Messaging, Messenger

Innerhalb weniger Jahre haben weite Teile der Bevölkerung Social Media und Messaging-Apps angenommen, aber kaum jemand versteht die Restriktionen für die Kommunikation, die in den Tools eingebaut sind.

Die Offenheit von E-Mail wird von keiner Messaging-App erreicht. Fast immer ist man eingesperrt und muss rumeiern, will man mal etwas da rausholen. Und andere sind ausgesperrt. “other than email, chat apps are walled gardens“, sagt Volker Weber. Egal, solange die Faszination anhält, ist man mit Dysfunktionalität völlig zufrieden.

Und man akzeptiert das “Verbessern des Erlebnisses” durch App-Updates – bis sie nicht mehr brauchbar sind und (das ist das Entscheidende) die Horde weitergezogen ist. “So far they have not ruined WhatsApp, but I trust they eventually will.

Pics and nothing happens

Ich war heute einem Jugendlichen behilflich, seinen Rechner wieder halbwegs gangbar zu machen. Einmal abgesehen davon, dass ich mir nach jahrelanger beruflicher Überdosis der kafkaesken Computerwartungstätigkeit (eines von Milliarden alltäglichen Beispielen hier), die wir heute als Zivilisationstechnik hinnehmen, nur ein minimales Residuum von Enthusiasmus für digitale “Verbesserungen” bewahrt habe, war die allererste wichtige Maßnahme an dem Teeniecomputer, erst einmal Plattenplatz frei zu machen. Denn die Platte war voll, bis an den Rand (die neuen Macbooks mit ihren 128GB Flashspeicher sind ja auch niedlich – da werden Krauses von nebenan bald eine Menge Spaß haben). Auf die Schnelle war es das Einfachste, die Unmengen an Grafikdateien – alles selbstgeschossene Fotos – auf einen externen Speicher zu verschieben, um überhaupt erst einmal wieder Luft zum Atmen zu bekommen. Und während der Speichervorgang so vor sich hin speicherte bestand reichlich Gelegenheit, darüber zu philosophieren, was man eigentlich mit den vielen tausend digitalen Fotos, die man so ansammelt, macht.

Nichts, weitestgehend. Wie diese Infografik veranschaulicht.

Nice to have

Zur Würdigung der Segnungen der Technik gehört ja immer auch eine Berücksichtigung soziokultureller Aspekte.

Nun ist es nichts Neues, dass einige wenige Mensche rücksichtslose Spinner oder narzistische Trolle sind. Für diesen Typus ist es leicht, jede Art von Diskurs zu prägen und das Niveau weit nach unten zu drücken. Die Segnungen der Technik erleichtern und vervielfältigen die Bekanntschaft mit ihm. Die “sozialen” Netzwerke sind ein offenkundiges Beispiel dafür. But there’s more to come.

Hübsch ist dieses Resultat einer Vermietung über AirBnB in Calgary:

Auch der Spaß mit den praktischen Drohnen wird sicher zunehmen angesichts der Möglichkeiten:


Wired spricht jedenfalls vom Beginn der Ära des Drohnen-Vandalismus. [via]

Aber auch die Internetunternehmen, tragen ihr Scherflein zum Irrsinn bei. Seit Jahren bestehen “Erlebnisverbesserungen” in Zwangsmaßnahmen und digitalen Entmündigungen (hier wird ein Beispiel von Google beiläufig erwähnt – man hat sich schon längst daran gewöhnt). Apple ist aber immer ein innovativer Vorreiter, auch in dieser Hinsicht.

Das Smartphone als PC

Marketing von Microsoft für Windows Phones mit Windows 10:

Nicht schlecht – allein, mir fehlt der Glaube. Seit Jahren ist der Trend bei Apple, Google, Microsoft usw. (von Facebook, Twitter etc. ganz zu schweigen), dass “Verbesserung” letztlich Beschneidung, Behinderung und Verblödung bedeutet. Wird man mit den neuen Windows 10 Phones beispielsweise die Inhalte der Speichermedien komfortabel und vollständig kontrollieren können? Lassen wir uns überraschen.

Offene Bildungsdaten?

Transparenz klingt ja immer gut. Und wenn wir uns schon Gedanken über die (teilweise) Aufhebung der ärztlichen Schweigepflicht machen, während wir ohnehin damit beschäftigt sind, unsere Körperdaten ins Netz zu stellen, könnte man gleich mit überlegen, was man mit den Bildungsdaten von Schülern macht, die in Apps und Bildungseinrichtungen gewonnen werden. Das diskutiert man jedenfalls in den USA.

Smart Home – nicht nur intelligent

In Berichten und Debatten über die Digitalisierung ist ein bedächtiges Abwägen von Vor- und Nachteilen eher nicht die Regel. Und so ist die Diskussionslandschaft viel zu oft von Euphemismen und Hysterikern (Befürworter und Gegner) geprägt.

Von diesem Spannungsverhältnis aus ist auch der Anlass für den Artikel “Why Is My Smart Home So Fucking Dumb?” von Adam Clark Estes auf Gizmodo zu verstehen. Der Autor berichtet, wie er mit Begeisterung seine Wohnung mit Smart-Home-Technologie aufgemotzt hat – in mühevoller und nicht ganz billiger Fleißarbeit. Und wie er ein ernüchterndes Fazit zieht. Zum Beispiel, dass das einzig Einfache in der Inbetriebnahme mancher Smart-Home-Komponente das Rauswerfen des Geldes für das Produkt gewesen sei.

Möglicherweise ist ja der Lichtschalter eine der intelligentesten Erfindungen des letzten Jahrhunderts. Festlegen will ich mich nicht, man weiß ja nie. Aber im Gegensatz zu vielen derzeit angepriesenen Technologien hat er milliardenfache Falsifikationsversuche gut überstanden.

Jaron Lanier – Kritik und Konzeption

Jaron Lanier ist deshalb einer der interessanten Autoren in Fragen der digitalen Kultur, weil er in seinen Texten philosophische Reflexionen mit Kritik verbindet, die sich aus einem phänomenologischen Gespür für wahrnehmungsästhetische, techniksoziologische, kulturelle und ethische Fragen ergibt. Und diese Kritik geht sodann einher mit einer positiven Konzeption einer humanen Technologie.

Lanier reflektiert über neue und alte Selbstverständlichkeiten und zeigt eine deutliche ideologiekritische Skepsis bezüglich quasireligiöser Aufladungen technologischer Weltbilder. Gerade die seit den 50er-Jahren etablierte Ideologiekritik (in Deutschland z.B. Frankfurter Schule, Topitsch, Kritischer Rationalismus) scheint im Bereich der Digitalen Technikutopien noch gar nicht verfangen zu haben, und daher ein ergiebiges Betätigungsfeld zu sein. Jaron Lanier gehört zu den Autoren, die diese Notwendigkeit bereits seit einigen Jahren ansprechen.

Digitale Verbesserungen

Ein Beisiel von Millionen: Nach der letzten Änderung der Oberfläche in Blender 2.5 wird sich mit Blender 2.7 nun die Oberfläche ändern. (Heise)
Alter Hut, aber wichtiges Designprinzip bei GUI-Optimierungen: zentrale Funktionen beim Versionswechsel an die entgegengesetzte Stelle auf dem Bildschirm packen.