Friedrich Stadler und Miles MacLeod rezensieren in den Notre Dame Philosophical Reviews Stefano Gatteis “Karl Popper’s Philosophy of Science: Rationality Without Foundations” (Routledge, 2009):
In sum, Gattei’s Karl Popper’s Philosophy of Science is an important reassertion of the value, novelty, and coherency of Popper’s programme. It is an important historiographical contribution, particularly because it leads us to reevaluate our tradition of painting Kuhn as an epistemological radical, when that title more properly belongs to Popper.
Das “Oxford Handbook of Philosophy of Biology”, herausgegeben von Michael Ruse, ist 2008 bei Oxford University Press erschienen. Drei Kapitel daraus können vollständig bei Google Books nachgelesen werden, darunter
- “Philosophy of Neuroscience” von I. Gold & A. Roskies
- “Sociobiology, Evolutionary Psychology, and Cultural Evolution” von Matteo Mameli (Link zum Kapitel im Inhaltsverzeichnis)
Auf das e-Journal Philosophie der Psychologie habe ich vor einiger Zeit schon hingewiesen. Seitdem sind bereits 3 weitere Ausgaben erschienen, die nächste folgt im März.
Damit findet man auf der Webseite bereits eine beachtliche Zahl interessanter Beiträge aus dem Themenspektrum, das die Herausgeber folgendermaßen beschreiben:
“Die hier versammelten Beiträge beziehen sich auf drei Problembereiche: Im Sinne einer Wissenschaftstheorie der Psychologie beschäftigen sie sich einerseits mit den begrifflichen Vorgaben und den Erklärungsformen der Psychologie. Eine weitere Gruppe von Aufsätzen untersucht die für gewöhnlich der Psychologie zugeordneten Themen und Phänomene aus philosophischer Sicht und setzt damit die Tradition einer philosophischen Psychologie fort. Und zum Dritten setzen sich einige Arbeiten mit den Ansprüchen von Psychologie und Philosophie auf Verstehen, Heilung oder Linderung psychischen Leidens auseinander.”
Interessant ist auch die dort aufgeührte (Amazon-)Liste der Neuerscheinungen.
Aus dem The Popper Newsletter (4) 1/2 (offenbar aus dem Jahr 1992) ist ein Interview mit Hans Albert über Rational Choice im Web verfügbar, das Fred Eidlin geführt und übersetzt hat: “Hans Albert on Rational Choice Theory“.
Im New Humanist hat A.C. Grayling unter dem herrlichen Titel “Origin of the Specious” ein Buch von Steven Fuller über das sogenannte “Intelligent Design” untersucht – das, so Graylings Fazit, nicht allein schlecht sei, sondern auch einen weiteren Nagel in den Sarg der Theorie des Intelligent Design schlage.
Graylings Beitrag bereitet großes Vergnügen, indem er einerseits die britische Klarheit in der Analyse verworrener Konstrukte exemplifiziert, andererseits mit polemischen Schmankerln garniert ist, die keinen Zweifel an seiner Position aufkommen lassen:
“It is sometimes hard to know whether books that strike one as silly and irresponsible, like Dissent over Descent, the latest book from Steve Fuller, are the product of a desire to strike a pose and appear outrageous (the John Gray syndrome), or really do represent that cancer of the contemporary intellect, post-modernism. I suppose putatively sincere extrusions of the post-modern sensibility might henceforth deserve to be known as “the Steve Fuller syndrome”.”
Wer Spaß an bester britischer Kritik eines klaren Kopfes hat, dem sei der Text sehr empfohlen.
Und – the fun continues: Fuller hat auf Graylings Beitrag geantwortet, Grayling schließlich wieder darauf.
[via Brian Leiter]
Leonard Nelson (1882 – 1927) hat durch seine gründliche Beschreibung der sokratischen Methode wohl als erster den Anstoß für die Beschäftigung mit dem “sokratischen Gespräch” in neuerer Zeit gegeben. In seiner 1922 erschienen Abhandlung zur sokratischen Methode konstatiert er ein mangelndes Methodenbewusstsein in der Philosophie. Stattdessen herrsche die Dogmatik. Auch sei völlig in Vergessenheit geraten, dass Kant in seinen Kritiken vor allem auch methodische Untersuchungen liefere:
“Es fehlte alles, … daß man die Kritik der reinen Vernunft als ‘Traktat von der Methode nahm’, als den ihr Urheber sie selbst nach seinen eigenen Worten hat verstanden wissen wollen. … Der Dogmatismus blieb in der Herrschaft, ja er triumphierte mehr denn je in willkürlichen Systembildungen, die, eins das andere an Phantasterei überbietend, dem nüchternen und kritischen Philosophieren des kantischen Zeitalters das öffentliche Interesse völlig entfremdeten. …
Warum, so fragt Kant, ist dem ‘Skandal‘ nicht vorgebeugt, der ‘über kurz oder lang selbst dem Volke aus den Streitigkeiten aufstoßen muß, in welche sich Metaphysiker … ohne Kritik unausbleiblich verwickeln’?”
(aus: Das sokratische Gespräch, hg. v. Dieter Birnbacher und Dieter Krohn, Reclam, 2002, Seite 28f)
Außerdem gibt es dort zwei Teile eines offenbar fünfteiligen Beitrages, der wohl – wie man dem Titel entnehmen kann – 1974 entstanden ist: Teil 4 (bspw. über absolute Wahrheit) Teil 5
Bryan Magee hat 1977 und dann noch einmal 1987 für die BBC eine Interview-Serie zur Philosophie gemacht. Daraus ist das Buch “Talking Philosophy: Dialogues with Fifteen Leading Philosophers” entstanden. Ein Großteil der Gespräche ist legendär und von hervorragender Qualität: “Peter Singer on Hegel, Putnam on Philosophy of Science, Dworkin on Justice, Bernard Williams on Descartes, AJ Ayer on Logical Positivism, Burnyeat on Plato …” (Link)
Das Gespräch mit Alfred Jules Ayer über den Logischen Positivismus gibt es in vier Teilen bei YouTube: Section 1:
Friedrich Stadler (Universität Wien und Institut Wiener Kreis) und Hans Jürgen Wendel (Universität Rostock, Moritz Schlick Forschungsstelle) geben bei Springer die Moritz Schlick Gesamtausgabe heraus. “Dieses internationale Forschungs- und Editionsprojekt wird im Rahmen einer bilateralen Zusammenarbeit zwischen dem Institut Wiener Kreis und der Universität Wien, der Forschungsstelle und Dokumentationszentrum für österreichische Philosophie in Graz und der Moritz-Schlick-Forschungsstelle am Institut für Philosophie der Universität Rostock realisiert.”
Schlick war Mitbegründer des Wiener Kreises, der in der Zwischenkriegszeit auf der Grundlage der Arbeiten von Einstein, Russell und Wittgenstein den Logischen Emirismus begründete. Der Wiener Kreis wurde durch den Nationalsozialismus zersprengt, seine Mitglieder emigirierten großteils ins Ausland. Moritz Schlick wurde 1936 ermordet.
Die Gesamtausgabe beruht auf dem Nachlass und den veröffentlichten Schriften. In der ersten Abteilung (Veröffentlichte Schriften) sind die ersten fünf Bände bereits erschienen, der sechste (“Die Wiener Zeit”) erscheint im Juli 2008. In Band 3 sind die beiden moralphilosophischen Schriften “Lebensweisheit. Versuch einer Glückseligkeitslehre” und “Fragen der Ethik” endlich wieder der Öffentlichkeit zugänglich.
Point of Inquiry hat einen Podcast mit Colin McGinn veröffentlicht, in dem es um Skeptizismus, radikalen Fallibilismus, Postmoderne, Atheismus, Religion und Shakespeare als Philosophen geht. Er zeigt, wie Kritik unter Philosophen bei gleichzeitiger Toleranz als vorbildliches Modell für “citizenship” dienen kann.
“…the book has a far broader scope. Ruse takes on a variety of different thinkers, from a variety of different periods, all of whom have challenged Darwinism in some way or another.“
Ruse untersucht eine Reihe von wissenschaftlichen Beiträgen, die der natürlichen Selektion keine oder eine geringere Rolle in der Biologie einräumen. Auch die Relevanz von Darwins Theorie für die Philosophie wird überprüft. Dabei vertritt er eine mittlere Position, die davon ausgeht, dass sich die Philosophie mit Darwins Prinzipien auseinandersetzen muss, aber beispielsweise eine starke Formulierung der Evolutionären Ethik, die an den naturalistischen Fehlschluss erinnert, unhaltbar ist. Ruse setzt dem seine eigene “Darwinsche Ethik” entgegen. Tim Lewins gibt allerdings zu bedenken, ob es Ruse gelingt, einen Darwinismus zu skizzieren, dem auch andere Darwinisten zustimmen würden. Jedenfalls ist Ruse bemüht zu zeigen, dass es sich um eine richtige Darstellung von Darwins Ideen handelt – und diese Bemühungen machen das Buch so reichhaltig einerseits, aber auch schwer zu überschauen für Leser, die mit der Materie weniger vertraut sind.
In jedem Fall, so schließt Lewins seine Rezension, vermittelt das Buch einen guten Eindruck von den historischen, philosophischen und wissenschaftlichen Kontroversen, die um das Evolutionäre Denken entstanden sind.
Paul Feyerabend, der für eine Anarchie im wissenschaftlichen Denken und im Privaten steht (sich allerdings ausdrücklich gegen eine im politischen Handeln aussprach), wird gelegentlich auch als der Dadasoph der Wissenschaftstheorie bezeichnet.
Dadafreak though he was, Feyerabend could also bring order when we need it: he wrote wonderful indexes to his books; indeed there are completely different indexes to the first and third editions of Against Method, each reflecting what he wanted the reader to know. (PDF)
Aus der Rezension von Ian Hacking in der London Review of Books vom 20. Jan.2000 zu “For and against method: including Lakatos’s Lectures on Scientific Method and the Lakatos-Feyerabend Correspondence by Imre Lakatos and Paul Feyerabend ed. Matteo Motterlini”