Archive for category Politische Philosophie

Ehrendoktorwürde für Martha Nussbaum in Bielefeld

Martha Nussbaum erhält am 27. Juni an der Universität Bielefeld die Ehrendoktorwürde für ihre Verdienste um die Entwicklung des Capabilities-Approach (Fähigkeiten-Ansatz). Die Laudatio hält Micha Brumlik.

Den Fähigkeiten-Ansatz hat Nussbaum zusammen mit dem Ökonomen und Nobelpreisträger Amartya Sen entwickelt. Er wird in zahlreichen internationalen und nationalen Projekten zur Entwicklungspolitik oder auch der Bildungspolitik eingesetzt. Details dazu findet man in ihrem Buch “Gerechtigkeit oder Das gute Leben.”

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David Humes 300. Geburtstag – 3. Teil

Aus den zahlreichen Postings zu Humes 300. Geburtstag möchte ich noch Folgendes hervorheben:

Wie David Hume unglücklich in Mme. de Boufflers verliebt war und ihr dennoch lebenslang ein freundlicher Berater blieb.

Bei Crooked Timber nimmt Cosma Shalizi die Aufstände in Nordafrika zum Anlass, bei Hume nachzusehen.

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Der nicht mehr neokonservative Francis Fukuyama

Francis Fukyama, der nach dem Ende des Sowjetmarxismus durch das (in der Regel von links wie rechts missverstandene) “Ende der Geschichte” bekannt wurde, hat vor einiger Zeit den Neokonservativen den Rücken gekehrt. Newsweek hat mit ihm über seine Gründe dafür und darüber gesprochen, wie er die aktuellen Entwicklungen der Weltpolitk sieht.

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Martha Nussbaum über die Vervollkommnung menschlicher Fähigkeiten im Liberalismus

In der neuen Ausgabe von “Philosophy & Public Affairs” (vol. 39, no. 1, 2011) ist ein Aufsatz von Martha Nussbaum mit dem Titel “Perfectionist Liberalism and Political Liberalism” erschienen (kostenlose Registrierung erforderlich). Einen Auszug davon gibt es bei Political Theory, wo auch auf diese frühe Fassung von Nussbaums Artikel hingewiesen wird.

Perfektionistische Ethiken für den Liberalismus sind von vielen Autoren, etwa John Stuart Mill (in Anschluss an Wilhelm von Humboldt), Isaiah Berlin, John Rawls, Joseph Raz oder Charles Larmore, vorgeschlagen oder diskutiert worden. Sie vertreten eine umfassende Auffassung des menschlichen Lebens nicht nur für den politischen Bereich, sondern für das menschliche Verhalten generell. Nussbaum favorisiert gegen Joseph Raz eine Form des “Politischen Liberalismus”, wie er auch von Charles Larmore und John Rawls vorgestellt wurde. Andererseits haben Raz und Susan Moller Okin gegen Rawls darauf hingewiesen, dass es auch erforderlich sei, fundamentalistisch-religiöse, rassistische oder sexistische Auffassungen in der Gesellschaft loszuwerden. Deshalb wünscht sich Nussbaum, dass die Debatte zwischen politischem und umfassendem Liberalismus weitergehe.

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Nussbaum-Interview: Aufklärung im 21. Jahrhundert

Die RSA hat in der letzten Zeit Videos einiger Vorträge veröffentlicht, die im Netz viel Aufmerksamkeit fanden. Vor zwei Monaten war Martha Nussbaum eingeladen, über Aufklärung im 21. Jahrhundert zu sprechen. In den USA und Großbritannien ist ihr kürzlich erschienenes Buch “Not for Profit: Why Democracy Needs the Humanities” viel diskutiert worden, weil die Relevanz der Geisteswissenschaften in der politischen Agenda in Frage gestellt wird.
Im Video legt Martha Nussbaum einige ihrer Positionen zu Fragen der Moral und Politik in kurzer, anschaulicher Form dar. Es kann hier heruntergeladen werden (hier nur Audio).

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Charles Taylor, Religion und die New Left der 50er-Jahre

In diesem Interview erzählt Charles Taylor unter anderem von der Zeit in den 50er Jahren, als er und andere (unter anderem Alasdair MacIntyre) bei der New Left Review arbeiteten. Taylor und MacIntyre verstanden sich schon damals als religiös-christliche Sozialisten. Taylor sagt auch einige aufschlussreiche Dinge zur Frage der Moralität von Religion und Atheismus. Mit Blick auf Dawkins und Hitchens räumt er ein, dass Atheisten moralisch sein können. Die weiteren Ausführungen zu dieser Frage entsprechen weitgehend seinen veröffentlichten Thesen.

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Erinnerung an Robert Nozick

Am 23. Januar war der Todestag von Robert Nozick. Manwithoutqualities erinnert an Nozicks weitgespannte Interessen in der Philosophie und verlinkt einige Nachrufe auf ihn.

Nozick hat ja nicht nur “Anarchy, State, and Utopia” geschrieben, das ihn berühmt machte, das aber von seinen Bewunderern noch weniger verstanden wird als von seinen Kritikern, wie Alan Ryan 2002 im Independent feststellt. Zwar wird das Buch oft als philosophische Unterstützung für die neokonservative Politik seit den 1980ern betrachtet, doch ist die darin enthaltene Kritik des sozialen Konservativismus verheerend. Wichtiger (und kennzeichnender) waren für Nozick Bücher wie “Philosophical Explanations” (1981), “The Examined Life” (1989) und “The Nature of Rationality”.

Hilary Putnam, Thomas Scanlon und andere erinnern in einem Nachruf der Harvard Gazette an interessante akademische und biografische Details aus Nozicks Leben.
Nozick war in zweiter Ehe mit der amerikanischen Dichterin Gjertrud Schnackenberg verheiratet.

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Peter Singer über offene Diplomatie und WikiLeaks

Peter Singer reflektiert in einem kurzen Kommentar über den politischen Anspruch von WikiLeaks. Er bringt auf gewohnt klare Weise einige zentrale Argumente zusammen, die Befürworter und Gegner in ihrer aufgeregten Propaganda bislang selten angemessen würdigen. Seine Haltung zu WikiLeaks ist differenziert, gerade auch deshalb, weil Informationen differenziert gehandhabt werden müssen: “Suppose that US diplomats had discovered that democrats living under a brutal military dictatorship were negotiating with junior officers to stage a coup to restore democracy and the rule of law. I would hope that WikiLeaks would not publish a cable in which diplomats informed their superiors of the plot.

Offene Informationen sind für Demokratien einerseits, faire und friedliche Abläufe in der Weltpolitik andererseits unverzichtbar – WikiLeaks zielt auf einen eklatanten Mangel, den politische Regimes überall auf der Welt haben. Es bleibt zu hoffen, dass wir bekommen, was wir brauchen. “It is therefore regrettable that the most likely outcome of the recent revelations will be greater restrictions to prevent further leaks.

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Edna Ullman-Margalit gestorben

Edna Ullmann-Margalit (1946 – 2010) ist gestorben. Sie ist bekannt durch Aufsätze und Monografien, in denen sie Konzepte der praktischen und politischen Philosophie durchleuchtet und auf konkrete Problemfelder angewendet hat. So dürfte ihr Aufsatz “Invisible Hand Explanations” (1978: Synthese 39 (2)) eine der ersten gründlichen philosophischen Analysen zu diesem Thema sein. Eine ihrer jüngeren Arbeiten heißt “Trust out of Distrust” (2002: Journal of Philosophy 99 (10): S. 532-548).
1999 gab sie bei OUP “Reasoning Practically” heraus, und 2001 “Isaiah Berlin: A Celebration” (mit Aufsätzen von Autoren wie Sidney Morgenbesser, Charles Taylor, Ronald Dworkin, Alfred Brendel, Bernard Williams und anderen).

Es scheint nicht viele Nachrufe im Internet zu geben. Eine Meldung gibt es bei Brian Leiter und eine bei Crooked Timber.

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Rezension von Gellners ‘Conditions of Liberty’

Vor einigen Wochen ist John Halls Biografie über Ernest Gellner erschienen, die in den (natürlich nicht deutschen) Blogs einige Beachtung fand. Eines der Bücher Gellners, “Conditions of Liberty”, hat kürzlich Jacob Levy lesenswert rezensiert. [via]

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Adam Smith – der Philosoph

Es ist erstaunlich, welches Bild von Adam Smith heute allgemein verbreitet ist. Nun, er war sozusagen im Zentrum der großen ideologischen Auseinandersetzungen der letzten zweihundert Jahre – allerdings von Gegnern und Anhängern dieser Ideologien dort hingestellt. In der Politik wird bekanntlich grob gehobelt, da nimmt man auf Einzelheiten keine Rücksicht. Dennoch ist es unverständlich, dass ausgerechnet ein Wissenschaftler, der auf ein überhöhtes Podest gehoben wird, so wenig bekannt, sein Bild so verzeichnet ist.
Nicholas Phillipson hat jetzt eine neue Adam-Smith-Biografie geschrieben, die beim New Statesman rezensiert wird. Eine kurze, aber vorzügliche deutsche Biografie hat Gerhard Streminger schon vor einigen Jahren in der Reihe Rowohlts Monographien veröffentlicht.

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Gegen ein relativistisches Argument in der Google-China-Affäre

In den Folien zu seinem re:publica-10-Vortrag “Das Internet ist dezentral. Und andere gefährliche Mythen” (zu finden auch bei Carta) schreibt Sebastian Deterding:

Umgekehrt wecken Googles Aktivitäten in China ein ganz anderes Unbehagen: Faktisch versucht hier ein US-amerikanisches Unternehmen einer souveränen Nation (China) technisch Werte und Normen vorzuschreiben.

Auch wenn man diese Behauptung im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung Google vs. China hier und da schon vernommen hat, so ist sie einfach Unsinn. Das eigentliche moralische Argument übergeh ich mal, weil schon auf der sachlichen Ebene einiges an dieser Darstellung schief ist. Denn zunächst einmal ist es Google unbenommen, sein Geschäft so zu betreiben, wie Google es für richtig hält. Und vom sachlichen Verlauf her war es China, das Google vorschreiben wollte, wie dies zu geschehen hat.
In Sebastians Bemerkungen zu den Folien, also seinen Argumenten, die sich ja den Gefahren einer Zentralisierung widmen, ist diese Behauptung nur schwer einzuordnen. Ich kann nicht nachvollziehen, warum sie aufgestellt wird. Weil es schick ist? Oder politisch korrekt? Zu sehen, wie verbreitet ein solcher Relativismus ist, weckt ebenfalls Unbehagen. Soll man vielleicht annehmen, böse Monopole kommen zwangsläufig aus den USA? Wie müsste man sie bewerten, wenn sie aus China kommen? Diese Fragen sollen keine polemische Unterstellung einer Position sein, die Sebastian hätte, aber sie folgen aus einer so unglücklichen Behauptung, wie er sie aufgestellt hat.

Tim O’Reilly hat übrigens vor wenigen Tagen die “Cloud” aus seiner Sicht dargestellt, und formuliert gewissermaßen optimistisch die Bedingungen, die wir erfüllen müssen, damit wir das Monopolszenario vermeiden können. Er kommt dabei zu einer ganz anderen Einschätzung von Google, Microsoft und einigen anderen Größen, als ich das in deutschen Beiträgen bisher gefunden habe.

Update: Und prompt belehrt mich Johnny Haeusler erfreulicherweise eines besseren: “Zukunft gestaltet man, indem man sich bemüht, die denkbar beste Version davon vorzubereiten.

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