Die Segnungen des Internetdiskurses

Was manche Fußball nennen, nennen andere Soccer, wobei letztere durchaus nicht unrecht haben – denn Soccer war in London, Oxford und Cambridge in den 1870er Jahren die gebräuchliche und plausible Bezeichnung für Fußball im Gegensatz zu Rugger (Rugby). Nun sind Worte ein ausgezeichneter und würdiger Anlass für Streit und Beleidigungen – wofür die sozialen Netzwerke und Kommentare im Internet schließlich geschaffen wurden. Als paradigmatisches Beispiel mag mustergültig und vorbildlich (noch mehr Doppelungen krieg ich nicht unter) diese Rekonstruktion eines Internetdiskurses über die historisch-philologisch korrekte Bezeichnung für Fußball / Soccer dienen:

Bla bla: (Nicht nur) akademischer Unsinn

Die Verpeiltheit in mehr oder weniger öffentlichen Diskussionen konnte sich in ihrer kosmischen Pracht zwar in den letzten Jahren durch das Internet voll entfalten, war für den sensibel veranlagten Beobachter aber immer schon auch in ihrer nicht-elektronischen Ubiquität zu bewundern. Hier ein Beispiel aus dem akademischen “Diskurskontext”.

Sokrates über die Debattenkultur im Internet

Die sozialpsychologischen Mechanismen der Internetkultur sind einigermaßen trivial. Um hierzu dennoch große “Netzphilosophien” und “Systemtheorien” anzubieten, muss man denn schon die schlichten Sachverhalte möglichst obskur und getragen von religiösem Bekehrungseifer darstellen.

Einen der zentralen Mechanismen der “Netzdebatten” hat Sokrates beschrieben: “Denn was nach seinem eigenen Sinn gesprochen wird, daran freut sich ein jeder, was aber aus einem fremden, das ist ihm zuwider.” (Platon: Gorgias, 512b) Und wegen dieser nüchtern-realistischen Einschätzung empfiehlt Sokrates Vernunft und Moral als einzige intelligente Option.