Archive for category Second Life
Entfaltung der Persönlichkeit trotz Internet
Posted by Björn in Emotionen, Erziehung, Internet, Kulturphilosophie, Medien, Psychologie, Second Life, Technik, Virtual Reality on 2010/10/24
In Freundschaften geht man ein Risiko ein – im Internet geht dieser Aspekt realer Beziehungen verloren, schreibt Roger Scruton in “Hiding behind the screen“. Fernsehen, Facebook, Second Life, iPod – deren Dominanz reduziert die Erfahrungsmöglichkeiten, die man braucht, um Selbstbestimmung (Fichte), Anerkennung (Hegel) und Entfaltung (Marx) zu erleben. Demgegenüber wird die Entfremdung durch den Fetischismus der Massenkultur (Adorno, Horkheimer) immer subtiler – und umfassender. Es fehlt an einer kritischen Haltung, die es den Menschen erlaubt, auf reale Erfahrungen und reale Emotionen Wert zu legen. Dazu gehört das Eingehen von Risiken – auch realer emotionaler Risiken, wie sie in naturwüchsigen Beziehungen drohen. Um zu einem moralischen Wesen zu wachsen, braucht es “risk, embarrassment, suffering, and love.“
Die Zukunft virtueller Welten
Posted by Björn in Internet, Second Life, Technik, Virtual Reality on 2010/10/24
Nachdem Philip Rosedale, der Gründer von Second Life, das dahinter stehende Unternehmen Linden Lab verlassen wird (weiterer Link), um sich seiner Neugründung LoveMachine zu widmen, stellt sich für die Nutzer die Frage, wie die Zukunft virtueller Welten für sie aussehen wird. John Lester, ehemals in der Second-Life-Community als Pathfinder Linden bekannt, resümiert die positiven Aspekte kreativer Kollaboration und erinnert daran, dass “there is no fate but what we make“:
“Take a long hard look at those words, and think about all the things you can control. Think about the communities you belong to that can help you. Think about how you can help others. Then stand up, crack your knuckles, and get to work making your own future.”
In den Kommentaren dazu fand ich eine Aussage bemerkenswert:
“virtual worlds will keep on being “reinvented” and resold as new and shiny…and each time, they will be used to make us, more like them, coded. unless we value them less than their users.”
In diesem Punkt – dem Wert, oder man kann genauso gut sagen: der Würde der Benutzer sind sich der Optimist John Lester und sein Kritiker jedenfalls einig.
Über Lesters Ausführungen hinausreichend in Richtung Enhancement ist Jaron Laniers Artikel im Wall Street Journal: “On the Threshold of the Avatar Era” – eine Zukunft, die auch in Anbetracht des Enthusiasmus ihrer Protagonisten wohl Grund zur Sorge ist.
Psychologie: Forschung und Therapie in virtuellen Welten
Posted by Björn in Internet, Links, Psychologie, Second Life, Virtual Reality on 2009/06/02
Bislang stößt man hierzulande im Wesentlichen auf Unverständnis, wenn man von den kollaborativen Chancen virtueller Welten spricht, für die Second Life wohl das prominenteste Beispiel ist. Seit einigen Jahren kenne ich englischsprachige Projekte in Second Life zu psychologischen Themen – sei es als Bildungs-, Beratungs- oder Selbsthilfeangebot. Mein Eindruck ist, dass sie recht gut funktionieren und einige Möglichkeiten eröffnen, die in der physischen Welt nicht bestehen. Die jeweiligen Betreiber wissen, welche Probleme dagegen das Internet mit sich bringt, und berücksichtigen dies in der Konzeption ihrer Projekte.
Nun berichtet Christian Jarrett in der aktuellen Ausgabe des Psychologist (Volume 22, Part 6, June 2009), dem Flaggschiff der British Psychological Society, von Vorzügen und Gefahren virtueller Welten für die psychologische Forschung, Therapie und Lehre.
Und ganz zeitgemäß kann der Psychologist auch digital online gelesen werden, als Online-Magazin, das sich durchblättern lässt. Der Artikel “Get a second life” lässt sich direkt anspringen, in dem man direkt über der Präsentationsfläche die Seitenzahl “27″ (von 52) eingibt. Oder indem man den unten eingebetteten Reader anklickt.
(Lesemodus öffnet sich durch Anklicken des Magazins)
Jarrett berichtet in seinem Artikel von konkreten Erfahrungen in psychologischer Forschung, Therapie und Lehre in Second Life.
3D-Periodensystem und andere
Posted by Björn in Humor, Links, Naturwissenschaft, Second Life, Verschiedenes, Wissenschaft on 2009/04/30
In Second Life gibt es bei der American Chemical Society ein dreidimensionales Periodensystem, das offenbar als Freebie (kostenlos) erhältlich ist.
Auch im Internet gibt es beeindruckende und sehr informative Darstellungen des Periodensystems, wie diese interaktive Version und diese Seite der Universität Nottingham mit Videos zu jedem Element.
Und hier schließlich eine gesungene Version des Periodensystems:
[via Glaserei]
Webcam from Mars / Lichtverschmutzung
Posted by Björn in Internet, Links, Naturwissenschaft, Politik, Second Life, Technik, Verschiedenes, Wissenschaft on 2008/08/26
Eine besondere Webcam: vermutlich nicht so massentauglich, da keine Verkehrsunfälle, Spannersituationen oder dergleichen aufgenommen werden, sondern … “nur” der Mars, und zwar vom ESA-Mars-Orbiter Mars Express, der brav in einiger Entfernung an unserem Nachbarplaneten hängt. Hier geht es zur Mars-Webcam, für weitere Bilder klicken sie dort auf “Access gallery here”. [via Go for Launch]
Den Link habe ich vom Fischlog. Dort auch der Hinweis auf die Online-Petition gegen Lichtverschmutzung, die voraussichtlich im Oktober vor einen Ausschuss des Deutschen Bundestags zu Umweltfragen kommt. Da derzeit aber Stadtväter- und mütter, Architekten, Discotheken- und Kneipenbesitzer stolz den Nachthimmel mit langweiligen Laserstrahlen zuballern, sehe ich keine Stimmung dafür, uns den Blick auf die Sterne zu erhalten.
Die Übertragung des 8th European Symposium for the Protection of the Night Sky nach Second Life habe ich leider verpasst.
Aristoteles, E-Mails, Second Life und Freundschaft
Posted by Björn in Antike, Bloggen, Ethik, Moralphilosophie, Second Life, Sozialphilosophie, Technik on 2007/07/27
Tim Madigan glaubt, dass E-Mail ganz im Sinne von Aristoteles hilft, Freundschaften zu pflegen.
Ich behaupte meinen Freunden gegenüber, dass dies auch für SMS, Weblogs und ganz besonders sogar für Second Life gilt. Normalerweise glaubt mir aber niemand Letzteres, obwohl die meisten von ihnen ohne Telefon und SMS in der Freundschaft nicht auskommen.
IBM engagiert sich weiter in 3D-Welten wie Second Life
Posted by Björn in Internet, Second Life, Virtual Reality on 2007/07/13
IBM konzentriert sich auch weiterhein “auf die Anwendung virtueller Welten in der Wirtschaft und Gesellschaft”. Das Unternehmen setzt auf diese Form der Interaktion, die, verglichen mit dem zweidimensionalen Web, noch in den Anfängen steckt, und hofft auf offene Standards. “Angesichts der Zukunft dieser Industrie glaubt IBM nicht an eine bestimmte Plattform. Second Life war ein Katalysator.” [Interview mit Ian Hughes, IBM, auf Technology Review]
Der Schriftsteller Neil Stevenson hat übrigens Vorzüge des 2D-Web gegenüber dem 3D-Web herausgestellt, die es auch weiterhin unverzichtbar machen werden:
“In vielen Fällen ist 3-D nicht sinnvoll. Die meisten Inhalte des Internets basieren auf Dokumenten wie Texten, Fotos, Videos und Audio. Die sind extrem benutzerfreundlich, so wie sie sind. Die Frage ist: Was kann eine 3-D-Landschaft anbieten, das den hohen Aufwand rechtfertigen würde? Zwei Antworten sind: Eine naturalistische soziale Interaktion und die Möglichkeit, die Warenwelt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Andere Lösungen werden mit der Zeit sicher kommen. Aber Text, Fotos, Video und Audio werden daneben bleiben.”
[Interview mit Stevenson in der Netzeitung
Virtuelle Welten als Lernplattform
Posted by Björn in Second Life on 2007/01/16
Während die einen rummosern, Second Life sei überflüssig und für Leute, die im echten Leben gescheitert seien, werden die zahlreichen Interaktionsmöglichkeiten virtueller Welten in immer mehr Bereichen erkundet. Willy Hegel (Second Life-Name) befasst sich auf seinem Blog Simteach mit den Potenzialen virtueller Welten als Lernplattform. Auf englisch gibt es bereits simteach.com von Jermey Kemp zu diesem Thema. Eine deutschsprachige Beschäftigung damit ist natürlich für die Information bei uns wichtig. Welcome Willy!
Ogoglio: Die Zukunft des 3D-Webs ist Open-Source
Posted by Björn in Second Life, Virtual Reality on 2007/01/08
Die Zukunft des 3D-Webs ist Open-Source und standardbasiert – diese Vermutung bestätigt das Interview, das Urizenus Sklar mit dem Entwickler der 3D-Plattform Ogoglio, Trevor Smith, geführt hat. Ogoglio soll mit Open-Source-Techniken eine 3D-Welt für Webbrowser und Applets ermöglichen. Neben zahlreichen interessanten technischen Details von Ogoglio und Second Life enthält das Interview Einschätzungen allgemeinerer Natur zur Entwicklung von Internet, virtuellen 3D-Welten, Identitätsmanagement und skalierbaren Services.
“We don’t need a better stand alone 3D client and server grid that barely talks to the web. We need the web to get better.”
Videos aus / über / in Second Life
Posted by Björn in Second Life on 2006/11/19
Man stößt ja nun öfter auf Videos über Second Life – PR-Material von Firmen, “weiterbildende” Berichte oder Videos von Usern mit und ohne tieferen Sinn.
So kann man hier sehen, welches Gedränge am “Geburtsort” neuer Second-Life-Benutzer herrscht – offenbar von einem erfahreneren User aufgenommen, wie die Kameraführung verrät.
Niederländische Parlamentsabgeordnete verschiedener Parteien haben kürzlich aus Anlass der bevorstehenden Wahlen an einer Tour durch Second Life teilgenommen, was man sich hier ansehen kann.
Eine eindrucksvolle Präsentation eines realistischen Modells der Saturn-V-Rakete zeigt dieses Video (mit dem Hinweis auf die bemerkenswerte Tatsache, dass fast alle Avatare von Second-Life-Benutzern unrealistisch groß sind (2 Meter und mehr)).
Dieses Video schließlich zieht alle technischen Register – schließlich geht es um Videoproduktion IN Second Life.
Was mir insbesondere bei den ausgefeilteren Produktionen auffällt, ist, dass die Perfektion keinen Eindruck mehr davon vermittelt, wie sich für den Benutzer die tatsächliche Interaktion mit der Software von Second Life darstellt, mit all den Mausklicks, Kommandos, Ladeverzögerungen etc. Realistischer ist beispielsweise ein Video über eine Aktion einer Gruppe, die sich als Befreiuungsarmee bezeichnet und für Rechte von Avataren eintritt. Diese Gruppe hat kürzlich versucht, einen Laden einer Sportartikelfirma in SL vorrübergehend lahmzulegen – was auch immer man davon halten will. Ich bin kein Freund von Defektion, denn letzten Endes sind es immer die Spinner, die sich berufen fühlen, dieses Mittel fortwährend einzusetzen, um den Gang der Dinge zu beeinflussen. Jedenfalls kann man hier sehen, wie zwei Benutzer interagieren (offenbar nicht kooperativ), wobei die Bedienung des Interfaces mit Menüs, Objektverzeichnissen und Kommandos deutlich zu erkennen ist und einen guten Eindruck vom tatsächlichen Interaktionserlebnis vermittelt – auch in harmlosen und friedlichen Umgebungen.
Eine Übersicht über Videos, die im Netz (GoogleVideo, Youtube …) über Second Life zu finden, bietet SecondLifeVideo.com (derzeit 219 Stück).
Metaverse
Posted by Björn in Second Life, Virtual Reality on 2006/11/08
Nachdem mir gestern der kleine Lapsus mit der Konfusion von “Metaversum” und “Multiversum” passiert ist, will ich nicht aufgeben, und hier ein paar Links und Infos zum “Metaversum” sammeln (als work in progress – der Beitrag wird also peu a peu ein wenig wachsen). Während mir gestern dämmerte, dass man in diesem Zusammenhang häufiger von “Meta” als von “Multi” spricht, fand ich den Begriff Metaversum auch nicht viel sinnvoller. Schließlich sind Technik, Benutzer, Bedürfnisse und Verhaltensmuster doch recht irdischer Natur, oder jedenfalls von dieser Welt. Außerdem sollen in diesen virtuellen Welten keinesfalls rein theoretische Reflexionen über Theorien von Technik, Soziologie und Kommunikation oder was auch immer angestellt werden – wofür der Term “Meta” ja gebräuchlich ist.
Solche begriffshistorischen und etymologischen Überlegungen interessieren widerum auch kaum jemanden, so dass der Begriff unbekümmert davon Verbreitung finden wird. Aber man kann ja mal drüber sprechen.
Dass der Begriff “Metaverse” aus Neal Stephensons durchaus satirischen Science-Fiction-Roman Snow Crash (1992) stammt, erfährt man aus dem betreffenden Eintrag in der Wikipedia, von wo auch der Link zu der interessanten Mauz’s Active Worlds History stammt.
Es gibt – neben den kommerziellen, proprietären virtuellen 3D-Welten, auch ein Open-Source-Projekt, dass sich naheliegenderweise Open Source Metaverse Project (OSMP) nennt.
Die Acceleration Studies Foundation betreibt eine Webseite mit dem Namen Metaverse Roadmap.
Der Metaverse Messenger möchte “A Real Newspaper For A Virtual World” sein.
Nicht zu vergessen ist natürlich das 3pointD-Weblog, das sich auf 3D-Welten spezialisiert hat und natürlich auch ein Tag Metaverse führt.
MetaverseSessions ist eigentlich ein Ableger von SecondCast, dessen Absicht es ursprünglich war, “to cover the culture and events going on in the virtual world Second Life”
Das Multiversum, äh, Metaversum ist … oder nicht?
Posted by Björn in Second Life, Virtual Reality on 2006/11/07
Ich kenne den Begriff Multiversum aus der Kosmologie, wo er für ein Viele-Welten-Konzept steht, also für die Existenz mehrerer Universen – nacheinander, zeitgleich, nebeneinander etc. In den kosmologischen und naturphilosophischen Debatten war schon oft nicht klar, was mit dem Begriff jeweils gemeint war. In der Populärwissenschaft und der Science-Fiction-Literatur wurde er dann immer mehr zu einem schillernden Schlagwort – wie geschaffen für hippe Theorien über technologische Entwicklungen. In der englischen Wikipedia gibt es deshalb wohl zwei getrennte Artikel für “Multiverse” und “Multiverse (science)“.
Weitere Verbreitung erhält “Multiversum” aktuell als Begriff für soziotechnische Interaktionsplattformen in virtuellen 3D-Realitäten (ich feile noch an einem griffigen Wortungetüm). Der Begriff begegnet einem auf fast allen Seiten, die sich mit dem Thema beschäftigen. Dazu ein paar Links, die von Interesse sein könnten: Multiverse.net [via M. Breuer], Metaverse Technologies, und die Kategorie Multiverse beim 3pointD-Blog.