Kants Vorlesungen zur Anthropologie

Kants Vorlesungen zur Anthropologie stehen nicht gerade in dem Ruf, zu seinen bekanntesten oder gar wichtigsten Werken zu gehören. Sie gelten eher als teils kuriose Sammlung nicht immer fundierter Bemerkungen Kants, die so manche Stereotypen und Vorurteile seiner Zeit transportieren. Hinzu kommt der Umstand, dass sie auf den Mitschriften seiner Zuhörer beruhen und ihre Authentizität somit problematisiert werden könnte.

Martin Sticker rezensiert bei NDPR die bei Cambridge University Press von Alix Cohen herausgegebene Aufsatzsammlung “Kant’s Lectures on Anthropology: A Critical Guide“. Die Aufsätze werfen ein Licht auf Kants pragmatische Bemühungen und sein – oft übersehenes – Interesse an empirischen Fragestellungen. Sticker skizziert die Themen dieser Aufsätze und kommt zu einem insgesamt positiven Gesamturteil über das Buch.

Höffes neue Einführung in die Ethik

Bei Beck ist von Otfried Höffe “Ethik. Eine Einführung” erschienen. In dem schmalen Band führt Höffe den Leser von den anthropologischen Grundlagen zu den Grundmodellen der Ethik. Der Mensch ist ein zur Moral fähiges Wesen, wie er ja auch ein zur Vernunft fähiges Wesen ist – ein “animal rationabile” und ein “animal morabile”. Es liegt an ihm selbst, diese Potenziale durch Bildung und Selbstbildung zu aktualisieren. Ein Rezension von Höffes Buch hat Uwe Justus Wenzel in der NZZ veröffentlicht.

Digitalisat von Ciceros Tusculanae disputationes, Buch 1

Johannes Reuchlin hat im Jahr 1501 Buch 1 von Ciceros Tusculanae disputationes übersetzt. Das Buch befindet sich als Cod. Pal. germ. 482 in der Universitätsbibliothek Heidelberg, die es nun als Digitalisat online gestellt hat. Verfasst wurde es als Trostschrift für Kurfürst Philipp von der Pfalz aus Anlass des Todes von dessen Gattin, Margareta von Bayern-Landshut, in westschwäbischer Sprache.

Buch 1 der Tusculanae disputationes befasst sich mit dem Tod und der Unsterblichkeit der Seele. Cicero präsentiert und bewertet in diesem Text die Positionen zahlreicher Philosophen.

1457 war in Neapel Giannozzo Manettis ‘De dignitate et excelentia hominis’ erschienen, das in wichtigen Punkten auf Ciceros Argumenten in dessen Buch aufbaut und diese teils wörtlich übernimmt. Die Tusculanae disputationes hatten also einen gewissen Stellenwert für das neue Weltbild der Renaissance – Reuchlins Übersetzung ist ein Teil davon.

Tierische Rituale beim Tod eines Artgenossen

Bilder von “trauernden” Elefanten oder Menschenaffen kann man gelegntlich in den Medien sehen. Dabei ist es ein noch nicht ganz aufgelöstes Problem, hier von “Trauer” zu sprechen, also den Tieren strukturell ähnliche emotionale und kognitive Prozesse zuzusprechen, wie wir sie von uns selbst kennen.

Die Tatsache allerdings, dass man bei Tieren spezifische Verhaltensweisen als Reaktion auf den Tod von Artgenossen beobachtet, ist gut erhärtet. Barbara J. King berichtet bei NPR in “Do Birds hold funerals” darüber, und kündigt ihr Buch “How Animals Grieve” für April 2013 an.

Das Phänomen der “Trauerrituale” bei Tieren ist nicht einfach nur eine zoologische Kuriosität. Als eine Instanz des emotionalen, kognitiven und sozialen Verhaltens von Lebewesen ist es im Rahmen eines naturalistischen Verständnisses des Lebens von besonderem Interesse.