Positivity Ratio von 3-1 unter Kritik

Die Positive Psychologie untersucht Bedingungen, die die psychische Gesundheit fördern. Daraus sind bereits viele hilfreiche Empfehlungen hervorgegangen. Nun haben Nicholas J. L. Brown und seine Co-Autoren Alan D. Sokal und Harris L. Friedman ein Konzept, das im Rahmen der Positiven Psychologie besonders häufig zitiert wird, untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es empirisch und mathematisch nicht haltbar ist.

Brown ist Psychologiestudent und Sokal ist Physiker, der unter anderem durch die Sokal-Affäre bekannt geworden ist. In ihrem Aufsatz “The Complex Dynamics of Wishful Thinking: The Critical Positivity Ratio” im American Psychologist (15. Juli 2013) finden sie keinen Beleg dafür, dass sich das psychologische Konzept der “Positivity Ratio” durch Differenzgleichungen der Flüssigkeitsdynamik begründen lässt. Die Anwendung dieser Gleichungen durch Losada und Fredrickson beruhe auf konzeptuellen und mathematischen Irrtümern. Diese Gleichungen seien für dieses Phänomen einfach irrelevant.

Ausgehend von Arbeiten Marcial Losadas hatten Barbara Fredrickson und Losada ein Minimum der Positivity Ratio von 2.9013 konstatiert. Dies sei “vollkommen unbegründet“, so die Kritiker. Dass menschliche Emotionen denselben Lorenzgleichungen unterliegen wie Modelle der Flüssigkeitsdynamik halten sie für “imaginär” – Wunschdenken.

Ich habe Barabara Fredricksons Buch “Positivity” mit Gewinn gelesen, aber der Abschnitt über die “Positivity Ratio” von 3:1 kam mir merkwürdig künstlich aufgepfropft und nicht wirklich nachvollziehbar vor (zumal sie auch andere Zahlenverhältnisse aufführt, so dass der Eindruck einer willkürlichen Wahl entsteht). Es scheint, dass die Autoren des kritischen Artikels Recht haben mit ihrer Forderung “to exercise caution in the use of advanced mathematical tools, such as nonlinear dynamics“.

Die Positivity Ratio von 3:1 scheint, mit dieser Begründung jedenfalls, nicht mehr haltbar zu sein. Jeder erkannte Fehler ist ein Fortschritt. Und es ist ein Fortschritt, wenn die wichtigen Bemühungen der Positiven Psychologie um die psychische Gesundheit nicht auf mysteriösen Konzepten beruhen und dadurch die anderen Teile dieser wertvollen Disziplin, zu denen auch Fredrickson beigetragen hat, in Mitleidenschaft ziehen.

[Hinweis gefunden beim Neuroskeptic]

(Möglicherweise kann man auch diesen Fall als Symptom der industriell erzeugten Wissenschaftshypes deuten, in denen Schmetterlingseffekte, Synergien, Hirnscanbilder, Computertechnologien usw. herangezogen werden, um Gott und die Welt zu erklären.)

Update: Barbara Fredrickson antwortet.