Seyla Benhabib erhält Meister-Eckhart-Preis

Die in Istanbul geborene, in Yale lehrende Philosophin Seyla Benhabib erhält den diesjährigen Meister-Eckhart-Preis, wie die NZZ berichtet. Auf der Webseite zum Preis ist davon noch nichts zu lesen.

Bisherige Träger des Preises sind Richard Rorty, Claude Lévi-Strauss, Ernst Tugendhat, Amartya Sen, Amitai Etzioni und Michel Serres.

Hacker-Kritik an Neurowissenschaftlern

Der für seine Studien zu Wittgenstein bekannte und in Oxford lehrende Philosoph Peter Hacker wird im Philosopher’s Magazine porträtiert. Darin geht es um Hackers Kritik an philosophischen Einlassungen von Neurowissenschaftlern, die meistens Unsinn seien – worin er mit vielen anderen Philosophen (wie beispielsweise Peter Bieri und Ernst Tugendhat) übereinstimmt. Außerdem betrachtet Hacker die Philosophie nicht als kognitive Wissenschaft in dem Sinn wie es die Naturwissenschaften seien, die gesichertes Wissen anstreben. Philosophie befasse sich dem gegenüber mit dem Verständnis unserer Wissens: “philosophy is not a quest for knowledge about the world, but rather a quest for understanding the conceptual scheme in terms of which we conceive of the knowledge we achieve about the world.

Ein Interview zu Hackers Kritik an den Neurowissenschaften ist auf deutsch auch bei Gehirn & Geist online nachzulesen.
Auf deutsch ist zuletzt bei Suhrkamp “Neurowissenschaft und Philosophie: Gehirn, Geist und Sprache” erschienen: eine Auseindersetzung um die philosophischen Grundlagen der Neurowissenschaften zwischen Maxwell Bennett, Peter Hacker, John Searle und Daniel Dennett.

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Oxforder John-Locke-Lectures als Podcast

Die Philosophische Fakultät der Universität Oxford stellt die aktuellen John Locke Lectures auf ihrer Webseite als Podcast bereit. Dort sind auch die Lectures aus dem vorherigen Jahr als Podcast sowie die der Jahre 2005 bis 2001 teilweise als PDF erhältlich. Zu Lectures von Philosophen, die vor 2000 in Oxford eingeladen waren (z.B. der in Deutschland bei jungen Philosophen oft unbekannte Robert Nozick, John McDowell oder Ernst Tugendhat) gibt es keine elektronischen Materialien.

Neurologie der Meditation

Wolf Singer schreibt in der FAZ über Merkmale der Meditation aus Sicht der Gehirnforschung. Dabei schildert er zunächst die Bedeutung der Synchronisation für alle Arten von geistigen Aktivitäten: “Die Repräsentation liegt also nicht an einem bestimmten Ort im Gehirn, sondern organisiert sich als verteilter Aktivitätszustand – als Aktivitätswolke, die sich durch Synchronizität ausweist.” Die Aufgabe des Gehirns ist es, Lösungen zu finden. “Eine nicht ganz abwegige Hypothese ist, dass sich Lösungen dadurch auszeichnen, dass hinreichend viele Neuronen in hinreichend weit verteilten Regionen hinreichend lange synchron aktiv sind. … Mein Verdacht ist, dass der zentralnervöse Zustand, den Meditierende herbeiführen, dem Zustand des Habens einer Lösung entspricht. Und das tut gut. Gleichzeitig werden die Inhalte, die im Bewusstsein aufscheinen, als passend empfunden.” Anschließend versucht Singer, mögliche positive Effekte der Meditation zu beschreiben und zu erklären.
Wolf Singer ist einer breiteren Öffentlichkeit durch seine Kritik am Begriff der Willensfreiheit bekannt geworden (hier ein Interview zu Habermas Einwänden gegen Singers Position). In der philosophischen Diskussion (bspw. E. Tugendhat, P. Bieri) wird diese Kritik aber oft als Fehldeutung des Freiheitsbegriffes bewertet.

Interview mit Ernst Tugendhat

In der taz ist kürzlich ein ausführliches Interview mit Ernst Tugendhat (English translation at signandsight or Eidos) erschienen, in dem er über seinen persönlichen Rückblick auf seinen philosophischen Werdegang und die Nachkriegsphilosophie in Deutschland berichtet. Tugendhat hat eine der interessantesten Perspektiven auf die philosophische Landschaft in Deutschland, weil er sie einerseits hervorragend kennt, andererseits aufgrund seiner Biografie und seiner philosophischen Interessen wie kaum ein anderer dazu geeignet ist, eine Außenperspektive einzunehmen. Er wird demnächst nach Brasilien umziehen (“Ich habe das Gefühl, dass für mich die Zeit des Philosophierens vorbei ist.”). Für die Philosophie erwartet er, dass Deutschland weiter ein besseres methodisches Bewusstsein und mehr Diskussionsdisziplin entwickeln muss, um an den maßgeblichen Entwicklungen teilzuhaben. Die philosophischen Ansprüche der Hirnforscher beurteilt er dagegen als unausgegoren und uninformiert – auch als Naturalist könne man nur feststellen: “was in den biologischen Wissenschaften mit Bezug auf den Menschen gemacht wird, da ist sehr wenig Sinnvolles.”

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