Interview mit Simon Blackburn über David Hume

Vor einem Jahr hat Nigel Warburton ein Interview mit Simon Blackburn über David Hume veröffentlicht. Blackburn empfiehlt fünf Bücher dazu: Humes ersten Enquiry und die Dialoge, die Hume-Bücher von Mossner und Kemp Smith, sowie Kants erste Kritik. Die Bemerkungen im Interview sind sehr interessant – man erfährt eine Menge darüber, wie Hume diskutiert wurde, und was er selbst dachte.

So heißt es über die “Dialoge über natürliche Religion”, dass Hume seinen überraschenden Rückzieher im 12. Kapitel wohl deshalb macht, weil er nicht mehr zeigen wollte als dass aus Überzeugungen zur Existenz eines Gottes oder einer finalen Ursache keine moralischen Implikationen folgen. All die Kriege, Dogmen und religiös begründeten Gesetze beruhen allein auf menschlichen Entscheidungen. Blackburn fasst dies so zusammen: “So, in a nutshell, as I like to put it, Hume’s position is you can’t check out of Hotel Supernatural with any more baggage than you took into it.

Viele weitere Themen werden in dem Interview angerissen: z.B. die Karrikatur der Aufklärung als vernunftfixiert. Und Kemp Smith habe gezeigt, dass Hume nicht beim Skeptizismus stehen bleibt, sondern eine naturalistische Position vertritt: “He’s interested in the mechanisms of the mind that lead to natural belief.

Und schließlich, die alles entscheidende Frage nach seinen persönlichen Favoriten beantwortet Blackburn wie folgt: Hume und Wittgenstein, und auch Aristoteles und Kant.

Über den ontologischen Gottesbeweis

John Haldane (St Andrews), Peter Millican (Oxford) und Clare Carlisle (Religionsphilosoph, London) diskutieren morgen auf BBC4 über den Ontologischen Gottesbeweis. Vermutlich wird die Sendung danach auf der Webseite des Programms abrufbar sein.

Anselm von Canterbury hat im Jahr 1077 die erste Version des Ontologischen Gottesbeweises formuliert. Es ist ein rein logisch-begriffliches Argument, das darauf hinausläuft, dass aus dem Begriff Gottes logisch auch seine Existenz bewiesen werden kann. Bekannte Varianten stammen von Descartes und Leibniz.
Als Kritker haben Thomas von Aquin, David Hume, Kant, Gottlob Frege, Bertrand Russell und Norbert Hoerster die logischen Mängel dieses Arguments aufgezeigt.

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Wilhelm Vossenkuhl über Derek Parfits “On What Matters”: “Ein Werk der Superlative”

Wilhelm Vossenkuhl rezensiert in der NZZ Derek Parfits voluminöses neues Buch “On What Matters“. (Weitere Hinweise zu dem Buch hier.)

Vossenkuhl gibt einen guten Überblick von Parfits Argumentation. Mit seiner Einheitstheorie der Moral, die das “richtig zusammengefügte und von Fehlern bereinigte Alte” der Konzeptionen von Kant, Scanlon und Sidgwick enthalte, tritt er gegen “internalistische” Moraltheorien an, die sich auf Hume berufen und “auf die Kraft von Motiven, Wünschen und Willensakten” setzen. Seiner wertbasierten Theorie fällt auch die mikroökonomische Theorie des Begehrens zum Opfer.

Da man mit Parfits Theorie Schritt für Schritt zu konkreten Zielen moralischen Handelns – wie dem Verzicht von Reichen auf einige Luxusgüter oder die Bewahrung des Planeten – kommt, “ist «On What Matters» trotz den erwähnten Defiziten ein Werk der Superlative, das die geduldige Lektüre lohnt“.

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Ein Buch, das alle (Psychologen) lesen sollten

Ein Buch, das alle lesen sollten? Auf eine solche Frage wird man 4 Antworten bei 3 Befragten erwarten. Das scheint auch auf diese Linkliste für Psychologen zuzutreffen, mit Ausnahme einer Empfehlung – der einzigen nämlich, die mehrfach genannt wurde: William James‘ “Principles of Psychology” aus dem Jahr 1890.

Dieses Buch ist ein Klassiker und ein Meisterwerk der Wissenschaftsprosa. Er setzt sich darin unter anderem mit Positionen von David Hume, Immanuel Kant, John Stuart Mill, Wilhelm Wundt und Ernst Mach auseinander. James nimmt sowohl zum Materialismus als auch zum Dualismus eine differenzierte, pragmatische Haltung ein.

Digitalisierte Ausgaben der “Principles of Psychology” sind hier zu finden – leider nur auf englisch. Eine deutsche Übersetzung gibt es aktuell nicht.

War Hume ein Utilitarist?

Hume “concludes that we tend to feel a sentiment of approbation for actions or traits of character that are “useful or agreeable to ourselves or others.” This formula, which he repeats many times, has led some commentators to conclude that Hume is a utilitarian, but I think that is a mistake. Hume does not say that we ought to approve of what is useful or agreeable to ourselves or others. He simply observes that we do, and if someone [such as Kant, for example] were to argue that we ought not to base our moral approbation on these considerations, Hume would, I think, reply that in fact we do, and short of changing human nature, there is nothing we can do about altering our natural tendencies.”

(Robert Paul Wolff, The Philosophy of Hume – Part Thirteen, Sept. 14, 2011)

David Humes 300. Geburtstag – 3. Teil

Aus den zahlreichen Postings zu Humes 300. Geburtstag möchte ich noch Folgendes hervorheben:

Wie David Hume unglücklich in Mme. de Boufflers verliebt war und ihr dennoch lebenslang ein freundlicher Berater blieb.

Bei Crooked Timber nimmt Cosma Shalizi die Aufstände in Nordafrika zum Anlass, bei Hume nachzusehen.

Noch mehr Hume zu seinem Geburtstag

Bei Philosophy Bites gibt es einen Podcast mit Paul Russell über Humes Traktat. Es geht um die Frage, wie Humes Skeptizismus und sein Bestreben, sich positiv über die menschliche Natur zu äußern, verstanden werden können.
Ein weiterer Podcast (Direktlink zur MP3) mit dem Oxforder Hume-Spezialisten Peter Millican behandelt den Stellenwert von Humes Philosophie.

300 Jahre David Hume

Am 26. April jährt sich der 300. Geburtstag von David Hume. Zahlreiche Veranstaltungen, insbesondere in Edinburgh, werden aus diesem Anlass angeboten.
So zelebriert die Universität Edinburgh “Hume’s Birthday Party”, und am 18. Juli wird Amartya Sen einen Vortrag halten, der auch den Auftakt zur Konferenz der International Hume Society bildet.