Neurophilosophie und die Sucht nach Gruselmärchen

Stephan Schleim schreibt auf seinem Blog über die kritische Rezension, die Chris Frith in “Nature” über Patricia Churchlands neuestes Buch “Touching a Nerve” veröffentlicht hat. Frith ist genervt von den Strohmannpositionen (Dualismus / immaterielle Seele), die herangezogen werden, um neurodeterministische Gruselstories von genetisch determinierter Moral und Nichtexistenz von Willensfreiheit zu erzählen.
Der Neurohype wird angesichts der Megaforschungsprojekte der EU und der USA, von denen Schleim zu Beginn seines Artikels auch berichtet, in den nächsten Jahren sicherlich noch einen Gang zu legen.

“Jenes schwere Problem”

The hard problem” ist in der aktuellen Philosophie ein geläufiges Schlagwort. Genauer handelt es sich um das – von David Chalmers so benannte – “schwierige Problem des Bewusstseins” (s. Wikipedia englisch und deutsch). Das schwierige, oder harte, Problem des Bewusstseins ist die klassische Qualiafrage, also die Frage, warum es überhaupt Erlebnisgehalte gibt. Wenn alles mit physikalischen Dingen zugeht und es Erlebnisse gibt, ist dies in der Tat ein erstaunliches Phänomen.

Ganz ähnlich – und dieser Beitrag ist letztlich nur ein Hinweis auf diese Textstelle – erwähnte Immanuel Kant in der ‘Kritik der praktischen Vernunft’ “jenes schwere Problem … an dessen Auflösung Jahrtausende vergeblich gearbeitet haben” (KpV Original 172, AA 96). Dabei geht es allerdings nicht um Qualia, also phänomenales Erleben, sondern – in Kants Worten – um Freiheit, Naturnotwendigkeit und Kausalität (s. z.B. Wikipedia oder besser noch Ansgar Beckermanns Übersicht zum Problem der Willensfreiheit).