“Jenes schwere Problem”

The hard problem” ist in der aktuellen Philosophie ein geläufiges Schlagwort. Genauer handelt es sich um das – von David Chalmers so benannte – “schwierige Problem des Bewusstseins” (s. Wikipedia englisch und deutsch). Das schwierige, oder harte, Problem des Bewusstseins ist die klassische Qualiafrage, also die Frage, warum es überhaupt Erlebnisgehalte gibt. Wenn alles mit physikalischen Dingen zugeht und es Erlebnisse gibt, ist dies in der Tat ein erstaunliches Phänomen.

Ganz ähnlich – und dieser Beitrag ist letztlich nur ein Hinweis auf diese Textstelle – erwähnte Immanuel Kant in der ‘Kritik der praktischen Vernunft’ “jenes schwere Problem … an dessen Auflösung Jahrtausende vergeblich gearbeitet haben” (KpV Original 172, AA 96). Dabei geht es allerdings nicht um Qualia, also phänomenales Erleben, sondern – in Kants Worten – um Freiheit, Naturnotwendigkeit und Kausalität (s. z.B. Wikipedia oder besser noch Ansgar Beckermanns Übersicht zum Problem der Willensfreiheit).

Ansgar Beckermann über Willensfreiheit und Gerhard Roth

Am 6. März hat Ansgar Beckermann vor der Philosophischen Gesellschaft Bremen und der Wissenschaftsvereinigung “Wittheit” einen Vortrag zum Thema “Gehirn, Ich, Freiheit” gehalten. Das Vortragstehema ist der Titel seines gleichnamigen Buches. Aus diesem Anlass hat Radio Bremen ein Interview mit ihm geführt, das hier zu hören ist.
Beckermann geht kritisch auf die Argumente von Neurowissenschaftlern wie Gerhard Roth oder Wolf Singer ein, die behaupten, die Libet-Experimente würden zeigen, dass es keine Willensfreiheit gibt. Offenbar, so Beckermann, vertreten Roth und Singer nach wie vor den Cartesischen Dualismus von Körper und Seele. Unter dieser Voraussetzung kann es keine Bestätigung für einen freien Willen geben. Stattdessen müssten sie sich von der künstlichen Trennung von Gehirn und Person verabschieden.

Das folgende Video ist ein Ausschnitt eines anderen Vortrags von Beckermann an der Uni Heidelberg, in dem er das Argument mit den Libet-Experimenten erläutert:

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Wird die Hirnforschung Psychologie und Philosophie überflüssig machen?

In Amsterdam findet vom 1. bis 3. April 2011 die Konferenz “Imaging the mind” statt. Sie soll, so Stephan Schleim, einer der Organisatoren, den aktuellen Stand der Hirnforschung ermitteln und einen Ausblick auf die Entwicklung von Psychologie, Philosophie und Hirnforschung werfen.
Die bildgebende Hirnforschung hat manche in dem Optimismus bestärkt, die letzten Fragen des menschlichen Bewusstseins klären zu können – und eventuell sogar Psychologie und Philosophie überflüssig zu machen. “Doch es häufen sich auch kritische Stimmen, welche die Erklärungskraft dieser Methoden für das Verständnis des menschlichen Geistes infrage stellen”, wie Stephan Schleim in seinem Blogeintrag berichtet.

Starke Zweifel haben beispielsweise Philosophen wie Julian-Nida Rümelin oder Ansgar Beckermann in ihren Büchern formuliert. (Links zu Amazon)

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Philosophische Bücher online: Birnbacher, Beckermann, Mill

Bei Paper C, einer Plattform, auf der Fachbücher kostenlos online gelesen werden können (Herunterladen oder Drucken kostet 10 Cent pro Seite), gibt es auch eine kleine Auswahl aktueller philosophischer Titel. Hier einige besonders prominente Beispiele:

Dieter Birnbacher – Natürlichkeit (2006)

Ansgar Beckermann – Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes (3. Auflage, 2008)

John Stuart Mill – Über die Freiheit (Meiner-Ausgabe, 2009)