Archive for category Wissenschaft
Newtons Apfel, Hawking und die Philosophie
Posted by Björn in Antike, Naturwissenschaft, Philosophie allgemein, Philosophiegeschichte, Wissenschaft on 2012/01/20
In einem ausführlichen Interview bei The Atlantic beschreibt Tim Maudlin, der zusammen mit Kollegen von Columbia, Yale und NYU das “neue Feld” (siehe dazu hier) der Philosophie der Kosmologie ins Leben gerufen hat, unter anderem worin die besondere Bedeutung von Newton liegt – was exemplarisch ja gern anhand des “Apfel-Ereignisses” veranschaulicht wird. Es sei nicht die Entdeckung der Tatsache, dass auf der Erde Schwerkraft herrsche – das habe natürlich jeder gewusst. “Es ist nicht so, dass er die Schwerkraft tatsächlich entdeckt hat.” Aber seit der Antike habe man in der Astronomie Himmelsobjekte anders behandelt als Objekte auf der Erde. “Dies waren total verschiedene Bereiche … Newton erkannte, dass es eine Kraft geben muss, die den Mond im Orbit um die Erde hält, die ihn hindert, davon zu wandern, und er wusste auch, dass es eine Kraft gibt, die den Apfel runter auf die Erde zieht. Was ihm also plötzlich aufging war, dass dies ein und dieselbe Sache sein könnte, dieselbe Kraft.” Dies sei eine enorm wichtige Entdeckung gewesen, sowohl physikalisch als auch philosophisch, denn zwei bislang getrennte Bereiche wurden nun in ein einheitliches Bild eingefügt.
Zu Hawkings Behauptung, dass die Philosophie tot ist (siehe dazu hier und hier), stellt Maudlin fest, dass Hawking brilliant sei, aber kein Experte für Philosophie. Philosophie der Physik sei seit 30 Jahren nahtlos in die Arbeit an Grundlagenfragen in der Physik integriert. “Tatsächlich ist die Situation das genaue Gegenteil von dem, was er beschreibt. Ich denke, er weiß einfach nicht, wovon er da redet.”
Auch zur Feinabstimmung des Universums äußert sich Maudlin. “Keiner der Physiker, mit denen ich rede, möchte sich auf die Feinabstimmungsargumente stützen, um für eine Kosmologie zu argumentieren, die viele Welten hat.” Wenn man das theoretische Ziel der Physik anstrebt, tendiere das Feinabstimmungsproblem dazu, zu verschwinden.
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Geld als Kriterium für Philosophie
Posted by Björn in Akademisches, Analytische Philosophie, Philosophie allgemein, Wissenschaft on 2012/01/11
Clark Glymour hatte ja in seinem Manifest zur Philosophie (Bericht hier) aufgrund der von ihm diagnostizierten Nutzlosigkeit der “kontinentalen” und der “analytischen” Philosophie geschlussfolgert, dass man auf verschiedene Philosophiedepartments verzichten könnte – außer sie würden Förderbeträge in Millionenhöhe akquirieren.
Das führt unmittelbar zu der Frage, woher Geld zur Förderung von Philosophie kommt. Natürlich nur von da, wo es welches gibt. Und das würde dann faktisch definieren, was praktizierte Philosophie ist. Es gibt nämlich bestimmte typische Arten von Geldgebern. Eine Art, die Kennern sofort ins Auge springt, hat Keith de Rose erwähnt. Sein Beispiel ist die Templeton Foundation, die in den letzten Jahren schon diverse Millionen verteilt hat, um philosophische Untersuchungen von Spiritualität und Religion zu fördern (siehe zum Beispiel diese kommentarlose Notiz) – und dies in Zukunft weiter tun wird. Also ein Sachgebiet, das Clark Glymour vermutlich eher nicht im Sinn hat. Zurecht stellt Keith de Rose fest: Man kann, wenn man Glymours Kriterium anwendet, daraus nur schließen, dass das, was in den nächsten Jahren richtige Philosophie ist, mit Religion und Glauben zu tun hat.
Man sieht daran ganz gut, 1.) welche Kanalisierungseffekte ein Vorschlag wie der von Glymour haben wird, und 2.) wie gut sich ein “Szientismus” / “Positivismus” im schlechtesten Sinn und religiöse Vorstellungen ergänzen.
Nüchtern soziologisch muss man aber wohl auch feststellen, dass wir in einer Glymour-Welt leben. Als Beleg ein Zitat von Eric Schwitzgiebel: “In ancient Greece, the sophists were the ones getting grants”.
Fuck logic
Posted by Björn in Humor, Logik, Wissenschaft on 2011/10/26
Aus der Abteilung therapeutisches Lachen: Spongebob fucks logic.
Stephan Schleim hat Probleme mit dem Naturalismus
Posted by Björn in Argumentation, Humanismus, Naturwissenschaft, Philosophie allgemein, Wissenschaft on 2011/09/23
Stephan Schleim diskutiert in seinem Blogbeitrag “Deutungshoheit: Brights, Vollmer und die ‘rechten Dinge’” den Naturalismus. Dazu beschäftigt er sich mit Gerhard Vollmers Aufsatz “Geht es überall in der Welt mit rechten Dingen zu?“, der bei den Brights veröffentlicht wurde.
Schleim möchte einen “intoleranten Humanismus und Denkverbote” demaskieren: “Den selbsternannten Verfechtern der Wissenschaft, die sich gern ins aufklärerische Gewand kleiden, stünde etwas mehr Bescheidenheit und Toleranz gut zu Gesicht. Anstatt sich über Menschen mit anderer Meinung lustig zu machen, sich selbst als die Gescheiten und die anderen für die Hinterwäldler zu halten, anstatt vorauseilenden scheinwissenschaftlichen Erklärungen zum Opfer zu fallen, könnten auch sie vom kritischen Dialog miteinander und der Reflexion ihrer eigenen Ansichten lernen.”
Man gewinnt den Eindruck, dass sich diese Kritik besonders gegen Michael Schmidt-Salomon richtet, dem er den von ihm beanspruchten Humanismus nicht recht glauben zu wollen scheint. Die Vorwürfe jedenfalls, “blind dafür [zu sein], dass sie mit ihrer oberflächlichen Scheinwissenschaft Denkverbote verhängen“, “Andersdenkende ins Abseits der Lächerlichkeit drängen” und nicht zuletzt der Vorwurf der “gelebten Intoleranz” ist im Zusammenhang mit Gerhard Vollmer allerdings befremdlich.
Offenkundig werden hier Probleme des sachlichen und fairen Diskussionsverhaltens mit der fraglichen Sache selbst (hier: Naturalismus) vermischt. In der Tat – Menschen mit ungebührlichem Sozial- und Diskussionsverhalten sind leider viel zu häufig anzutreffen, unabhängig vom verhandelten Thema. Beispielsweise konnte man in den letzten Tagen Einlassungen von katholischer Seite zu Moral- und Weltanschauungsfragen lesen, die parteilich und polemisch waren. Auf diese Weise werden die in Frage stehenden Sachverhalte verzerrt. Polemik taugt nur als politisches, nicht als wissenschaftliches Werkzeug.
Update: Hier eine Antwort von Stephan Schleim.
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Carnap-Video auf YouTube
Posted by Björn in Analytische Philosophie, Leute, Logik, Logischer Positivismus, Philosophiegeschichte, Rationalität, Wissenschaft on 2011/09/01
Auf YouTube und anderen Videoplattformen gibt es nur wenige deutschsprachige Videos zur Philosophie. Noch weniger Philosophievideos gibt es dort, die nicht der Postmoderne, Heidegger oder Frankfurter Schule gewidmet sind.
Der blinde Hund hat erfreulicherweise bemerkt, dass vor kurzem ein dreiteiliges Video eines Interviews, das Willy Hochkeppel 1964 mit Rudolf Carnap geführt hat, gepostet wurde. So hatte ich zum ersten Mal Gelegenheit, Carnap im Originalton zu hören und zu sehen. Dem Urteil des blinden Hundes kann ich mich anschließen: “sympathisch zurückhaltend”. Unter anderem betont Carnap, dass Wissenschaftlichkeit Kooperation möglich macht, im Unterschied zu einer “monologischen” Philosophie. Weitere Themen sind Fortschritt in der Philosophie, Bedeutung und Entwicklung der Logik, insbesondere der induktiven Logik, und am Ende des letzten Teils gibt es ein paar interessante Bemerkungen zu Tatsachen- und Wertfragen.
Der erste Teil scheint unvollständig zu sein – er läuft nur 36 Sekunden und enthält offenbar nur das Intro. Der zweite und dritte Teil scheinen vollständig zu sein.
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Der angebliche Tod der Philosophie
Posted by Björn in Naturwissenschaft, Philosophie allgemein, Wissenschaft on 2011/06/06
Schlechte Nachrichten verbreiten sich bekanntlich besonders gut. Und so dürfte Stephen Hawkings Mitteilung, dass die Philosophie tot sei und die Physik alle Fragen beantworte, allgemein geläufig sein (siehe auch hier). Sie findet sich in einem Buch, das Hawking zusammen mit einem der Autoren der Star-Trek-Episoden veröffentlicht hat.
Umberto Eco ist jedoch skeptisch, ob es klug ist, diese Frage von Star-Trek-Charakteren entscheiden zu lassen. Schon die grundlegenden Fragen der Physik dürften ohne Philosophie gar nicht zu beantworten sein. Und so seien auch die Antworten in diesem Buch typisch philosophisch.
Galileos Pisa-Experiment auf dem Mond
Posted by Björn in Antike, Geschichte, Naturwissenschaft, Philosophiegeschichte, Wissenschaft on 2011/05/03
Mit einem einfachen Experiment, das allerdings vermutlich nie real durchgeführt wurde, dafür aber ein berühmtes Beispiel für ein Gedankenexperiment ist, konnte Galileo Galilei die physikalischen Annahmen von Aristoteles über die Fallgeschwindigkeit unterschiedlich schwerer Körper als falsch erweisen. Man stelle sich auf den schiefen Turm von Pisa (der Ort wurde nur der Anschaulichkeit wegen gewählt) und lasse eine 10 Pfund schwere sowie eine 1 Pfund schwere Kugel gleichzeitig fallen. Nach Galileo haben beide Objekte die gleiche Fallgeschwindigkeit.
Der Astronaut David Scott stellte während der Apollo-15-Mission dieses Experiment auf dem Mond nach – mit einem Hammer und einer Feder. Die Bedingungen sind auf dem Mond aufgrund des nicht vorhandenen Luftwiderstands natürlich ideal. Das Ergebnis ist hier zu sehen:
Wird die Hirnforschung Psychologie und Philosophie überflüssig machen?
Posted by Björn in Philosophie allgemein, Philosophie des Geistes, Psychologie, Wissenschaft on 2011/02/10
In Amsterdam findet vom 1. bis 3. April 2011 die Konferenz “Imaging the mind” statt. Sie soll, so Stephan Schleim, einer der Organisatoren, den aktuellen Stand der Hirnforschung ermitteln und einen Ausblick auf die Entwicklung von Psychologie, Philosophie und Hirnforschung werfen.
Die bildgebende Hirnforschung hat manche in dem Optimismus bestärkt, die letzten Fragen des menschlichen Bewusstseins klären zu können – und eventuell sogar Psychologie und Philosophie überflüssig zu machen. “Doch es häufen sich auch kritische Stimmen, welche die Erklärungskraft dieser Methoden für das Verständnis des menschlichen Geistes infrage stellen”, wie Stephan Schleim in seinem Blogeintrag berichtet.
Starke Zweifel haben beispielsweise Philosophen wie Julian-Nida Rümelin oder Ansgar Beckermann in ihren Büchern formuliert. (Links zu Amazon)
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Hacker-Kritik an Neurowissenschaftlern
Posted by Björn in Analytische Philosophie, Philosophie des Geistes, Psychologie, Wissenschaft on 2010/11/17
Der für seine Studien zu Wittgenstein bekannte und in Oxford lehrende Philosoph Peter Hacker wird im Philosopher’s Magazine porträtiert. Darin geht es um Hackers Kritik an philosophischen Einlassungen von Neurowissenschaftlern, die meistens Unsinn seien – worin er mit vielen anderen Philosophen (wie beispielsweise Peter Bieri und Ernst Tugendhat) übereinstimmt. Außerdem betrachtet Hacker die Philosophie nicht als kognitive Wissenschaft in dem Sinn wie es die Naturwissenschaften seien, die gesichertes Wissen anstreben. Philosophie befasse sich dem gegenüber mit dem Verständnis unserer Wissens: “philosophy is not a quest for knowledge about the world, but rather a quest for understanding the conceptual scheme in terms of which we conceive of the knowledge we achieve about the world.”
Ein Interview zu Hackers Kritik an den Neurowissenschaften ist auf deutsch auch bei Gehirn & Geist online nachzulesen.
Auf deutsch ist zuletzt bei Suhrkamp “Neurowissenschaft und Philosophie: Gehirn, Geist und Sprache” erschienen: eine Auseindersetzung um die philosophischen Grundlagen der Neurowissenschaften zwischen Maxwell Bennett, Peter Hacker, John Searle und Daniel Dennett.
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Ist Hawkings Kritik der Philosophie gerechtfertigt?
Posted by Björn in Naturwissenschaft, Philosophie allgemein, Philosophiegeschichte, Wissenschaft on 2010/09/30
Bei der BBC gibt es einen Audiomitschnitt einer Sendung, in der Susan Greenfield und AC Grayling zu Stephen Hawkings jüngst geäußerter Auffassung Stellung nehmen, dass die Philosophen nicht Schritt gehalten hätten mit den Entwicklungen der Physik, und ihre Beiträge daher nicht mehr zeitgemäß seien.
Der normale Weg der Wissenschaft
Posted by Björn in Verschiedenes, Wissenschaft on 2010/05/29