnten.