Pics and nothing happens

Ich war heute einem Jugendlichen behilflich, seinen Rechner wieder halbwegs gangbar zu machen. Einmal abgesehen davon, dass ich mir nach jahrelanger beruflicher Überdosis der kafkaesken Computerwartungstätigkeit (eines von Milliarden alltäglichen Beispielen hier), die wir heute als Zivilisationstechnik hinnehmen, nur ein minimales Residuum von Enthusiasmus für digitale “Verbesserungen” bewahrt habe, war die allererste wichtige Maßnahme an dem Teeniecomputer, erst einmal Plattenplatz frei zu machen. Denn die Platte war voll, bis an den Rand (die neuen Macbooks mit ihren 128GB Flashspeicher sind ja auch niedlich – da werden Krauses von nebenan bald eine Menge Spaß haben). Auf die Schnelle war es das Einfachste, die Unmengen an Grafikdateien – alles selbstgeschossene Fotos – auf einen externen Speicher zu verschieben, um überhaupt erst einmal wieder Luft zum Atmen zu bekommen. Und während der Speichervorgang so vor sich hin speicherte bestand reichlich Gelegenheit, darüber zu philosophieren, was man eigentlich mit den vielen tausend digitalen Fotos, die man so ansammelt, macht.

Nichts, weitestgehend. Wie diese Infografik veranschaulicht.

Nice to have

Zur Würdigung der Segnungen der Technik gehört ja immer auch eine Berücksichtigung soziokultureller Aspekte.

Nun ist es nichts Neues, dass einige wenige Mensche rücksichtslose Spinner oder narzistische Trolle sind. Für diesen Typus ist es leicht, jede Art von Diskurs zu prägen und das Niveau weit nach unten zu drücken. Die Segnungen der Technik erleichtern und vervielfältigen die Bekanntschaft mit ihm. Die “sozialen” Netzwerke sind ein offenkundiges Beispiel dafür. But there’s more to come.

Hübsch ist dieses Resultat einer Vermietung über AirBnB in Calgary:

Auch der Spaß mit den praktischen Drohnen wird sicher zunehmen angesichts der Möglichkeiten:


Wired spricht jedenfalls vom Beginn der Ära des Drohnen-Vandalismus. [via]

Aber auch die Internetunternehmen, tragen ihr Scherflein zum Irrsinn bei. Seit Jahren bestehen “Erlebnisverbesserungen” in Zwangsmaßnahmen und digitalen Entmündigungen (hier wird ein Beispiel von Google beiläufig erwähnt – man hat sich schon längst daran gewöhnt). Apple ist aber immer ein innovativer Vorreiter, auch in dieser Hinsicht.

Das Smartphone als PC

Marketing von Microsoft für Windows Phones mit Windows 10:

Nicht schlecht – allein, mir fehlt der Glaube. Seit Jahren ist der Trend bei Apple, Google, Microsoft usw. (von Facebook, Twitter etc. ganz zu schweigen), dass “Verbesserung” letztlich Beschneidung, Behinderung und Verblödung bedeutet. Wird man mit den neuen Windows 10 Phones beispielsweise die Inhalte der Speichermedien komfortabel und vollständig kontrollieren können? Lassen wir uns überraschen.

Digitale Verbesserungen

Ein Beisiel von Millionen: Nach der letzten Änderung der Oberfläche in Blender 2.5 wird sich mit Blender 2.7 nun die Oberfläche ändern. (Heise)
Alter Hut, aber wichtiges Designprinzip bei GUI-Optimierungen: zentrale Funktionen beim Versionswechsel an die entgegengesetzte Stelle auf dem Bildschirm packen.

A propos Geisteswissenschaften, Internet und Computer

Die Behauptung, die Geisteswissenschaften würden sich nach wie vor nicht mit dem Internet und den neuen Technologien beschäftigen, ist ja in den letzten drei, vier Jahren immer wieder mal geeignet, ein wenig Aufmerksamkeit zu erregen. Und wenn man es eben nicht besser weiß, glaubt man gern, dass sie stimmt. Vergeistigte Kopfmenschen haben bestimmt noch nicht vom Internet gehört, und den Goethe würden sie dafür nicht aus der Hand legen. Das weiß doch jeder. Wenn man dann auf das Gegenteil hinweist (bspw. das riesige Gebiet der Technik- und Medienethik), so wird das gern ignoriert.

Heute habe ich mal wieder einige Schulbücher für den Philosophieunterricht durchgesehen. Zwei Bücher davon sind der Praktischen Philosophie gewidmet. Sie sind aus unterschiedlichen Verlagen und behandeln das Thema Mensch, Computer und Internet in einem eigenen Kapitel. Beide aus dem Jahr 2001.