Posts Tagged Bertrand Russell

Naturalistischer Enthusiasmus

Der Titel “Naturalistischer Enthusiasmus” ist erklärungsbedürftig, und möglicherweise auch falsch gewählt. Der “Enthusiasmus” im hier gemeinten Sinn ist vielleicht von Shaftesbury her geläufig. Insofern ist nicht etwa ein Enthusiasmus (oder gar Fanatismus) für den Naturalismus gemeint, sondern vielmehr eine grundsätzliche Einstellung zum Leben, zur Natur und den menschlichen Bestrebungen. (Über den Unterschied des philosphischen Naturalismus zu Stilbezeichnungen in der Kunst mit dem gleichen Namen siehe die Kommentare.)

Manchmal hilft der Verweis auf – beliebte oder unbeliebte – Autoritäten, eine Sache verständlich zu machen. Richard Dawkins schreibt in seinem “Blinden Uhrmacher”, dass er, wenn es um die Ehrfurcht vor Lebendigem geht, hinter niemandem zurückstehe. Er werde zwar die theistische Erklärungshypothese, wie sie beispielsweise William Paley formuliert hat, mit Hilfe einer besseren Erklärung (der darwinschen) widerlegen. “Eines aber werde ich nicht tun“, so Dawkins. “Ich werde das Wunder der lebenden ‘Uhren’, die Paley mit solcher Begeisterung erfüllten, nicht herunterspielen.” (München, dtv, 1990, S. 18)
Hier ist also auch von Begeisterung die Rede. Und Dawkins führt weiter aus, dass man nicht, nur weil man eine alternative Erklärung (zur teleologischen) liefere, die “Komplexität und Schönheit des biologischen Plans” unterschätzt.

Meine Frage an geneigte Leser ist: gibt es literarische, poetische, philosophische Texte von Naturalisten, die in diesem Sinne “positiv” oder begeistert sind? Gibt es eine naturalistische Poesie, naturalistische Erbauungslektüre, naturalistische Ermunterungs- und Inspirationsratgeber? Gibt es Autoren, die mehr oder weniger als Naturalisten zu verstehen sind, und den Menschen ermuntern, Natur, Gesellschaft, Kultur, Psyche, Vernunft und Emotionen wertzuschätzen?
Möglicherweise könnte man Heine so lesen, und einige Äußerungen Russells und Einsteins gehen in diese Richtung.

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Bertrand Russell über Klarheit

Aristoteles hat die Suche nach Erkenntnis als eine Frage der Einstellung gesehen (Zweite Analytik, II, 19; 99b17), wobei uns die antiken Philosophen die Rationalität als Ausweg aus dem bloßen Meinen und dem gewaltsamen Übertrumpfen anempfehlen. Rationales, nachvollziehbares Argumentieren ist die demokratische, intersubjektive Methode, die von allen denjenigen, die die Welt mit ihrer Überzeugung beglücken wollen, ohne kritische Fragen zuzulassen – auch besonders heute wieder – verachtet wird.

Für die rationale Einstellung sprach sich der Pazifist, Logiker, Lebensberater, Schriftsteller, Philosoph und Nobelpreisträger Bertrand Russell aus:

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Frauen in der Philosophie

Richard Zach berichtet im LogBlog über Frauen in der Philosophie, die heute wenig bekannt sind.
Er verweist auf den neuen Eintrag für Emily Elizabeth Constance Jones in der Stanford Encyclopedia of Philosophy. E.E.C. Jones war eine Kollegin von Russell und Moore in Cambridge, die zu Logik und Ethik geforscht hat. In diesem Eintrag werden weitere Frauen in der fühen analytischen Philosophie erwähnt: Christine Ladd-Franklin, Victoria Welby, Dorothy Wrinch, Susanne Langer und Susan Stebbing.

Hinzufügen muss man noch Rose Rand, 1903 in Lemberg geboren, die in ihrem Leben zahlreiche Hindernisse überwinden musste.

Nachtrag: Pete Mandik zitiert Bertrand Russells bekannte Textstelle über den Solipsismus, in der er Christine Ladd-Franklin als eminente Logikerin erwähnt. Allerdings kann er den von ihr befürworteten Solipsismus nicht nachvollziehen:
As against solipsism it is to be said, in the first place, that it is psychologically impossible to believe, and is rejected in fact even by those who mean to accept it. I once received a letter from an eminent logician, Mrs. Christine Ladd-Franklin, saying that she was a solipsist, and was surprised that there were no others. Coming from a logician and a solipsist, her surprise surprised me.” (Russell, p. 180). Russell, Bertrand., Human Knowledge: Its Scope and Limits,London: George Allen & Unwin, 1948. (zitiert via)

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Agnostizismus und Atheismus, Russell und Grayling

Benjamin S Nelson schreibt bei Talking Philosophy über den Unterschied von Agnostizismus und Atheismus, und ob es den überhaupt gibt. Russell hat hier differenziert, während A.C. Grayling sagt, man könne keinen Unterschied zwischen beiden Positionen machen. Der Artikel untersucht und kritisiert Graylings Position.

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Pazifismus im 1. Weltkrieg

Hier ein Stück über britische Kriegsdienstverweigerer im 1. Weltkrieg und Bertrand Russells pazifistisches Engagement.

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Was ist Analytische Philosophie? Nichts als Anti-Metaphysik oder Logik?

Pierre Wagner schreibt bei Eurozine über falsche, weil verkürzende Vorstellungen von Analytischer Philosophie: “The linguistic turn and other misconceptions about analytic philosophy“. Ist Analytische Philosophie dezidiert antimetaphysisch? Heute macht Metaphysik einen großen Teil der analytischen Forschung aus – wenn auch nicht in der Art, wie sie von Hegel oder Bergson betrieben wurde. Ist Analytische Philosophie unhistorisch? Schon einer der “Gründerväter”, Bertrand Russell, hat umfangreich über die Geschichte der Philosophie geschrieben. Wichtige Interpretationen von Platon und Aristoteles stammen aus der Feder von analytischen Philosophen. Ist Philosophie die “Magd der Wissenschaften”? Nicht bei Quine, nicht bei Wittgenstein, und es lassen sich viele Belege in der heutigen Analytischen Philosophie für eine gegenteilige Meinung finden. Sind analytische Philosophen hauptsächlich linguistische Philosophen? Wie ist der “linguistic turn” zu verstehen? Jedenfalls nicht eindeutig in der Weise, so Wagner, dass alle analytischen Philosophen damit auf ein Programm festgelegt wären. Die Analytische Philosophie ist zu vielfältig, als dass sie sich ausschließlich mit einem der genannten Programmpunkte charakterisieren ließe.

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London in einem Farbfilm des Jahres 1927

Claude Friese-Greene, der die Farbfilmtechnik seines Vaters William weiterentwickelt hat, hat 1927 einen Farbfilm von London gedreht. Der Film ist ein interessantes zeitgeschichtliches Dokument, dass einen bemerkenswerten Eindruck der Zeit vermittelt, in der Philosophen wie Bertrand Russell, George Edward Moore, Gilbert Ryle oder Alfred Jules Ayer in Großbritannien gelebt haben. 1929 kehrte Ludwig Wittgenstein nach Cambridge zurück.


[via How to be a retronaut]

Einen ebenfalls in England gedrehten und qualitativ besseren Farbfilm aus dem Jahr 1939 kann man hier sehen.

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BBC Interview mit Bertrand Russell auf YouTube

1959 hat die BBC ein Fernseh-Interview mit Bertrand Russell geführt, das in drei Teilen auf YouTube zu sehen ist: hier, hier und hier.


[via]

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Russells Reith-Lecture online hören

Bei der BBC gibt es jährlich die Reith Lectures, deren Ziel so beschrieben wird: “Series of annual radio lectures on significant contemporary issues, delivered by leading figures from the relevant fields.
Die Lectures der vergangenen zehn Jahre werden regelmäßig auf der Webseite der BBC als Audiodatei zur Verfügung gestellt. Aber auch einige ältere sind dort abrufbar, darunter die erste aus dem Jahr 1948, von Bertrand Russell mit dem Titel “Authority and the Individual” (Format: Real Audio). [via]

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Fotografien von Bertrand Russell

Zahlreiche, zum Teil sehr interessante Fotografien, von denen ich viele noch nicht kannte, findet man in der Bertrand Russell Gallery, und bei Bertrand Russell’s Photoghraphs von R. Muhammad.

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Moral ohne Gott. Natürlich.

Ronald Aronson hat “Living Without God: New Directions for Atheists, Agnostics, Secularists, and the Undecided” veröffentlicht, das Doug Ireland im New Humanist sehr begrüßt. Gut. Wichtig. Zurecht. Aber wtf? Die Moralphilosophie füllt seit 2500 Jahren ganze Bibliotheken mit Konzepten, die ohne Gott und übernatürliche Wesen auskommen. Das ist state of the art. Wie wäre es mit Aristoteles, mit David Hume, Voltaire, Immanuel Kant, Arthur Schopenhauer, John Stuart Mill, Bertrand Russell, John Leslie Mackie, John Rawls, Richard M. Hare, usw. usw.?
Also, vermutlich ein interessantes Buch. Aber mal grundsätzlich zur heißen Luft, die da derzeit umgewälzt wird: religiöse Konzeptionen sind weit zurück in der Defensive, weit und breit kein argumentatives Land zu sehen für sie. [via TPM]

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Stil in der Philosophie

Brian Leiter sammelt Vorschläge zur Beantwortung der Frage, welche Philosophen man Studenten empfehlen sollte, wenn man ihnen guten Stil zeigen will. John McDowell, Martin Heidegger, Jacques Derrida (und ich würde Hegel hinzufügen) sollte man stilistisch nicht zum Vorbild nehmen.

Aus den Kommentaren kann ich vielen Vorschlägen für guten Stil zustimmen: Hilary Putnam, Bertrand Russell, Karl Popper, David Hume, Peter Singer, vielleicht auch Descartes. Aus dem gegenwärtigen deutschsprachigen Raum fallen mir auf Anhieb Günther Patzig und Hans Albert ein. Welche Vorschläge haben Sie?

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