Archive for category Technik
Formale Ontologie für Informationssysteme
Posted by Björn in Artificial life, Internet, Philosophie allgemein, Technik, Termine on 2011/12/16
Die 7. Konferenz “Formal Ontologies in Information Systems” (FOIS 2012) wird vom 24. bis 27. Juli 2012 in Graz stattfinden. Sie beschäftigt sich mit den Repräsentationen in Informationssystemen wie Künstlicher Intelligenz, Software, Datenbanken, Bioinformatik, Wissensmanagementsystemen und Semantischem Web. Die Konferenz widmet sich sowohl theoretischen Fragen als auch konkreten Anwendungen.
Eine Übersicht über bisherige Konferenzen gibt es auf der Webseite formalontology.org.
Cloud Computing und die Philosophie des Vertrauens
Die Faculty of Philosophy der University of Cambridge hat am 4. und 5. April mit Unterstützung von Microsoft Research Cambridge zwei öffentliche Vorlesungen zum Thema The Philosophy of Trust and Cloud Computing veranstaltet (via). Referenten waren David D. Clark vom MIT und der Moralphilosoph Ian Kerr.
Kerr hat sich in den letzten Jahren mit den ethischen Aspekten von Überwachung, Privatsphäre und Robotik beschäftigt.
Kommission statt Konsequenzen?
Posted by Björn in Ethik, Moralphilosophie, Politik, Technik on 2011/03/22
Angela Merkel hat heute erklärt, dass eine Ethikkommission eingesetzt wird, die über die Kernenergie beraten wird. Ist das Pseudopolitik? Ethikkommissionen sind da sinnvoll, wo es für die Bewertung der in Frage stehenden Sachverhalte aus der Vergangenheit noch keine bewährten Maßstäbe gibt. Das ist bei der Kernenergie nicht der Fall: alle Sachverhalte liegen klar zutage, und deren Bewertung ist sehr einfach durchzuführen. Was eine Ethikkommission da erreichen soll, ist fragwürdig. Ich bin gespannt, wer in diese Kommission berufen werden wird, und wie man deren Arbeit rechtfertigen wird. Bislang ist nur bekannt, dass Klaus Töpfer (CDU) und der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, die Kommission leiten sollen.
Wir sind Experten genug
Posted by Björn in Ethik, Moralphilosophie, Technik on 2011/03/16
Es muss endlich Schluss sein mit der expertokratischen Pseudodebatte* um die Nutzung der Kernenergie. Die Arroganz der Ingenieure baut damit einen Schutzwall auf, der suggerieren soll, dass Menschen ohne Diplom in Reaktortechnik zu einer ethischen Beurteilung nicht befugt sind. Kein Mensch braucht noch mehr Wissen über kerntechnische Anlagen, Kernphysik und Strahlenmedizin. Die ethische Beurteilung der Kernenergie kann längst vorgenommen werden, denn die prinzipiellen Eigenschaften des manipulierten Materials und seine biologischen Auswirkungen sind jedem Schulkind bekannt.
Dass die Betreiberfirma von Fukushima Mitarbeiter vom havarierten Reaktor abgezogen hat – wegen der Gefahren für die Mitarbeiter – und der japanische Premierminister Kan dies nicht hinnehmen möchte – wegen der Gefahren für die japanische Bevölkerung – ist eine Nachricht, deren Hintergrund jeder Mensch intellektuell versteht:
“Kan … reportedly warned Tepco of serious consequences should it decide to pull its workers out before the plant has been made safe. ‘In the event of a withdrawal, I’m 100% certain that the company will collapse,’ he said. ‘You must be determined to solve this.’” (Quelle: Guardian)
Aber vielleicht möchte ja Josef Oehmen, der nach eigener Aussage in einem einzigen Text mehr Sachverstand zusammenbringt “als alle Journalisten der Welt zusammen”, in Fukushima aushelfen?
(Der Text von Oehmen ging mit viel Zustimmung durchs Internet, mittlerweile ist er auf der ursprünglichen Seite gar nicht mehr und an anderen Stellen nur noch in veränderter Form zu finden. Ich habe mich im Update zu diesem Posting schon dazu geäußert.)
(Mehr zur dringend erforderlichen Rationalität in der Debatte in den Kommentaren)
*: hier stand zuvor ein Wortdreher, so ist es nun richtig.
Restrisiko
Simulationen und Wahrscheinlichkeitsrechnungen zur Bestimmung des Restrisikos sind zur ethischen Beurteilung der Kernenergie irrelevant, weil die Eigenschaften des manipulierten Materials solch eine außerordentliche Sorgfalt verlangen, dass alle bislang vorgelegten technokratischen Restrisiko-Annahmen, die zur Rechtfertigung der Kernenergie dienen, nicht mehr als Illusion und psychologische Sedativa sind. Es gilt aber, nüchtern und rational zu bleiben.
Um ein beliebtes Beispiel zu nehmen: die Anzahl von Störfällen kritischer als INES 4 (also mindestens 5) im Verhältnis zur Zahl aller existierenden AKWs.
Setzen wir die Zahl der existierenden AKWs extrem freundlich auf 1000 Stück (aktuell sind es 443), und die Zahl der realen Störfälle mit mindestens INES 5 auf ebenso freundliche 3 Stück (bspw. Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima (die INES-Einstufung ist zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Postings noch auf 4; Leserinnen, die dies später lesen, werden sich davon überzeugen können, dass der Störfall höhergestuft wurde)).
3 Störfälle mit INES 5 und größer bei 1000 Anlagen. Reicht das für einen ruhigen Schlaf?
Stellen sie sich vor, sie haben 1000 Mitarbeiter, und nur drei davon sind intensive Industriespione. In ihrem Dorf leben 1000 Menschen, und nur 3 davon sind aktive Terroristen. Sie besitzen 1000 Häuser, drei davon stürzen ein. Sie kochen 1000 Erbsen, drei davon enthalten Zyankali.
Die Vergleiche hinken natürlich. Radioaktivität ist – nüchtern und rational betrachtet – um ein Vielfaches konsequenzenbehafteter.
Disclaimer: Diese Argumentation, ob richtig oder falsch, könnte den Anschein erwecken, dass nur ausgewiesene Experten zu einer ethischen Beurteilung der Kernenergie in der Lage sind. Dies ist entschieden nicht der Fall. Jedes Schulkind kann Radioaktivität und damit Kernenergie ethisch angemessen bewerten.
Die technologische Naivität der Ingenieure
Posted by Björn in Ethik, Moralphilosophie, Rationalität, Technik on 2011/03/14
Trial and error in der Technologie sind gang und gäbe. Bei einem Auto oder einem Gebäude ist ein Unfall tragisch, hat aber klar begrenzte Folgen, die schnell überschaubar sind. Der Unfallprozess als solcher ist von kurzer Dauer und danach abgeschlossen. Dies ist bei einem GAU nicht der Fall – der provisorische Betonsarkopharg in Tschernobyl ist Zeichen einer katastrophalen, nicht mehr beherrschbaren Situation. Die tödlichen, strahlenemittierenden Prozesse laufen über lange Zeiträume weiter.
In Fukushima ist ein Fall eingetreten, der nach Expertise der Ingenieure kaum wahrscheinlich und außerdem gut beherrschbar ist (s.u.).
In Folge eines Erdbebens verloren offenbar mehrere der dortigen Reaktorblöcke die Stromversorgung von außerhalb. Allerdings konnten auch die internen Systeme zur Notstromversorgung keine oder nicht genügend Energie zum Betrieb der Ventile und Pumpen des Kühlsystems der Reaktoren liefern. Dieses Havarie-Szenario wird “station blackout” genannt. Ein glücklich verlaufener Vorläufer dieses Unfalltyps trug sich 1975 im Kernkraftwerk Greifswald (DDR) zu.
Wie Scientific American berichtet, halten Experten die Eintrittswahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios für schwer kalkulierbar, zumal wenn es sich um nur eine Ursache handelt, die sowohl die externe als auch die interne Energieversorgung der Pumpen stört.
Die Realität hat nun gezeigt, wie eine solche Ursache beschaffen sein kann und wie wahrscheinlich es ist, dass sie eintritt. Der von nukleartechnischem und wahrscheinlichkeitskalkulatorischem Wissen unbefleckte Laie kann sich zudem leicht weitere Konstellationen ausmalen, in denen zwei Dinge wie diese mal kaputt gehen können. Ist das naiv?
Ganz seriös dagegen berichtet (PDF, S. 59 ff) die Reaktor-Sicherheitskommission am 16. März 1988 zum Notfallschutz am Beispiel des Kernkraftwerkes Krümmel:
“Im Fall des Ausfalls der Eigenbedarfsversorgung und aller Notstromdiesel (Station blackout) stehen mindestens 5 h zur Verfügung, um ausgefallene Systeme wieder verfügbar zu machen oder zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Reaktorkern ausreichend gekühlt. Eine Auswertung der Zuverlässigkeit der Netzversorgung, die vor der RSK vorgenommen wurde, hat ergeben, daß nach einem großflächigen Ausfall der Netzversorgung innerhalb von ca. 2 Staunden die Versorgung der Kernkraftwerke aus dem Netz wiederhergestellt werden kann.”
Während man sozusagen live mitverfolgt, wie sich in den letzten Tagen die Dinge in Fukushima entwickeln, demontiert sich zugleich der Optimismus solcher Experteneinschätzungen als waghalsige Naivität.
Wem es an Phantasie fehlt, um die Auswirkungen der Kernenergie für die belebte Natur realistisch einzuschätzen, hat in der Geschichte der Störfälle dieser Technologie bedrückendes Anschauungsmaterial.
An der Gefährlichkeit der manipulierten Materie ist technologisch prinzipiell nichts zu ändern. Der Einsatz dieser Technik ist naiv und gefährlich. Da er nicht im lokal umgrenzten Sandkasten stattfindet, ist die illusionäre Seriösität, die uns die Kommissionen der Technokraten vermitteln sollen, unverzeihlich.
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Update: Bodenseepeter hat sich dankenswerterweise die Mühe gemacht, diese Übersetzung eines Blogposts zu den technischen Details des Unfalls anzufertigen (aus einem Blog, das merkwürdigerweise nichts anderes als dieses eine Posting enthält, in dem zudem den “unermüdlichen Leuten bei WNN” besonders gedankt wird). Frappierend ist jedoch an diesem Text, dass hier wieder das übliche Argument der Ahnungslosigkeit der Gegenseite bemüht wird, um einen Standpunkt der praktischen Bewertung – hier also in der Technikethik der Kernkraft – zu diskreditieren. In den Reihen sowohl der Befürworter als auch der Gegner wird jedoch der Anteil der im technischen Detail Ahnungslosen zweifellos gleichermaßen enorm sein. Und dass bei Kritikern – und selbst bei den vielgescholtenen Journalisten – kein Sachverstand zu finden ist, ist eine Behauptung, die ihrerseits den Tatbestand der Ahnungslosigkeit erfüllt, dem mit einem geringen Aufwand an Internetrecherche abzuhelfen ist.
Darüberhinaus ist der Text auf unfreiwillige Weise ein Beleg für die Monstrosität der in Frage stehenden Tatsachen und Abläufe. Jeder sollte genau dies auf möglichst nüchterne, rationale Weise selbst beurteilen.
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Update 2: Auch der “ahnungslose” Scienceticker maßt sich unbefugterweise eine Meinung zur Kerntechnik an (Ironie aus): “Solange wir Atomenergie nutzen, gehen wir Risiken ein, die im Falle eines technischen Versagens lebensgefährlich sind.”
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Der neue EPUB3-Standard – eine fatale Weichenstellung?
Strahinja Marković, der Entwickler von Sigil, regt sich über Inhalte der neuen EPUB-Spezifikation auf. Seine Anmerkungen sind interessant.
Die im neuen Standard nun hinzugekommene optionale Unterstützung von JavaScript ist ihm ein Dorn im Auge, weil dadurch die Portabilität von eBooks auf unterschiedliche Lesesysteme behindert wird. Zwar warne die IPDF vor der Nutzung von Scripting mit der Feststellung: “it greatly increases the likelihood that content will not be portable across all Reading Systems and creates barriers to accessibility and content reusability“, aber niemand werde darauf hören, so Marković. Die Tore zur Portabilitätshölle seien nun geöffnet. Man werde epub-Bücher herstellen, die alleine für iBooks gedacht sind, und zwar mit teilweise schlechtem, zusammengestoppelten Code, so dass Nutzer anderer Lesesysteme das Nachsehen haben.
Wer vermeintlich “brilliante” Designideen und die notorische Interaktivität in sein eBook bringen will, der solle eine App erstellen, und nicht ein EPUB. Bücher bräuchten zwar keine Kuhglocken; aber die, die sie dennoch haben sollen, seien Apps, keine epubs.
Eine Erweiterung im neuen EPUB3-Standard, die sich Marković erhofft hatte, die aber nicht implememtiert wurde, ist die mandatorische Abdeckung einer minimalen Anzahl von Schriftzeichen. Einige epubs, die nur auf dem iPad getestet wurden, zeigen auf Lesegräten, die Adobes RMSDK verwenden, nur einen Haufen von Fragezeichen. Dieses Problem sei viel dringender als das Anliegen, bunte Videos in epubs abzuspielen.
Außerdem erwähnt Marković, dass Adobes Lesesystem ADE zwar nicht großartig, aber das beste verfügbare sei. Das Schlechteste dagegen sei mit Sicherheit iBooks. Apple schere sich nicht um die EPUB-Spezifikationen, und dies füge sich in die Reihe von absichtlichen Standardverletzungen, die Apple praktiziere. Markovićs Ausführungen sind besonders in diesem Punkt nicht jugendfrei.
Nachtrag zu diesem Thema: Liza Daly hat ihre Präsentation “Cost-effective enhanced ebooks with EPUB3” bei Slideshare bereitgestellt.
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Weltraumforschung Marke Eigenbau
Posted by Björn in Naturwissenschaft, Technik, Verschiedenes on 2010/10/27
Ein Gruppe von New Yorker Freizeitforschern mit dem Namen Brooklyn Space Program steckten eine einfache HD-Videokamera (nämlich die GoPro Hero HD) in eine Styroporbox, verbunden mit einem Ballon, einem Fallschirm und Sensoren – und schickten den Ballon in die Stratosphäre. Der stieg in eine Höhe von 19 Meilen auf, bis der Ballon platzte, der Fallschirm öffnete sich und der rasante Abstieg begann – alles von der HD-Kamera festgehalten und in diesem Video kommentiert wiedergegeben. Großartig. [via]
Homemade Spacecraft from Luke Geissbuhler on Vimeo.
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Entfaltung der Persönlichkeit trotz Internet
Posted by Björn in Emotionen, Erziehung, Internet, Kulturphilosophie, Medien, Psychologie, Second Life, Technik, Virtual Reality on 2010/10/24
In Freundschaften geht man ein Risiko ein – im Internet geht dieser Aspekt realer Beziehungen verloren, schreibt Roger Scruton in “Hiding behind the screen“. Fernsehen, Facebook, Second Life, iPod – deren Dominanz reduziert die Erfahrungsmöglichkeiten, die man braucht, um Selbstbestimmung (Fichte), Anerkennung (Hegel) und Entfaltung (Marx) zu erleben. Demgegenüber wird die Entfremdung durch den Fetischismus der Massenkultur (Adorno, Horkheimer) immer subtiler – und umfassender. Es fehlt an einer kritischen Haltung, die es den Menschen erlaubt, auf reale Erfahrungen und reale Emotionen Wert zu legen. Dazu gehört das Eingehen von Risiken – auch realer emotionaler Risiken, wie sie in naturwüchsigen Beziehungen drohen. Um zu einem moralischen Wesen zu wachsen, braucht es “risk, embarrassment, suffering, and love.“
Die Zukunft virtueller Welten
Posted by Björn in Internet, Second Life, Technik, Virtual Reality on 2010/10/24
Nachdem Philip Rosedale, der Gründer von Second Life, das dahinter stehende Unternehmen Linden Lab verlassen wird (weiterer Link), um sich seiner Neugründung LoveMachine zu widmen, stellt sich für die Nutzer die Frage, wie die Zukunft virtueller Welten für sie aussehen wird. John Lester, ehemals in der Second-Life-Community als Pathfinder Linden bekannt, resümiert die positiven Aspekte kreativer Kollaboration und erinnert daran, dass “there is no fate but what we make“:
“Take a long hard look at those words, and think about all the things you can control. Think about the communities you belong to that can help you. Think about how you can help others. Then stand up, crack your knuckles, and get to work making your own future.”
In den Kommentaren dazu fand ich eine Aussage bemerkenswert:
“virtual worlds will keep on being “reinvented” and resold as new and shiny…and each time, they will be used to make us, more like them, coded. unless we value them less than their users.”
In diesem Punkt – dem Wert, oder man kann genauso gut sagen: der Würde der Benutzer sind sich der Optimist John Lester und sein Kritiker jedenfalls einig.
Über Lesters Ausführungen hinausreichend in Richtung Enhancement ist Jaron Laniers Artikel im Wall Street Journal: “On the Threshold of the Avatar Era” – eine Zukunft, die auch in Anbetracht des Enthusiasmus ihrer Protagonisten wohl Grund zur Sorge ist.
Konferenz zu Computing and Philosophy
Posted by Björn in Akademisches, Technik on 2010/10/03
Vom 4. bis 6. Oktober findet an der TU München die Konferenz “ecap10” zu Computing and Philosophy statt. ECAP ist die europäische Sektion der International Association for Computing and Philosophy (IACAP). In 10 verschiedenen Tracks widmet man sich der Frage, was die Herausforderungen der Informations- und Robotiksysteme sind.
Die Programmübersicht von ecap10 ist hier zu finden, die inhaltliche Beschreibung der einzelnen Tracks ist dort jeweils verlinkt. Das Vortragsprogramm ist hier als PDF erhältlich