Analytischer Thomismus – Von Wittgenstein zum Katholizismus

Philosophieinteressierte Leserinnen konnten in den letzten Tagen häufiger die Bezeichnung “Analytischer Thomismus” lesen, und zwar in Nachrufen auf Peter Geach, der am 21. Dezember 2013 gestorben ist.

Geach war seit 1941 verheiratet mit Elizabeth Anscombe, die wie er zum Katholizismus konvertiert war. Beide studierten in Oxford und traten früh mit Arbeiten zur Analytischen Sprachphilosophie hervor. Zusammen mit Anthony Kenny, der – zum katholischen Priester ordiniert – 1961 in Oxford seinen Ph.D. erhielt (später Agnostiker und 1965 exkommuniziert), belebten sie das Interesse an Thomas von Aquin in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts neu.

Sie verbanden Fragestellungen und Methoden der modernen analytischen Philosophie (Frege, Wittgenstein, Kripke, Quine) mit den Gedanken des Thomas von Aquin (1225-1274) – wofür John Haldane in den 1990er-Jahren den Begriff “Analytical Thomism” einführte. Auch Alasdair MacIntyre zählt zu den Philosophen, die thomistische Ideen in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten stellen. Eine ganze Reihe weiterer englischsprachiger Philosophen ist diesem Interesse zuzuordnen, allerdings kann man wohl nicht von einer homogenen Schule reden. Ein (nicht ganz günstiger) Sammelband dazu ist: C. Paterson / M.S. Pugh (Hg.), Analytical Thomism: Traditions in Dialogue, Ashgate Publishing, 2006.

Die katholische Kirche hat im 19. und 20. Jahrhundert durch die Enzykliken “Aeterni Patris” und “Fides et Ratio” Thomas von Aquin zur philosophischen Grundlage der theologischen Ausbildung gemacht. Thomas setzt sich in seinen Schriften insbesondere mit Aristoteles auseinander

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Charles Taylor, Religion und die New Left der 50er-Jahre

In diesem Interview erzählt Charles Taylor unter anderem von der Zeit in den 50er Jahren, als er und andere (unter anderem Alasdair MacIntyre) bei der New Left Review arbeiteten. Taylor und MacIntyre verstanden sich schon damals als religiös-christliche Sozialisten. Taylor sagt auch einige aufschlussreiche Dinge zur Frage der Moralität von Religion und Atheismus. Mit Blick auf Dawkins und Hitchens räumt er ein, dass Atheisten moralisch sein können. Die weiteren Ausführungen zu dieser Frage entsprechen weitgehend seinen veröffentlichten Thesen.