Pierre Wagner schreibt bei Eurozine über falsche, weil verkürzende Vorstellungen von Analytischer Philosophie: “The linguistic turn and other misconceptions about analytic philosophy“. Ist Analytische Philosophie dezidiert antimetaphysisch? Heute macht Metaphysik einen großen Teil der analytischen Forschung aus – wenn auch nicht in der Art, wie sie von Hegel oder Bergson betrieben wurde. Ist Analytische Philosophie unhistorisch? Schon einer der “Gründerväter”, Bertrand Russell, hat umfangreich über die Geschichte der Philosophie geschrieben. Wichtige Interpretationen von Platon und Aristoteles stammen aus der Feder von analytischen Philosophen. Ist Philosophie die “Magd der Wissenschaften”? Nicht bei Quine, nicht bei Wittgenstein, und es lassen sich viele Belege in der heutigen Analytischen Philosophie für eine gegenteilige Meinung finden. Sind analytische Philosophen hauptsächlich linguistische Philosophen? Wie ist der “linguistic turn” zu verstehen? Jedenfalls nicht eindeutig in der Weise, so Wagner, dass alle analytischen Philosophen damit auf ein Programm festgelegt wären. Die Analytische Philosophie ist zu vielfältig, als dass sie sich ausschließlich mit einem der genannten Programmpunkte charakterisieren ließe.
Worte und Taten
Einerseits:
It’s actions, not words, that matter.
Andererseits:
Worte können vernichtend sein, Worte können Labsal sein.
Das Äußern von Worten ist auch eine Handlung.
Auch das Äußern von leeren Worten ist eine Handlung.
Leeren Worten wird oft durch Handlungen widersprochen.
Viele Handlungen werden nicht von Worten begleitet.
Die Guten sind nicht immer gut mit Worten, aber in ihren Handlungen.
Böses geschieht oft durch Worte.
Resümée:
1. Taten sind wichtig. Auf sie kommt es an. Ein Wortkarger, der hilfsbereit, empathisch, solidarisch handelt ist ein besserer Freund als eine wortgewandte Unterhaltsame, auf deren Worte man sich nicht verlassen kann.
2. Verbales Gift ist ein starkes Gift. Es zu verbreiten ist eine zerstörerische Handlung, der ein grelles Etikett fürs Gedächtnis anhaftet. Psychologisch bedingt ist es fünffach stärker als freundliche Worte. Die Geduld, die der freundliche Expressive benötigt, ist ein Stück Alltagsheldentum.
The Wittgenstein madhouse
Terry Eagleton, Drehbuchautor des Films “Wittgenstein”, schreibt im Guardian zu Alexander Waugh’s Buch “The House of Wittgenstein“. Ausführlich beschreibt er das “madhouse”, das die Familie Wittgenstein dargestellt haben soll. Eine Rezension des Buches ist es nur insofern, als Eagleton in nur zwei Sätzen darauf eingeht: “Alexander Waugh’s eminently readable, meticulously researched account of the Wittgenstein madhouse might have speculated a bit more on how this background helped to shape the most celebrated of all the Wittgensteins. It certainly casts some light on Ludwig’s extraordinary contradictions.”
Neuauflage von Freges Aufsatzsammlung
Bei Vandenhoeck & Ruprecht ist der von Günther Patzig herausgegebene Sammelband “Funktion, Begriff, Bedeutung”, der fünf Aufsätze von Gottlob Frege sowie ein Vorwort des Herausgebers enthält neu aufgelegt worden. Merkwürdigerweise weist die Seite des Verlags dies als “1. Auflage, 2008″ aus, obwohl diese Aufsatzsammlung unter dem gleichen Titel bereits 1962 bei Vandenhoeck & Ruprecht erschien. Davon habe ich beispielsweise ein Exemplar der “6. Auflage, 1986″. Ob sich in der neuen Auflage gegenüber der Ausgabe von 1962 etwas geändert hat, ist der Verlagsseite nicht zu entnehmen.
“Ayer on Logical Positivism” bei YouTube
Bryan Magee hat 1977 und dann noch einmal 1987 für die BBC eine Interview-Serie zur Philosophie gemacht. Daraus ist das Buch “Talking Philosophy: Dialogues with Fifteen Leading Philosophers” entstanden. Ein Großteil der Gespräche ist legendär und von hervorragender Qualität: “Peter Singer on Hegel, Putnam on Philosophy of Science, Dworkin on Justice, Bernard Williams on Descartes, AJ Ayer on Logical Positivism, Burnyeat on Plato …” (Link)
Das Gespräch mit Alfred Jules Ayer über den Logischen Positivismus gibt es in vier Teilen bei YouTube:
Section 1:
Symbolische Wegweisersysteme
Da mich Otto Neuraths Isotype-System fasziniert, haben die symbolischen Wegweisersysteme von Lance Wyman meine Aufmerksamkeit geweckt. Bei Webesteem erklärt Wyman seine Arbeiten.
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Donald Davidsons No-Language-Argument
In seinem Aufsatz “A nice derangement of epitaphs” hat Donald Davidson seine berühmte These formuliert, dass es so etwas wie Sprache nicht gibt. Anhand zahlreicher Beispiele versucht er zu belegen, dass es nicht so ist, dass Sprache aus einem Satz vordefinierter Bedeutungen und Regeln besteht, die man nur erlernen und anschließend korrekt anwenden muss. Versprecher, Malapropismen oder absichtliche spontane Neuschöpfungen zeigen, dass wir keine starren Konventionen in der Kommunikation benutzen.
Eine kurze deutschsprachige Skizze von Davidsons Auffassung hat Christian Pentzold in “LEO – Lingua et Opinio” veröffentlicht.
Die von Kirk Ludwig herausgegebene Aufsatzsammlung “Donald Davidson” (Cambridge, 2003) befasst sich ausführlicher mit den Beiträgen Davidsons zu verschiedenen Bereichen der Philosophie. Darin untersucht u.a. Samuel Wheeler die Bedeutung des No-Language-Argumentes für die Literatur. Eine ausführliche Rezension dieses Bandes hat Anthony Dardis in den Notre Dame Philosophical Reviews veröffentlicht.
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Preise für Føllesdal und Dworkin
Ronald Dworkin erhält den Bielefelder Wissenschaftspreis 2006.

Die Laudatio wird Jürgen Habermas am 15. Dezember in der Bielefelder Stadthalle halten. “Mit Ronald Dworkin wird einer der einflussreichsten Rechtsphilosophen der Gegenwart geehrt”, heißt es in der Begründung der Jury. Bekannte Bücher von Dworkin sind “Taking Rights Seriously” von 1977 (deutsch: “Bürgerrechte ernst genommen”, 1984), “Law’s Empire” von 1986 oder “Freedom’s Law” von 1996. (Bericht bei Information Philosophie)
Der norwegische Philosoph Dagfinn Føllesdal erhält den diesjährigen Preis für Analytische Philosophie der “Lauener Stiftung” in Bern.

Bekannt ist Føllesdal durch seine Arbeiten in der Sprachphilosophie, Logik, Handlungstheorie, Wissenschaftstheorie und Ethik. Auf deutsch erhältlich ist von ihm beispielsweise “Rationale Argumentation. Ein Grundkurs in Argumentations- und Wissenschaftstheorie” (1988). Er ist Herausgeber des fünfbändigen Werkes “The Philosophy of W.V. Quine” und derzeit Clarence Irving Lewis Professor of Philosophy der Stanford University.

