Lisa Herzog über Märkte: Das Kriterium ist die Freiheit

3AM interviewt Lisa Herzog. Dabei geht es vor allem um die Überlegungen von Adam Smith und Hegel zu Märkten und wie diese heute noch relevant sind.

2014 hat Lisa Herzog zusammen mit Axel Honneth bei Suhrkamp eine Textsammlung zu Marktansichten vom 18. Jahrhundert bis heute veröffentlicht: “Der Wert des Marktes: Ein ökonomisch-philosophischer Diskurs vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart“. Dazu hat es einige Rezensionen gegeben – die informativste ist wohl die im Blog “Wirtschaftliche Freiheit“.

Elisabeth von Tadden hat Lisa Herzog im März 2014 interviewt. Ein Interview eher auf Internet-Niveau ist bei ZEIT-Campus Anfang 2015 erschienen.

Auf YouTube gibt es ein Interview mit ihr sowie eine Vorlesung über Schädigungen im Markt:

AC Grayling im Gespräch mit Michael Sandel

Vor wenigen Tagen äußerte sich Michael Sandel in einem öffentlichen Gespräch mit AC Grayling zum Offenen Brief des Philosophy Department der San Jose State University. Das Department hatte verlautbart, dass es ablehnt, den von der Bildungsplattform edX vertriebenen Videokurs (MOOC) mit Michael Sandel zum Thema Justice im Curriculum einzusetzen, weil dadurch die Lehre beeinträchtigt und Arbeitsplätze gefährdet würden (Näheres dazu hier).

Dazu sagte Sandel nun, ein Online-Kurs könne den direkten Austausch in der akademischen Lehre nicht ersetzen. Er hoffe, dass selbst finanzschwache Institutionen nicht annehmen würden, dies sei gleichwohl der Fall.

Dies war jedoch nur ein Randthema in dem interessanten und aufschlussreichen Gespräch mit Grayling, das vom Prospect Magazine veranstaltet wurde. So fragte Grayling Sandel nach den Einflüssen, die dessen Zeit mit Charles Taylor in den 1970er in Oxford bis heute auf ihn habe. Sandel beschreibt die damalige Situation der heterodoxen Gruppe abseits vom Mainstream der Analytischen Philosophie. Und AC Grayling, der seinerzeit ebenfalls in Oxford – nur auf der “anderen” Seite, bei Peter Strawson – war, erinnert sich, dass für seine Bezugsgruppe die Seminare, von denen Sandel sprach, “off the edge” waren. Heute jedoch seien die Themen, an denen Sandel gearbeitet habe, im Aufwind.

Sandel erläutert auch, warum er sich nicht als Kommunitarier verstehe. Der Begriff lade nämlich zu dem Missverständnis ein, dass gegebene moralische Regeln einer Gesellschaft quasi sakrosankt seien. Dieser Auffassung ist Sandel nämlich nicht.

Zahleiche weitere interessante Themen werden in der Diskussion angesprochen: Ökonomie, Politik, Bildung; Gerechtigkeit usw. Ein Transkript des Gespräches gibt es bei Prospect Magazine. Dort ist auch die Audiodatei des Gesprächs abrufbar.

Ein Videomitschnitt der gesamten Veranstaltung ist dort ebenfalls in drei Teilen zu sehen. Hier der erste davon:

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Umverteilung galore

Der Bedarf und die Notwendigkeit für Umverteilung von Einkommen und Vermögen wird in naher Zukunft aufgrund massiver Roboterisierung drastisch ansteigen – schreibt der Economist. Dies erfordert (natürlich) institutionelle Rahmenbedingungen, die dies gewährleisten.

Über die Kultur der Säcke

Judith Holofernes, die Heldin, die sich seinerzeit der Pfiffigkeit einer bekannten Werbekampagne nicht anschließen wollte (siehe hier, mein Hinweis dazu hier), hat in ihrem Blog einen wunderbaren Text über Bewerbungsgespräche und Business-Kultur geschrieben: “Don´t call us, we´ll call you“.

Ein adäquater wissenschaftlicher Beitrag zur “Igittness des modernen Arbeitsmarkts “.

Adam Smith über den Egoismus

“Diese ganze Darstellung der menschlichen Natur jedoch, die alle Gefühle und Neigungen aus der Selbstbliebe ableitet und die so viel Lärm in der Welt erzeugt hat, jedoch, so weit ich weiß, bisher noch nie vollständig und im Detail erklärt worden ist, scheint mir aus einer verwirrten Fehlwahrnehmung des Systems der Sympathie herzurühren.” (Adam Smith, Theory of moral sentiments, Part VII, Section III, Chapter 1; meine Übersetzung)

Der Sozialdemokrat Adam Smith

Wieder ein interessantes Stück über Adam Smith, das gängige Fehlinterpretationen sowie die üblichen Auswüchse der Ökonomie ins richtige Licht rückt, diesmal beim American Conservative:

“For one thing, Smith roundly mistrusted businessmen. In addition to the sallies already quoted, he insisted that businessmen, for all they may talk of freedom and fairness, ‘generally have an interest to deceive and even oppress the public.‘ One example out of many from The Wealth of Nations:

Our merchants and master-manufacturers complain much of the bad effects of high wages in raising the price, and thereby lessening the sale of their goods both at home and abroad. They say nothing concerning the bad effects of high profits. They are silent with regard to the pernicious effects of their own gains. They complain only of those of other people.'”