Qualitätsprobleme bei eBooks

Ein derzeit augenfälliger Nachteil von E-Books ist die nicht selten geringe Textqualität. Zahlreiche Rechtschreibfehler, manchmal kuriose Absätze, nicht funktionierende oder nicht existente Seitenverweise, überhaupt eine meistens fehlende Referenzierbarkeit (“Seitenzahlen”), Formatierungsprobleme, die sich offenbaren, wenn man die Schriftgröße ändert – dies sind einige der Ärgernisse, denen man als E-Book-Leser regelmäßig begegnet.

Joanna Cabot berichtet bei Teleread, dass Texte offenbar nach der Konvertierung ins E-Book-Format nicht mehr geprüft werden.

Neuausgabe der Briefe Senecas

Bei Reclam ist eine neue vollständige, übersetzte Ausgabe der Briefe Senecas an Lucilius (der epistulae morales) erschienen. Herausgegeben wurde das 780 Seiten umfassende Werk von Marion Giebel, die schon zahlreiche Werke der antiken Philosophie und Literatur übersetzt und herausgegeben hat. Auch eine Biografie zu Seneca hat sie im Rowohlt-Verlag veröffentlicht. Ob die Übersetzungen für diese Ausgabe neu angefertigt wurden oder aus den zahlreichen deutsch-lateinischen Einzelausgaben der Briefe bei Reclam stammen, kann ich nicht sagen, da ich noch keinen Blick ins Buch werfen konnte und die Reclam-Webseite dazu nichts sagt. Ergänzt wird diese Ausgabe um Zugaben wie Anmerkungen, eine Übersicht über die stoische Philosophie, ein Literaturverzeichnis und ein Nachwort.

Damit liegen die Briefe Senecas in ihrer erschwinglichsten deutschsprachigen Version vor (39,95 Euro). Soweit ich weiß, gibt es dann noch derzeit auf dem Buchmarkt die zweisprachige und zweibändige Ausgabe in der Reihe “Tusculum”, die aber Einiges mehr kostet, sowie die zweisprachige Studienausgabe der Philosophischen Schriften Senecas von Manfred Rosenbach in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, deren Übersetzung sich bewusst eng an das Lateinische anlehnt und damit für heutige deutschsprachige Ohren manchmal ungewohnt ist.

Seneca hat diese Briefe in den letzten Lebensjahren geschrieben. Sie enthalten einige markante Passagen, die oft zur Erläuterung der stoischen Philosophie herangezogen werden, aber auch interessante, manchmal kuriose Details über das Leben zu Senecas Zeiten, wie etwa die Schilderung des übermäßigen Luxuslebens der Begüterten, das der Stoiker Seneca naturgemäß weder für vertretbar noch für heilsam hält.

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Habermas und die Römer

Rechtzeitig zum Fest stellt Spiegel-Online einige neue Bücher vor. Unter den Kurzrezensionen befindet sich auch die Habermas-Biografie von Stefan Müller-Dohm und ein neues Buch über Augustus von Ralf von den Hoff, Wilfried Stroh und Martin Zimmermann. Geeignete Lektüre, um aus den intellektuellen Höhen von Twitter und Facebook hinabzusteigen in die Welt der Information und Argumente.

Bücher zur Geschichte des antiken Griechenland

Für den Laien ist es nicht leicht, Bücher zur antiken Geschichte zu finden, die einen guten Überblick bieten ohne zu sehr durch die für ihn kaum durchschaubare fachwissenschaftliche Diskussion einer aktuellen Historikerkontroverse geprägt zu sein. Hier eine Auswahl von drei Büchern zur Geschichte Athens und Spartas, die dies zu leisten scheinen:

Martin Drehers “Athen und Sparta” liegt im Beck-Verlag in zweiter, aktualisierter Auflage mit 223 Seiten vor. Preis: 19,95 Euro.

Charlotte Schuberts Studienbuch “Athen und Sparta in klassischer Zeit” gibt es bei Lehmann Media (258 Seiten). Ein Buch gleichen Titels von ihr erschien 2003 im Metzler-Verlag – dies scheint also eine Neuauflage / Neuausgabe zu sein. Preis: 14,95 Euro.

Athen und Sparta” von Raimund Schulz erschien 2011 in vierter, aktualisierter Auflage mit 180 Seiten bei der WBG. Preis: 17,95 Euro.

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Eine Annäherung an Platon

Die platonischen Dialoge (jedenfalls die frühen und mittleren) sind ein Fundament der kulturellen Ausbildung. Leider stellen sie für Laien und Anfänger zunächst eine gewisse Hürde dar; – wenn auch keine, die bspw. die ordentliche Wartung des persönlichen Computerequipments mit Sicherheitstechnik, oder andere hirnrissige Betätigungen des modernen Alltagslebens, prinzipiell übersteigt.

Über den englischen Wikipedia-Eintrag zu Platons Dialog “Gorgias” habe ich den Link zu einem PDF-Buch über Platons frühe und mittlere Dialoge gefunden: Approaching Plato: A Guide to the Early and Middle Dialogues. Das Buch enthält (in Englisch) eine Einführung, einen Essay “Happiness and Eudaimonia” und dann zu jedem der 15 behandelten Dialoge eine kurze Übersicht, eine detailierte Übersicht und einen interpretierenden Essay.

Natürlich ersetzt dies nicht die Lektüre der platonischen Dialoge. Es könnte dem interessierten Leser aber eine kleine Unterstützung sein.

Ernest Gellner über Wittgenstein und Sprachphilosophie

Im vorigen Beitrag habe ich Ernest Gellners Buch “Words and Things” erwähnt, das von Ushanov kritisiert wird. Das Buch ist online hier zugänglich, und auf den ersten Blick scheint Gellners Argumentation nicht völlig daneben zugehen.

In der Einleitung zum Buch stellt Bertrand Russell fest, diese Sprachphilosophie enthalte als essentiellen Bestandteil einen Mystizismus, der schon in Wittgensteins Tractatus zu finden sei. Im Abschnitt über den Naturalismus enthüllt uns Gellner dann ironisch “DAS Geheimnis des Universums”, wie es sich aus Sicht der Philosophie der normalen Sprache darstellen soll:

“Seine Formulierung lautet: Die Welt ist das, was sie ist.”

Gegen die damit einhergehende abstinente Neutralität gegenüber der Welt beschließt Gellner das Buch mit den Worten:

“Philosophy is expliciteness, generality, orientation and assessment. That which one would insinuate, thereof one must speak.”

Sibylle Lewitscharoff über ihren Roman “Blumenberg”

In ihrem Roman “Blumenberg” schreibt Sibylle Lewitscharoff über das Lebensgefühl und die intellektuelle Orientierung der Studenten der 1980er Jahre. Für das Buch erhielt sie 2011 den Wilhelm-Raabe-Preis. Es ist eine literarische Mentalitätsstudie einer Zeit, in der junge Erwachsene ihr Lebensgefühl in No-Future, Pop- und Punkmusik fanden – und in der Intellektuelle wie Hans Blumenberg und Jürgen Habermas das akademische geistige Milieu prägten.

In einem Interview mit dem Standard spricht Lewitscharoff über ihren Roman, dessen junge Protagonisten kein glückliches Ende finden. Die geistige Landschaft dieser Zeit war durch einen riesigen Überbau geprägt. Bei Habermas fand man sein Futter an realitätsbezogener Zeitdiagnose “in verdaulichen Portionen vor. Bei Blumenberg wurde man in Ausuferungen hineingetrieben: in die Antike, in die Scholastik, in die Musik. … Wohin soll so ein armer Student jetzt mit seiner Bewunderung?

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Das Wall Street Journal schreibt über Pascal Mercier (Peter Bieri)

Nachtzug nach Lissabon” von Pascal Mercier (aka Peter Bieri) ist in zahlreiche Sprachen übersetzt worden und war auch international ein großer Erfolg. “This was a novel that changed you”, wie Sam Sacks im Wall Street Journal berichtet. Auch wenn man dem Buch an manchen Stellen den Akademiker im Autoren anmerke (“instructing without entertaining“), habe es seine feinen, belebenden Stellen, die die Leidenschaft des Publikums für das Buch erkläre.

Nun ist auch Merciers älterer Roman “Perlmanns Schweigen” in den USA erschienen. Doch es sei in Vielem das Gegenteil von “Night train to Lisbon“, so der Rezensent Sacks. Mercier allerdings sei gut darin, die Agonie des Wissenschaftlers Perlmann zu beschreiben, doch sei das mit 600 Seiten zu lange Buch über die Lebenskrise des Romanhelden schmerzhaft zu lesen.

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Auszeichnung für Ursula Renz

Ursula Renz hat für ihr Buch “Die Erklärbarkeit von Erfahrung: Realismus und Subjektivität in Spinozas Theorie des menschlichen Geistes”, erschienen bei Klostermann, den Preis des Journal of the History of Philosophy für die beste Veröffentlichung zur Philosophiegeschichte im Jahr 2010 erhalten.

Eine Rezension des Buches hat Martin Saar im September bei NDPR veröffentlicht.

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