Archive for category rezensionen

Henry E. Allisons Kommentar zu Kants “Grundlegung”

In der “Notre Dame Philosophical Review” rezensiert Dieter Schönecker den Kommentar des amerikanischen Kantexperten Henry E. Allison zu Kants “Grundlegung zur Metaphysik der Sitten”: “Kant’s Groundwork for the Metaphysics of Morals: A Commentary” (Oxford University Press).

Schönecker hat selbst, zusammen mit Allen Wood, einen “einführenden Kommentar” in deutscher Sprache zu Kants “Grundlegung zur Metaphysik der Sitten” verfasst, der innerhalb weniger Jahre bereits in der vierten Auflage erscheint, sowie die jüngste Ausgabe der “Grundlegung” im Meiner-Verlag besorgt.
Henry E. Allison hat 2005 den Kant-Preis erhalten.

Zu dessen neuem Kommentar meint Schönecker nun, dass Vieles, was Allison zu Kants “Grundlegung” sage, zweifelhaft sei, während es gleichzeitig der beste Kommentar sei, der jemals dazu geschrieben wurde. Er geht detailliert auf einige Details ein und schließt: “Allison’s commentary is a masterpiece.

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Das Wall Street Journal schreibt über Pascal Mercier (Peter Bieri)

Nachtzug nach Lissabon” von Pascal Mercier (aka Peter Bieri) ist in zahlreiche Sprachen übersetzt worden und war auch international ein großer Erfolg. “This was a novel that changed you”, wie Sam Sacks im Wall Street Journal berichtet. Auch wenn man dem Buch an manchen Stellen den Akademiker im Autoren anmerke (“instructing without entertaining“), habe es seine feinen, belebenden Stellen, die die Leidenschaft des Publikums für das Buch erkläre.

Nun ist auch Merciers älterer Roman “Perlmanns Schweigen” in den USA erschienen. Doch es sei in Vielem das Gegenteil von “Night train to Lisbon“, so der Rezensent Sacks. Mercier allerdings sei gut darin, die Agonie des Wissenschaftlers Perlmann zu beschreiben, doch sei das mit 600 Seiten zu lange Buch über die Lebenskrise des Romanhelden schmerzhaft zu lesen.

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Was wäre ein selbstbestimmtes Leben? Rezensionen zu Peter Bieris “Wie sollen wir leben?”

Nach seiner Reflexion über das “Handwerk der Freiheit“, in der Peter Bieri, statt philosophische Lehren und Positionen aufzuzählen, sich in einer literarisch-philosophischen Weise einem lebensrelevanten Begriff von Freiheit nähert, ist nun mit seinem neuen Buch “Wie sollen wir leben?” ein weiterer solcher Versuch erschienen, in dem es um Selbstbestimmung und Selbsterkenntnis geht.

Bieri entfaltet explizit ein Verständnis von Philosophie, dass sie nicht auf reine “begriffliche Turnübungen” beschränkt, sondern sie bei der Klärung lebenspraktischer Fragen an die Seite der Psychologie stellt.

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Volker Gerhardt rezensiert Axel Honneths “Das Recht der Freiheit”

Volker Gerhardt rezensiert in der “Welt” Axel Honneths Buch “Das Recht der Freiheit”. Es sei ein “Ereignis in der Theoriegeschichte der Bundesrepublik. Hier kommt die Kritik nicht aus dem intellektuellen Off, hier wird nicht versucht, den Verhältnissen die Leviten zu lesen, sondern hier wird beschrieben, welche Entwicklung die Dinge im Gang der letzten beiden Jahrhunderte aus der Sicht der Soziologie genommen haben.

Honneths Buch stelle einen Paradigmenwechsel der Frankfurter Sozialkritik dar. Allerdings verkenne Honneth die “historische Rolle der Ideen, die unerlässlich sind, wenn es gilt, den Widerstand einer von puren Machtinteressen formierten Realität zu brechen.“. Die Wahrheit müsse man – so der Rezensent – nicht allein bei Hegel, sondern immer auch bei Kant suchen.

Links zu weiteren Rezensionen von Axel Honneths “Das Recht der Freiheit” finden sich hier.

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Neurowissenschaft und Philosophie – Colin McGinn rezensiert V.S. Ramachandran

Colin McGinn hatte im März bei der New York Review of Books das Buch “The Tell-Tale Brain” von V.S. Ramachandran rezensiert, und im Juni erschien dort eine Antwort von Ramachandran sowie McGinns Antwort auf die Antwort (wie es üblich ist). Die Rezension und Diskussion bieten einen guten Eindruck vom Stand der Neurowissenschaft und der Beantwortung von Fragen aus der Philosophie des Geistes. Der neurowissenschaftliche Enthusiasmus, Funktionen des Gehirns und psychologische Vorgänge generell erklärt zu haben, wird von Philosophen in den letzten Jahren häufiger skeptisch beurteilt. Dies ist keine Generalskepsis bezüglich der Relevanz dieser Forschung als solcher, sondern richtet sich auf zu weitreichende Thesen, die beanspruchen, klassische Probleme der Psychologie und Philosophie des Geistes gelöst zu haben.

Zunächst stellt Colin McGinn fest: “This is the best book of its kind that I have come across for scientific rigor, general interest, and clarity.” Dann diskutiert er mehrere Annahmen Ramachandrans kritisch, denn “the relationship between mental function and brain anatomy is nowhere near as transparent as in the case of the body [and physiology] —we can’t just look and see what does what.” Er schildert die von Ramachandran besprochenen Phänomene, wie Phantomvorstellungen von Körperteilen, Spiegelneurone und Sprache, die faszinierend seien, bei denen aber die philosophischen Fragestellungen falsch dargestellt seien und deshalb nicht befriedigend beantwortet werden. Ob Spiegelneurone wirklich ausreichen, um Empathie und Imitation zu erklären, bezweifelt McGinn – wie dies ja auch schon Patricia McChurchland getan habe.
Neurowissenschaft sei faszinierend, sei aber noch nicht über das Anfangsstadium der elementarsten Beschreibungen hinausgekommen.

In seiner Antwort begrüßt Ramachandran die Rezension McGinns, bestreitet aber, dass die philosophischen Fragen geklärt sein müssten, bevor man mit der Forschung beginnt. Daraufhin bekräftigt McGinn seinen “point … that the brain does not wear its functions on its face in the way the gross anatomy of the body does.” Die Fragen nach Willensfreiheit und Qualia können nicht durch Neurologie gelöst werden: “these questions are not going to be resolved by discovering the neural correlates of such things. Here I suggest that he consult an introductory text in philosophy of mind“. Dies, so schließt McGinn “might lead to a neuroscientist with philosophical sophistication — which would be something of real value in today’s intellectual culture.”

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Zu Derek Parfits “On what matters”

In den “Notre Dame Philosophical Reviews” ist eine ausführliche Rezension von Mark Schroeder zu Derek Parfits “On what matters” erschienen.

Bei “New APPS” diskutiert Eric Schliesser “Parfit’s fanaticism” (“On wasted philosophic lives…”).

Der neue “New Yorker” hat ein interessantes Stück (vollständig nur auf Subskription) über Parfit und sein neues Buch. Es enthält einige Trivia zu Parfits Person, bspw. dass er kürzlich seine langjährige Lebensgefährtin Janet Radcliffe Richards geheiratet hat.

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Tyler Cowen rezensiert Parfits “On what matters”

Interessante Rezension bei Marginal Revolution zu Derek Parfits “On what matters“:

Tyler Cowen ist nicht überzeugt von Parfits – einem seiner “favorite philosophers” – Hauptargumenten. Der zentrale Teil des Buches schreie nach Formalisierung “or at the very least citations to formalized game theory“. Und nicht nur das:

Parfit is operating in the territory of solution concepts and game-theoretic equilibrium refinements, but with nary a nod in their direction. By the end of his lengthy and indeed exhausting discussions, I do not feel I am up to where game theory was in 1990.

I read the standard game-theoretic results as implying that ethics is a far more indeterminate enterprise than Parfit might like to see. Any particular specification of rule consequentialism tends to require increasingly baroque refinements to cover all the different possible kinds of situations.

Parfits Diskussion des Konsequenzialismus verfehle “the questions defined by where the frontier — choice theory and not just philosophic ethics — has been for some time“. Bis diese Fragen nicht geklärt seien, sei eine Integration mit dem Kontraktualismus nicht möglich.

Außerdem wundert sich Cowen – wie ich auch – über die Danksagungsliste im Vorwort. Und er verweist neben der hier im Blog schon verlinkten positiven Rezension von Peter Singer auf eine weitere, eher kritische von Constantine Sandis.

Nachtrag: Jussi Suikkanen, der zusammen mit John Cottingham das Buch “Essays on Derek Parfit’s On What Matters” (Blackwell, 2009) herausgegeben hat, schreibt eine Kurzrezension, in der er einige Probleme von Parfits Buch anspricht, die sich seiner Methode verdanken: “What strikes me most now is the philosophical method which Parfit employs again and again throughout the book. It is the oldest tool in the philosophers’ kit. Parfit proceeds by attacking familiar versions of general ethical principles with innovative counterexamples. He then makes these principles more and more sophisticated until they survive the thought-experiments.

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Platons Gastmahl neu im Feuilleton

am besten laut, bekränzt und betrunken vorzulesen” – so Gisela Trahms (Luisas) Fazit zu Platons “Gastmahl” beim Umblätterer. Die launige Kurzrezension ist empfehlenswert.

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Simon Blackburn über Parfits “On what matters”

Simon Blackburn hat eine Rezension zu Derek Parfits neuem Buch “On what matters“, die ursprünglich von der Financial Times beauftragt, dann aber nicht abgedruckt wurde, auf seiner eigenen Webseite veröffentlicht.

Blackburn nimmt eine kritische Haltung zu Parfits Position ein. Anders als Peter Singer, sieht er nicht, was Parfit zu einer realistischen Aufklärung über Moral beiträgt.
Er zitiert einen Satz vom Anfang des Buches: “‘It would be a tragedy’ he tells us on page 2, ‘if there is no single true morality’” und antwortet darauf: “Well, outside the charmed walls of All Souls College, there actually are tragedies.” Innerhalb der Mauern handele es sich vielleicht aber eher um die Komödie von “Don Quixote tilting at windmills“.


Weitere Informationen (und Links) zu Parfits neuem Buch habe ich in diesem Blog hier und hier gepostet.

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Rezension zu Robert Kanes “Ethics and the Quest for Wisdom”

Alexa Forrester rezensiert in den “Notre Dame Philosophical Reviews” Robert Kanes neues Buch “Ethics and the Quest for Wisdom”. Kane stellt eine neuartige vollständige ethische Theorie vor, die er “Moral Sphere Theory” nennt und unter anderem mit dem Kantianismus, Konsequenzialismus und Kontraktualismus kontrastiert.

Robert Kane ist einer der bekanntesten Philosophen der Willensfreiheit.

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Anthropologie des Altruismus

Das amerikanische National Humanities Center hat 2007 unter der Leitung von Martha Nussbaum die Konferenz “Autonomy, Singularity, Creativity” abgehalten. Eingeladen waren unter anderem der Verhaltensforscher Frans de Waal und der Sozialpsychologe Daniel Batson. de Waal hat viel über Empathie bei Primaten und Menschen veröffentlicht, bspw. in “The Age of Empathy” (Amazon-Link). Batson hat sich dreißig Jahre mit Altruismus beschäftigt – sein neuestes Buch “Altruism In Humans” (Amazon-Link) wird regelmäßig von Martha Nussbaum empfohlen (eine ausführliche Rezension gibt es hier.)
Die Vorträge von de Waal und Batson auf dieser Konferenz sind in diesem Google-Video zu sehen (Direktlink).
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Blackburn rezensiert Collingwood-Biografie

Simon Blackburn rezensiert Fred Inglis’ Biografie “History Man: The Life of R.G. Collingwood”. Collingwood war ein brillianter Philosoph und Historiker, so Blackburn. Neben seinen bekannten historischen und philosophiegeschichtlichen Arbeiten sind seine philosophy of mind und seine philosophy of art bemerkenswert modern. Allerdings findet Collingwood in der heutigen Philosophie meist nur in Fußnoten Beachtung, was möglicherweise auch, so vermutet Blackburn, an seiner ostentativen Unbescheidenheit liegt (wie er im Vergleich zu Wittgenstein verdeutlicht).

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