Facebook löscht kirchenkritische Beiträge des Fernsehmoderators Domian

Wie der WDR berichtet, hat Facebook Beiträge des Fernsehmoderators Jürgen Domian gelöscht, in denen er sich kritisch mit kirchlichen Positionen auseinandersetzt. Domian teilte daraufhin mit, er sei “äußerst verärgert und fassungslos”. Die lauwarme Erklärung von Facebook räumt ein, “dass gelegentlich Fehler gemacht werden”. Ihr ist zu entnehmen, dass man offenbar auf Hinweise von “fanatischen Kirchenanhängern” – wie Jürgen Domian dies kommentiert – reagiert habe.

Die Maßnahme ist offenkundig eine Interpretationshilfe zum Verständnis sowohl von Facebook als auch von Religion.

Entfaltung der Persönlichkeit trotz Internet

In Freundschaften geht man ein Risiko ein – im Internet geht dieser Aspekt realer Beziehungen verloren, schreibt Roger Scruton in “Hiding behind the screen“. Fernsehen, Facebook, Second Life, iPod – deren Dominanz reduziert die Erfahrungsmöglichkeiten, die man braucht, um Selbstbestimmung (Fichte), Anerkennung (Hegel) und Entfaltung (Marx) zu erleben. Demgegenüber wird die Entfremdung durch den Fetischismus der Massenkultur (Adorno, Horkheimer) immer subtiler – und umfassender. Es fehlt an einer kritischen Haltung, die es den Menschen erlaubt, auf reale Erfahrungen und reale Emotionen Wert zu legen. Dazu gehört das Eingehen von Risiken – auch realer emotionaler Risiken, wie sie in naturwüchsigen Beziehungen drohen. Um zu einem moralischen Wesen zu wachsen, braucht es “risk, embarrassment, suffering, and love.