Brain scan scandal? Offenbar fehlerhafte MRT-Analysesoftware

Vor einiger Zeit wurde unter dem Stichwort “Voodoo” Kritik an der Hirnforschung laut. Nun scheint es einen neuen Anlass zur Kritik zu geben: die Universität von Linköping meldet, dass die verwendete Analysesoftware offenbar zu hohe Raten von False Positives erzeugt.

Berichte dazu hier:
http://www.eurekalert.org/pub_releases/2016-06/lu-sff062716.php
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Hirnforschung-Fehlerhafte-MRT-Software-schuert-Zweifel-an-Zehntausenden-Studien-3257319.html
http://www.theregister.co.uk/2016/07/03/mri_software_bugs_could_upend_years_of_research/
http://www.theregister.co.uk/2016/07/07/the_great_brain_scan_scandal_it_isnt_just_boffins_who_should_be_ashamed/

Update: Und der Neuroskeptic äußert sich nun auch endlich.

Bescheidenheit, Rücksichtnahme, Freundlichkeit? Intellektuelle Tugenden auf dem Rückzug

In den Medien, der Politik und im Internet sowieso haben die intellektuellen Tugenden, die Konfuzius, Aristoteles oder Mark Aurel als Voraussetzung für durchdachte und sachliche Überzeugungen hervorgehoben haben, keinen Ort mehr. “Prahlerische Angeberei” ist eine Haltung, die zu den am wenigsten vertrauenswürdigen gehört, wenn es um die sachliche Zuverlässigkeit von Äußerungen geht; -so eine Meinung von gestern, nämlich von Aristoteles. Und doch beherrschen Blender, “Lautsprecher” und Schaumschläger den öffentlichen Diskurs. Um so wichtiger, wenn der Ort nüchternen wissenschaftlichen Nachdenkens, die Universität, davon verschont bleibt. Aber auch hier droht die aufgepeppte Fassadenrhetorik das Ruder zu übernehmen, aus verschiedenen Gründen (wie z.B. ideologische Grabenkämpfe, ökonomische Zwänge, bildungspolitische Verbesserungen usw.). Einen aktuellen Trend beschreibt Jonathan Wolff im Guardian.

Xenophanes und Popper über Wahrheit und Vermutungswissen

Die sokratische Einsicht, dass wir uns unseres Wissens nie ganz sicher sein können, verband Karl Popper mit dem von Xenophanes bekannten Motiv, “suchend das Bessere zu finden”. Das Paideia-Blog hat einen guten Artikel dazu geschrieben.

Naturphilosophie in der Renaissance

In der Renaissance entstanden verschiedene neue Perspektiven auf die Gegenstände der Naturphilosophie. Auch das dominante aristotelische Weltbild wurde allmählich neu bewertet. Diese Entwicklungen trugen zur Entstehung der modernen Naturwissenschaften bei. Eva Del Soldato hat in der Stanford Encyclopedia of Philosophy einen neuen Artikel zur Naturphilosophie in der Renaissance veröffentlicht.

Der Large Hadron Collider fährt wieder an

Der Large Hadron Collider hat ein Upgrade bekommen und mit mehr Wumms unter der Haube wird er jetzt wieder in Betrieb genommen. Bei NPR schreibt der Physiker und Naturphilosoph Marcelo Gleiser über die zukünftigen Aufgaben. Auch die NZZ berichtet. Und die FAZ hat ein Interview mit Fabiola Gianotti, die ab 2016 Generaldirektorin des CERN sein wird.

Analytische Metaphysik – Pro und Contra

Massimo Pigliucci schreibt bei Scientia Salon über Metaphysik. Er ist skeptisch gegenüber einer “Standard”-Version von Metaphysik (im Gegensatz zu einer naturalisierten). Die Positionen von Jonathan Schaffer und David Chalmers hält er für zu luftig, während er sich selbst an James Ladymans und Don Ross’ “Everything must go” hält – ein Buch, das eine polemische Attacke gegen die Metaphysik und einen Vorschlag für eine naturalisierte Alternative enthält. Eine kritische Rezension zu “Everything must go” hat dagegen Cian Dorr vor einigen Jahren bei NDPR veröffentlicht.

Oliver Sacks über das mentale Leben von Würmern

Charles Darwin hat aufgrund seiner Untersuchung des Verhaltens von Würmern bei ihnen “the presence of a mind of some kind” vermutet. Auch andere Wissenschaftler des 19. und frühen 20. Jahrhunderts waren fasziniert vom Verhalten und dem Nervensystem verschiedener Arten. Der junge Sigmund Freud dokumentierte die Ähnlichkeit der Nervenzellen von niederen und höheren Arten. Die Fähigkeiten von Pflanzen und Insekten sind erstaunlicher, als gemeinhin angenommen.

In einem sehr gut lesbaren Artikel berichtet Oliver Sacks in der New York Review of Books über diese interessanten Forschungen: “The Mental Life of Plants and Worms, Among Others“.

Scruton über neuen Szientismus in Kunst und Geisteswissenschaften

In The New Atlantis hat Roger Scruton einen Artikel über die neueste Form von Szientismus geschrieben, die mit dem Anspruch antritt, Kunst und Geisteswissenschaften wissenschaftlich, zuverlässig und produktiv zu machen: “Scientism in the Arts and Humanities“.

In der Kunst sieht Scruton die “Neurorüpel” mit einer “Neuroästhetik” am Werk, denen ein fMRI des Kunstbetrachters genügt, um die Bedeutung eines Kunstwerks zu erfassen. In den Geisteswissenschaften sieht er die von Richard Dawkins und Daniel Dennett propagierte Memetik als ideologiekritische Illusion – sie sei selbst eine Magie -, durch die man nicht mehr zwischen Bachs Matthäuspassion und einem Hai in Formaldehyd unterscheiden könne.

Scruton verteidigt dagegen eine Subjektivität, die sich rational Sinngehalte erschließen kann. Dafür seien Hochkultur, Kunst und Geisteswissenschaften lebensnotwendig.

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Bücher zur Geschichte der Medizin

Es gibt zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte der Medizin, die unterschiedliche Facetten beleuchten oder einen Überblick geben.

Hier eine Auswahl einiger interessanter Bücher zur Geschichte der Medizin:

Wolfgang Uwe Eckerts “Geschichte der Medizin. Fakten, Konzepte, Handlungen” ist mittlerweile in sechster, neu bearbeiteter Auflage bei Springer erschienen. Es gibt auf 370 Seiten einen Überblick von der europäischen Antike bis zum Ende des 20. Jahrhunderts und enthält auch historische Abbildungen. Außerdem werden Themen und Konflikte der Medizinethik dargestellt.

William Bynum ist einer der britischen Experten der Medizingeschichte. Zusammen mit Helen Bynum hat er einen prächtigen Band zur Medizingeschichte herausgegeben, der 70 wichtige Entdeckungen in Text und Bild darstellt: “Die großen Entdeckungen in der Medizin“. Die Abbildungen zeigen beispielsweise faszinierende Zeichnungen der Renaissance oder moderne Computergrafiken. Erschienen ist das Buch bei Dumont.

Bei Reclam ist von William Bynum die Einführung “Geschichte der Medizin” erschienen. Auf 240 Seiten werden zentrale Entwicklung der europäischen Medizin, von den Hippokratischen Schriften bis heute, dargestellt.

Karl-Heinz Leven hat bei Beck das erste Lexikon zur Antiken Medizin herausgegeben: “Antike Medizin: Ein Lexikon“. In über 1000 Artikeln schildern über 80 Fachleute Konzepte und Verfahren der antiken Medizin, ergänzt um Quellenangaben und Sekundärliteratur.

Eine kurze Einführung in die Geschichte der Medizin hat Leven bei Beck unter dem Titel “Geschichte der Medizin: Von der Antike bis zur Gegenwart” veröffentlicht. Auf 127 Seiten liegt der Schwerpunkt auf der Medizin der Antike , aber auch Fragen der Medizinethik werden angesprochen.

Eine Auswahl Hippokratischer Schriften hat Hans Diller bei Reclam vorgelegt. Die Textsammlung umfasst 350 Seiten und trägt den Titel “Hippokrates. Ausgewählte Schriften“.

Ausgewählte medizinische Texte der Griechen und Römer haben Jutta Kollesch und Diethard Nickel zusammengetragen und bei Reclam veröffentlicht. Die Sammlung “Antike Heilkunst: Ausgewählte Texte aus den medizinischen Schriften der Griechen und Römer” ist informativ, teils aber auch – von den Herausgebern beabsichtigt – amüsant.