Auf einer Konferenz des Oxford Centre for Neuroethics unter dem Titel “Mechanisms of Self-Control: The lessons from Addiction” referiert Patricia Churchland und diskutiert mit George Ainslie. (Das Embedding des Videos funktioniert leider nicht wie angegeben, aber es kann auf der Webseite angesehen werden.)
Jeremy Rifkin setzt seine Hoffnungen auf Spiegelneurone
Seit Jahrzehnten entwickelt Jeremy Rifkin Visionen für die gesellschaftliche Entwicklung und versucht mit seinen zahlreichen Büchern seine Leser zu diesen Veränderungen zu motivieren (u.a. “Das Ende der Arbeit”). Derzeit wirbt er für die empathische Gesellschaft. Als wissenschaftlichen Unterbau beruft er sich dabei auf Spiegelneurone, die, wie hier, hier und hier berichtet, nicht ganz unumstritten sind. Allerdings schon ohne Spiegelneurone hegte Adam Smith Sympathie für die Empathie (“Theorie der ethischen Gefühle”).
[via Nerdcore]
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Spiegelneurone – real oder Religion?
In der Debatte um die Existenz von Spiegelneuronen hat es neue interessante Beiträge gegeben.
Eine Studie stellt fest, dass Spiegelneurone in mehreren Bereichen des menschlichen Gehirns vorkommen sollen:
Is this the first ever direct evidence for human mirror neurons?
Demgegenüber ist Greg Hicock der Auffassung, dass die Theorie der Spiegelneurone unfalsifizierbar ist. Er zitiert Patricia Churchland, die in einer Diskussion über dieses Thema gesagt haben soll: “If mirror neurons are all over the brain then don’t they lose their explanatory power? Aren’t we now just back to our old friend, the How Does the Brain Work Problem?”:
Mirror Neurons – The unfalsiable theory
Der Neurocritic greift diese Position auf und führt sie weiter:
Mirror Neurons Join Marilyn Monroe Neurons and Halle Berry Neurons in the Human Hippocampus
Von der Neuroethik zum Neurorecht?
Bei Vandenhoeck & Ruprecht ist eine Aufsatzsammlung mit dem Titel “Von der Neuroethik zum Neurorecht?” erschienen, herausgegeben von Stephan Schleim, Tade Matthias Spranger und Henrik Walter. Er befasst sich mit den philosophischen, psychologischen und rechtswissenschaftlichen Fragen, die der Fortschritt der modernen Neurowissenschaften aufwirft. Wie sind die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung zu verstehen, und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die genannten Disziplinen? Das Buch enthält elf Beiträge, unter anderem von Dieter Birnbacher, Stephan Schleim, Henrik Walter und Klaus Günther.
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Was ist Lacansche Psychoanalyse?
Das Wall Street Journal berichtete vor einem Monat, dass Argentinien relativ zur Einwohnerzahl die meisten Psychologen aufweist. Vaughan Bell bietet auf Mind Hacks eine Erklärung zu diesem Phänomen. Die Argentinier hätten eine kulturell verwurzelte Faszination für die Psychoanalyse nach Freud. Ebenso sei Argentinien ein Zentrum der Lacanschen Psychoanalyse, die er wie folgt beschreibt:
Können Schimpansen trauern?
Ein Photo für National Geographic, dass bei Boing Boing gezeigt wird, scheint ein “Ja” nahezulegen. Sehr bewegend.
Podcast mit Sabine Döring über Gefühle
Auf Philosophy Bites gibt es einen neuen Podcast mit Sabine Döring über Gefühle. Unter anderem geht es um die Frage, welche Rolle Gefühle in unserem Leben spielen sollten.
Im Juli war sie bei Bayern 2 zu einem Gespräch über Liebe als das schwierigste der Gefühle.
Zweiter Teil des Videointerviews mit Stephan Schleim zu Neuro-Enhancement
Der zweite Teil des Videointerviews, das Arvid Leyh mit dem Philosophen Stephan Schleim zum Thema Neuro-Enhancement geführt hat, ist jetzt auch veröffentlicht (hier, oder direkt bei Vimeo hier). Darin geht es, wie Stephan Schleim hier im Blog kommentiert hat, “aus ethisch-philosophischer Sicht … um die wesentlich interessanteren Fragen.” Sehenswert!
Neuro-Enhancement und Neuroethik: Neil Levy
Neil Levy hat den Eureka Prize for Research in Ethics 2009 der Australian Catholic University erhalten. Der Webseite des Australian Museum zufolge ist Levy (University of Melbourne und Oxford University) ein Pionier der Neuroethik. Er vertritt die These, dass – informierte Einwilligung vorausgesetzt – psychopharmazeutische Behandlung der individuellen Authentizität keinen Abbruch tut. “Dr Levy also argues we need to stop seeing the brain as sacrosanct.”
Seine Positionen hat Levy in dem Buch Neuroethics: Challenges for the 21st Century dargelegt. [via]
Update: Boing Boing hat einen Bericht zur Verwendung von chemischen Substanzen zu militärischen Zwecken. Er bezieht sich auf einen Artikel von Malcolm Dando in Nature: Biologists napping while work militarized. Um das Offenkundige explizit zu machen: Natürlich hat dieser Einsatzzweck nichts mit informierter Einwilligung zu tun. Ausführlicher äußert sich dazu Stephan Schleim: “Neuro-Waffen auf dem Vormarsch”.
Woody Allen über Philosophie
Edgar Dahl hat in seinem Weblog Libertarian ein fabelhaftes Interview mit Woody Allen veröffentlicht, das er mit ihm in Allens Lieblingsrestaurant „Elaine’s“ geführt hat. Woody Allen plaudert zwanglos und gewohnt ironisch über sein Verhältnis zur Philosophie. Als Quelle seines Pessimismus führt er Schopenhauer an. Er hat die klassischen Autoren des Existenzialismus und deutschen Idealismus gelesen, und gibt als seinen Philosophielehrer Sandor Nadelmann aus. Ob es diesen Nadelmann wirklich gibt, habe ich nicht herausfinden können. Im Internet stieß ich nur auf eine Anekdote über Nadelmann, die Allen in den 80ern geschrieben hat und die voller Übertreibungen ist, sowie auf einen Artikel in der taz, dessen Autor diesen Namen vermutlich als Pseudonym verwendet.
Interview mit Stephan Schleim zum Neuro-Enhancement
Arvid Leyh hat mit dem Philosophen Stephan Schleim ein Videointerview zum Thema Neuro-Enhancement geführt, dessen erster Teil jetzt auf seinem Weblog Braincasts erschienen ist.
Stephan Schleim hat auch eine Webseite zu Neuro-Enhancement.
Braincast 165 – Neuro-Enhancement 1 from Anita Leyh on Vimeo.
Demnächst wird dann wohl der zweite Teil des Videos bei Braincasts erscheinen.
Weitere Philoblog-Beiträge zum Enhancement finden sich hier und hier.
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Generation Me: Eine narzisstische (selbstverliebte) Jugend
Jean Twenge und W. Keith Campbell analysieren Studien, die zeigen, dass es generationelle Unterschiede bezüglich des Narzissmus gibt: die jüngere Generation (“Generation Y”) sei erheblich individualistischer als die ihr vorausgehenden. Sie beschäftige sich stärker mit den eigenen Wünschen, sei selbstbewusster – aber auch unglücklicher als ältere Generationen. Das Befolgen von Pflichten und sozialen Regeln sei ihr weniger geläufig.
Aus der Kommunitarismusdebatte der 80er und 90er Jahre sind diese Diagnosen den Philosophen bereits vertraut. Sie hat uns darauf vorbereitet, über Umgangsformen mit diesem Phänomen nachzudenken. Eine Lösung haben wir noch nicht gefunden, was zu einem erheblichen Teil der ideologischen Unterfütterung geschuldet ist, mit der manche Positionen in dieser Debatte vertreten wurden. Wer vorgebliche Ursachen aus ideologischen Gründen überzeichnet, wer bei praktischen Alternativen das Kind mit dem Bade ausschüttet, der löst eben kein Problem. Dennoch ist die Debatte nach wie vor aktuell. Es gibt eine Vielzahl von wertvollen Beiträgen und umsichtigen Anaylsen. Die Bewahrung oder Wiederbelebung (oder Neuerschaffung) des Gemeinsinns in einer pluralistischen Gesellschaft (d.h. ohne Bezug auf orthodoxe oder okkulte Authoritäten) ist eine der wichtigsten sozialen Aufgaben unserer Zeit.
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